Über die Jenischen, eine unbekannte Minderheit

„Wir campen nicht, wir wohnen. Warum lasst ihr uns nicht?“
jenische Familie

Wagen von Fahrenden

BILD: Schnappschuss aus Tübingen, kunstvoll verzierter Wagen von Fahrenden

Antiziganismus richtet sich im deutschsprachigen Raum nicht nur gegen Sinti und Roma, sondern kann sich auch gegen die Minderheit der Jenischen richten. Die Existenz dieser Minderheit ist in der Öffentlichkeit der Bundesrepublik kaum bekannt.
Generell sind die Jenischen eine soziokulturelle Minderheit, deren Mitglieder sich teilweise auch als ethnische Minderheit verstehen. Es handelt sich um „eine transnationale europäische Minderheit, deren Wurzeln bis ins Mittelalter und möglicherweise noch weiter zurückreichen“.
Jenische sind bzw. waren eine Gruppe von Fahrenden, die sich nicht den Sinti und Roma zuordnen und über eigene Traditionen und eine eigene Verständigungssprache verfügen. Unklar ist Herkunft und Entstehung dieser Gruppe. Einer Theorie nach sind die Jenischen eine im Zuge der Bauernkrieg (1520-25) aus der Schweiz ausgewanderte Volksgruppe. Viele jenische Wörter stammen aus dem Romanes, aus der jüdischen Umgangssprache, dem Jiddischen und aus dem Rotwelschen. Allerdings ist Jenisch als Sprache an der Stufe zum Aussterben. Zwar wird Jenisch z.B. noch in Waldachtal, einem Ortsteil Lützenhardt, noch gesprochen bzw. zur Verständigung genutzt. Aber es gibt insgesamt wohl nur noch einige hundert, die diese Sprache bzw. ihren Wortschatz beherrschen.
Traditionell übten durch ihre fahrende Lebensweise übten Jenischen bestimmte Berufe aus. Berufe wie das Altwarensammeln, verschiedene Formen von Wanderhandwerken (Kesselflicker, Scherenschleifer, Korbflechter etc.) und den Hausierhandel. Diese Berufe verdeutlichen auch die Stellung der Jenischen als marginalisierte Minderheit und ihre gesellschaftliche Deklassierung.
In der Mehrheitsgesellschaft wurden die Jenischen, auf Grund ihrer traditionell fahrenden Lebensweise, häufig als „Zigeuner“ wahrgenommen und angefeindet und manchmal auch als „weiße Zigeuner“ bezeichnet.

Interessanterweise entstanden Gruppen mit ähnlichem Charakter fast zeitgleich in Großbritannien („Traveller“), Irland („tinker“) und Frankreich („Gens de Voyage“). Auch sie stoßen auf starke Ablehnung der ansässigen Mehrheitsgesellschaft. So lehnten in einer Umfrage 75 % der englischen Bevölkerung ansässige Traveller in ihrer Nachbarschaft ab. Durch Auswanderung gibt es auch größere Gruppen von Traveller in den USA.

Besonders im deutschsprachigen Raum ist die Minderheit zu finden. In Österreich sollen 35.000 Jenischen leben, genau soviel in der Schweiz, wo sie vermutlich am besten organisiert sind. Weitere Länder mit Jenischen-Minderheiten sind Frankreich und Luxemburg. Es soll auch Jenische in Ungarn und Weißrussland geben.
Was die Zahlen der Minderheit in Deutschland betrifft, so gibt es hier sehr unterschiedliche Angaben. Sie schwanken zwischen 8.000 und 250.000. Die Bundesregierung sprach von etwa 8.000 Jenischen. Bis zu 400.000 Menschen in Deutschland sollen jenischer Abstammung sein, die wenigsten dürften sich dessen allerdings bewusst sein. In ganz Deutschland sollen noch etwa 5.000 Personen noch jenischen Traditionen leben. Heute ist die große Mehrheit der Jenischen fest ortsansässig. Nur ein paar hundert sollen noch ganzjährig fahrend sein, d.h. in einem Wohnwagen leben. Eine ältere Schätzung nennt 8-10.000 „Landfahrer“ für die alten Bundesländer, worunter aber auch Kleinzirkusleute, Schausteller und fahrende Sinti gefallen sein dürften. Sowieso ist der Begriff „Landfahrer“ durch eine jahrzehntelange Kriminalisierung von Fahrenden durch Behörden unter diesem Begriff zu vermeiden.
Als wichtigste Interessenorganisation der Minderheit in der Bundesrepublik gilt der „Jenische Bund in Deutschland“, der nach Eigenangaben etwa 4.000 Mitglieder haben soll.
Siedlungsschwerpunkt ist Süddeutschland. Angeblich leben bis zu 120.000 Jenische in Bayern, Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz. Traditionell leben sie hier in einzelnen, kleineren Orten oder Vierteln. Die baden-württembergische Stadt Singen gilt als Hochburg der Jenischen, wo hunderte Menschen mit jenischen Selbstverständnis leben.

Verfolgung im Nationalsozialismus
Jenische sind eine vergessene und bis heute öffentlich nicht anerkannte Opfer-Gruppe des Nationalsozialismus.
Die Jenischen wurden häufig auf Grund ihrer Lebensweise als „Zigeuner-Mischlinge“ oder wegen ihrer Lebensweise „als Asoziale“ bzw. „nach Zigeunerart umherziehende Personen“ kategorisiert und verfolgt. Teilweise wurden sie im NS aber auch als Jenische benannt. So wurden bei den deportierten „Kindern von Mulfingen“ die Jenischen-Kinder auch als Jenischen benannt, während die Opfer dieser Deportationen in der Geschichtsschreibung zumeist nur als Sinti benannt wurden.
Jenische NS-Opfer sind teilweise auch anhand ihres Wohnortes erkennen. Beispielsweise, wenn die Opfer aus Fichtenau im Kreis Schwäbisch Hall stammten, wo heute noch 50 Familien mit jenischem Stammbaum leben. Allein aus diesem kleinen Ort wurden fünf Jenische im KZ umgebracht.
Viele wurden ermordet oder zwangssterilisiert, die genaue Zahl der Opfer aus dieser Minderheit ist unbekannt. Schätzungen gehen von bis zu 100.000 Opfern aus. Timo Adam Wagner, ein Minderheiten-Vertreter gab an, fast jede zweite Familie habe Opfer zu beklagen gehabt, „meist sogar mehrere“.

In der Schweiz wurden die Jenischen zwar nicht wie im Nationalsozialismus verfolgt und umgebracht, aber es wurden ihnen durch eine staatliche Behörde mit Zwang hunderte Kinder weggenommen.

Ethnic Profiling: Schauspielerin wurde Einreise in EU verweigert

Die Mazedonierin ist Romni und wollte ihre Schwester in Deutschland besuchen

„Ich habe mich noch niemals in meinem Leben so gedemütigt gefühlt“, sagte Emra Kurtischova, nachdem sie von einem Beamten am Flughafen in Skopje trotz gültigen Flugtickets und biometrischen, also schengentauglichen Passes wieder heimgeschickt worden war, berichtet die Plattform Balkan Insight. Kurtischova glaubt, dass sie nicht in die EU fliegen durfte, weil sie eine Romni ist. Die Schauspielerin wollte am 19. Juni nach Deutschland fliegen, um ihre Schwester, die in Konstanz lebt und während ihrer schwierigen Schwangerschaft Hilfe braucht, zu unterstützen. Das Retourticket war für zwei Monate danach ausgestellt.

Nicht genügend Geld dabei

Doch am Flughafen in Skopje wurde Kurtischova von dem Beamten nicht zum Flug durchgelassen. Die Begründung: Die Schauspielerin habe nicht ausreichend Geld für ihren Aufenthalt in Deutschland bei sich. Kurtischova hatte 500 Euro und eine Bestätigung bei sich, wonach ihre Schwester in Konstanz für ihren Aufenthalt aufkommen werde. Laut Balkan Insight soll sich auf dem Schreiben auch ein Stempel der Stadt Konstanz befinden. Kurtischovas Flugticket wurde jedoch storniert, und sie musste ihr Gepäck zurücknehmen und umkehren. „Warum habe ich überhaupt einen Reisepass, wenn ich nicht ins Ausland reisen darf?“, fragte Kurtischova laut Balkan Insight. Die mazedonische Polizeiministerin Gordana Jankuloska wies gegenüber Balkan Insight jegliche Diskriminierungsvorwürfe zurück. Kurtischova sei an der Reise gehindert worden, weil sie nicht ausreichend Geld bei sich gehabt hätte. Im Fall von Deutschland müssten Reisende demnach 43 Euro pro Tag zur Verfügung haben.

Druck auf Balkanstaaten

Mazedonier, Serben und Montenegriner können seit 2009 ohne Visa in die Schengenzone reisen. Seit aber die Asylanträge von Mazedoniern und Serben (vor allem im Winter) in den vergangenen Jahren in einigen EU-Staaten (etwa in Deutschland, Belgien, Schweden und Frankreich) gestiegen sind, haben diese Staaten begonnen, Druck auf die Balkanstaaten auszuüben, damit diese die Asylanträge verhindern, und haben sogar mit einer Aufhebung der Visafreiheit gedroht. Seitdem gibt es immer wieder Berichte, dass Roma (etwa in Mazedonien) daran gehindert werden, in EU-Staaten zu reisen. In Österreich suchen die Südosteuropäer meist nicht um Asyl an, weil die Verfahren und somit die Aufenthaltsdauer viel kürzer sind als etwa in Deutschland.

Stempel in Pässen von Roma

Der Südosteuropaexperte der Universität Graz, Robert Pichler, hat den Umgang mit den Roma genauer erforscht und einen mazedonischen Pass fotografiert, in den Grenzbeamte bestimmte Kennzeichen machten. „Am Stempel erkennt man die Striche, die die Grenzbeamten den Romapässen verpassen, um sie zu stigmatisieren. Mit diesem Zeichen im Pass können sie das Land nicht mehr verlassen“, so Pichler zum STANDARD.

Der mazedonische Ombudsmann berichtet in seinem jüngsten Bericht über 15 Fälle, bei denen es um ethnische Diskriminierung geht. In acht Fällen haben die Behörden die Vorschläge des Ombudsmanns wegen ethnischer Diskriminierung akzeptiert. Typisch seien Beschwerden, wonach Bürgern „der Roma-Gemeinschaft nicht erlaubt wurde, die Staatsgrenzen zu übertreten“, so der Bericht des Ombudsmann für das Jahr 2013. Der Ombudsmann forderte in diesen Fällen Informationen der Grenzpolizei an und wies auf das Diskriminierungsverbot und das Verbot der Beschränkung der Bewegungsfreiheit hin. Generell wird in jüngster Zeit darauf geachtet, dass Reisende aus Südosteuropa „genügend“ Geld bei sich haben. Wenn man etwa mit dem Bus aus Südosteuropa Richtung EU-Europa fährt, kommt es vor, dass der Buschauffeur die Aufgabe übernimmt, zu überprüfen, wie viel Geld man bei sich hat und ob es zulässig ist, in die Schengenzone zu reisen.

Beschwerde wegen Diskriminierung

Auf Anfrage des STANDARD meinte Kurtischova, sie habe zurzeit nichts Weiteres zu sagen. Die 28-jährige Schauspielerin überlegt, ob sie wegen Diskriminierung eine Beschwerde einreicht, und will sich an den Ombudsmann wenden. Abgesehen davon möchte sie eine Rückerstattung für ihr Flugticket, sagte sie zu Balkan Insight.

Quelle: Der Standard
Stand: 25.06.2014

Roma boy attacked in Paris: the picture that will shock France

François Hollande calls brutal gang assault on 16-year-old Roma boy ‚unspeakable and unjustifiable attack on all the principles on which our republic was founded‘

What happened to Darius in the City of Poets, a poor immigrant district in the bleak northern suburbs of Paris, has shocked France. Now, to add to the distressing accounts, a picture of the battered 16–year–old Roma boy, has been passed to The Telegraph. Darius was beaten by a gang of youths, dumped in a supermarket trolley and left for dead on the side of the road. A mob of about 20 balaclava–wearing vigilantes snatched the teenager from his family after he was accused of burgling a nearby flat. They dragged him from the squalid Roma camp where his family had moved a month ago, hauled him across the tram lines to the nearby housing estate, and pummelled him in the basement of a building. A neighbour, a Roma who has been living in the area for several years, later found the boy unconscious in a car park, slumped in a trolley, wearing his red T–shirt and track suit bottoms, his face swollen. „I brought him back here and called the ambulance,“ said the neighbour, who provided The Telegraph with the gruesome picture of the boy, who yesterday was still in a coma fighting for his life in a Paris hospital after suffering multiple skull fractures. (mehr…)

PRESSEINFORMATION

Initiative „Leipzig Korrektiv“
c/o Vereinigung der ausländischen Bürger im Freistaat Sachsen e.V.
Haus der Demokratie – Leipzig
Bernhard-Göring-Straße 152
04277 Leipzig

Die Bundestagswahlen waren kaum vergangen und die Tinte des Koalitionsvertrages der jetzigen Regierung noch nicht getrocknet, da gab es schon viel Anlass zu Kritik an diesem Koalitionsvertrag. Ein Grund dafür ist die geplante Erklärung von Serbien, Mazedonien und Bosnien-Herzegowina zu sogenannten „Sicheren Herkunftsländern“. Diese Einstufung ermöglicht es, die Ablehnung der Anträge von Asylsuchenden aus diesen Ländern sowie deren Abschiebung zu beschleunigen. Der Leipziger Stadtrat dagegen hatte zuvor am 16.05.2012 – zumindest als symbolischen Akt gegen Abschiebungen – einen Antrag zur Unterstützung einer Kampagne für ein Humanitäres Bleiberecht für langjährig geduldete Roma in Leipzig angenommen – gegen die Stimmen der zwei NPD-Rassisten und mit einigen Enthaltungen in der CDU-Fraktion. – Angesichts der tatsächlichen Situation in den besagten Ländern sollte auch die vorgesehene Entscheidung zu den sogenannten „Sicheren Herkunftsländern“ hinterfragt werden.

Dieser Aufgabe wollten wir – die drei Leipziger Stephan Bosch (Leipziger Friedenspreisträger 2009), Richard Gauch (Preisträger „Couragiert in Leipzig 2013), beide Mitglieder der Initiative „Leipzig Korrektiv“, sowie Ricky Burzlaff, ein langjährig für die Interessen von Roma und Flüchtlingen auf dem Balkan tätiger Aktivist – uns annehmen. Auf das Problem aufmerksam geworden waren wir durch einen Artikel über eine mazedonische Familie, die unendliches Leid durchstehen musste.

So wohnten wir gemeinsam am 6. Mai der Anhörung am Verwaltungsgericht Leipzig bei, deren Zweck die Entscheidung über den Asylantrag einer mazedonischen Familie war. Der Familienvater trug dem Gericht vor, dass seine sechsköpfige Familie in einem Roma-Slum in der Stadt Veles (Mazedonien) gelebt hatte. Nachdem Unbekannte seine Frau im Beisein der vier Kinder vergewaltigt hatten, habe er beschlossen mit seiner Familie nach Deutschland zu flüchten. Dies sei das Land, in dem er seine Jugend verbracht habe, sagte er. Jedoch wollte das Unglück der Familie auch hier noch nicht enden. Am 30. März 2013 wurde der damals elfjährige Sohn der Familie in Leipzig-Grünau Opfer eines Gewalttäters, der schon 1985 ein Kind missbraucht und anschließend getötet hatte.
Was war geschehen? Die L-iz.de meldete: „Reiner G. nähert sich Y.von hinten. Minutiös schildert der Junge den Angriff. G. hielt seinem Opfer den Mund zu und zerrte den jungen Mazedonier vom Fußweg ins Gebüsch. „Dann hat er mich mit zwei Händen gewürgt“, berichtet Y. tapfer. „Ich hab keine Luft gekriegt.“ Nun ließ der Angreifer die Hose fallen. Der Penis war erigiert, erinnert sich das Opfer.“ (mehr…)

Roma-Junge bei Paris fast zu Tode geprügelt

Ein 16-jähriger Roma-Junge kämpft nach einem Lynch-Angriff in einem Pariser Vorort um sein Leben. Er war gewaltsam verschleppt und in einem Keller brutal misshandelt worden.

Nach einem Lynch-Angriff in einem Pariser Vorort kämpft ein Roma-Junge um sein Leben. Der 16-Jährige liege im Koma, sein Leben sei in Gefahr, hieß es am Dienstag aus Justizkreisen in der französischen Hauptstadt. Ein Polizeivertreter sagte, der Jugendliche sei am vergangenen Freitag in einem sozialen Brennpunktviertel im Norden von Paris bewusstlos in einem Einkaufswagen gefunden worden. Er sei zuvor von „einem Dutzend“ Menschen, die ihn für einen Einbruch in eine Wohnung verantwortlich machten, gewaltsam verschleppt und in einem Keller brutal misshandelt worden. Seine Mutter alarmierte die Polizei, weil sie ihren Sohn vermisste. Er lebte zusammen mit seiner Familie und anderen Roma in einem Lager rings um ein verlassenes Haus. Michel Fourcade, der Bürgermeister der Stadt Pierrefitte-sur-Seine, wo sich der Angriff ereignete, sagte, der Jugendliche sei in den vergangenen Wochen wiederholt von der Polizei wegen Einbrüchen in der Wohnsiedlung befragt worden. Die Einbrüche sorgten bei den Anwohnern für Ärger. In Frankreich gibt es immer wieder Spannungen mit Gruppen von Roma, die vielfach in illegalen Lagern am Rand von Städten wohnen. Der Anwohner Ion Vardu sagte, die Roma seien vor drei Wochen plötzlich aufgetaucht. Nach dem Angriff auf den Jugendlichen hätten sie aber ihr Lager sofort geräumt. Am Montag lagen an ihrem früheren Wohnort nur noch vereinzelt Kleidungsstücke und Matratzen herum. Bürgerrechtsgruppen haben immer wieder vor zunehmendem Rassismus gegen die Minderheit gewarnt. Der Vorsitzende des Bezirksrats, Stephane Troussel, verurteilte „ein
abscheuliches Verbrechen unter dem Mantel der Rache“. Der Staat schulde allen Schutz, „egal wo sie leben oder woher sie stammen“.

Quelle: Der Tagesspiegel
Stand: 17.06.2014

Der Mob und sein Opfer

Der brutale Lynch-Angriff auf einen Roma-Jungen in Frankreich ist ein Zeichen für das Elend der Vorstadtsiedlungen. Die etwa 17.000 Roma werden von der Linksregierung so zahlreich nach Rumänien und Bulgarien zurückgeschafft wie zuvor unter dem konservativen Präsidenten Sarkozy.

Er heißt Darius, ist 16 Jahre alt und liegt mit zertrümmerten Schädelknochen in einem Pariser Krankenhaus, zwischen Leben und Tod schwankend. Passanten hatten ihn um Mitternacht am Rand einer Hauptstraße gefunden – blutüberströmt, in einen Einkaufswagen geworfen. Laut inoffiziellen Angaben wurde der nicht vorbestrafte, aber polizeilich registrierte Jugendliche Opfer eines Lynchmobs. Bewohner der „Cité des Poètes“, der „Wohnsiedlung der Dichter“ der Pariser Vorortsgemeinde Pierrefitte-sur-Seine, straften ihn offenbar auf diese Weise für einen angeblichen Einbruch in die Wohnung einer alleinstehenden Frau. Mehrere bewaffnete Unbekannte, so heißt es, seien am Freitag in das Roma-Lager von Darius’ Eltern eingedrungen und hätten den 16-Jährigen verschleppt. Stundenlang sei er in einem Keller festgehalten und brutal malträtiert worden. Die Mutter habe vom Telefon ihres Sohnes gegen Mitternacht einen Anruf erhalten, sie müsse ein Lösegeld von 15 000 Euro zahlen. In der gleichen Nacht fand man den lebensgefährlich Verletzten. Premierminister Manuel Valls verurteilte die Tat zuerst „mit großer Entschlossenheit“ – was auf der Richterskala der behördlichen Emotionsbekundung nicht gerade ein großer Ausschlag war. Dann äußerte aber auch Präsident François Hollande seine „Entrüstung“ über die „unsäglichen und nicht zu rechtfertigenden Akte, die alle Prinzipien unserer Republik verletzen“. Innenminister Bernard Cazeneuve versprach rasche Aufklärung. (mehr…)

Police accused of ‘institutional racism’ towards Romanies

Inquiry launched after Gypsy officer says he was subjected to years of racial abuse

One of Britain’s largest police forces has launched a review into how it deals with Gypsies, Roma and Travellers after being accused of institutional racism by one of its own officers. Thames Valley Police said yesterday that it had reached a settlement with Constable Jim Davies, an English Romany Gypsy who claimed at an employment tribunal earlier this year that he had been subjected to years of racial abuse. PC Davies, 52, from Brackley, Northamptonshire, also alleged that he had witnessed other officers referring to Romany Gypsies as “pikeys”. His experiences led him to found Britain’s first Gypsy Roma Traveller Police Association (GRTPA), which launched in March and now has 55 members. In a statement, Thames Valley Police said it would “not tolerate any form of discrimination towards any minority group”. It added: “In light of the issues and observations raised by PC Davies, a review of how Thames Valley Police engages with Gypsy Roma Traveller communities will be commenced. “This review will be conducted independently and will involve a review of existing policies and procedures to ensure Thames Valley Police serves all of its communities and ensures that any racial stereotyping or outdated practices and procedures are amended or removed.” PC Davies, who has worked for Thames Valley Police for 20 years and is currently in the fixed penalty unit, told The Independent he had never sought any financial compensation from the force because his only motivation was to “change things and make things better”. Although he was unable to talk about the specifics of his own case for legal reasons, PC Davies said he had set up the new association because of the lack of a “support network” for Gypsy, Roma and Traveller police officers, who he said faced “open discrimination”. “It’s not something that’s peculiar to the police, it’s there in all walks of life and all occupations,” he said. “Various members tell a similar story: it’s very rare for someone to challenge a colleague for racist behaviour or racist comments if those comments apply to Gypsies and Travellers. And that makes for a very difficult working environment.” (mehr…)

Nach Lynch-Angriff in Pariser Vorort: Junger Roma liegt im Koma

Rache an einem vermeintlichen Einbrecher: Der 16-Jährige wurde bewusstlos in einem Einkaufswagen aufgefunden, nachdem ihn ein Mob verschleppt und misshandelt hatte.

Nach einem Lynch-Angriff in einem Pariser Vorort kämpft ein Roma-Junge um sein Leben. Der 16-Jährige liege im Koma, sein Leben sei in Gefahr, hieß es am Dienstag aus Justizkreisen in der französischen Hauptstadt. Ein Polizeivertreter sagte, der Jugendliche sei am vergangenen Freitag in einem Viertel im Norden von Paris bewusstlos in einem Einkaufswagen gefunden worden. Er sei zuvor von „einem Dutzend“ Menschen, die ihn für einen Einbruch in eine Wohnung verantwortlich machten, gewaltsam verschleppt und in einem Keller brutal misshandelt worden.

Seine Mutter alarmierte die Polizei, weil sie ihren Sohn vermisste. Er lebte zusammen mit seiner Familie und anderen Roma in einem Lager rings um ein verlassenes Haus.
Michel Fourcade, der Bürgermeister der Stadt Pierrefitte-sur-Seine, wo sich der Angriff ereignete, sagte, der Jugendliche sei in den vergangenen Wochen wiederholt von der Polizei wegen Einbrüchen in der Wohnsiedlung befragt worden. Die Einbrüche sorgten bei den Anwohnern für Ärger. In Frankreich gibt es immer wieder Spannungen mit Gruppen von Roma, die vielfach in illegalen Lagern am Rand von Städten wohnen.
Der Anwohner Ion Vardu sagte, die Roma seien vor drei Wochen plötzlich aufgetaucht. Nach dem Angriff auf den Jugendlichen hätten sie aber ihr Lager sofort geräumt. Am Montag lagen an ihrem früheren Wohnort nur noch vereinzelt Kleidungsstücke und Matratzen herum. Bürgerrechtsgruppen haben immer wieder vor zunehmendem Rassismus gegen die Minderheit gewarnt. Der Vorsitzende des Bezirksrats, Stephane Troussel, verurteilte „ein abscheuliches Verbrechen unter dem Mantel der Rache“. Der Staat schulde allen Schutz, „egal wo sie leben oder woher sie stammen“.

Quelle: taz.de
Stand: 17.06.2014

Getötet, weil er im Weg war

Auch tausende Kinder fielen dem Euthanasie-Programm der Nazis zum Opfer. Jetzt wird das Leben des 14-jährigen Augsburgers Ernst Lossa verfilmt.

Ernst Lossa wäre in diesem Jahr 85 Jahre alt geworden, erlebt hat er nicht einmal seinen 15. Geburtstag. Der Augsburger Bub gehörte der Minderheit der Jenischen an und wurde von den Nazis im Rahmen des sogenannten Euthanasie-Programms ermordet. Vor wenigen Jahren erschien Lossas Geschichte als Buch, nun soll sein Leben verfilmt werden. Die Volksgruppe den Jenischen setzt große Hoffnungen in den Kinostreifen. „Wir versprechen uns, dass sich die Bevölkerung endlich mit der Geschichte der Jenischen beschäftigt“, sagt der Vorsitzende des Bundesrats der Jenischen Deutschlands, Timo Adam Wagner. Denn Lossas Schicksal sei kein Einzelfall für die Jenischen während der Hitler-Diktatur gewesen. „Es gab kaum eine Familie, die nicht betroffen war.“

Die Jenischen lebten laut Wagner damals überwiegend in Süddeutschland. Doch im Unterschied zu Sinti und Roma sind sie bis heute kaum bekannt. Ihr Bundesrat fordert entsprechend, dass die systematische Verfolgung durch die Nazis erforscht wird. Bislang seien nur Einzelfälle dokumentiert, sagt Wagner. Genaue Zahlen von Opfern unter den Jenischen gebe es nicht. Der Vorsitzende schätzt, dass es damals rund 100 000 Todesopfer gab. Viele weitere seien inhaftiert oder zwangssterilisiert worden, erklärt Wagner.

Lossas Vater stirbt in Flossenbürg

Auch Ernst Lossas Vater wurde verfolgt, ins Konzentrationslager Dachau gesperrt, er stirbt schließlich im oberpfälzischen KZ Flossenbürg. Ernst kommt mit seinen beiden Schwestern in ein Augsburger Kinderheim, seine Mutter stirbt in einem Krankenhaus bereits mit 23 Jahren. Später wird der Junge in ein Nazi-Erziehungsheim gebracht, schließlich landet er in der Heil- und Pflegeanstalt in Irsee und wird – wie viele andere dort – umgebracht. Mit 14 Jahren stirbt Ernst Lossa im August 1944 durch zwei Giftspritzen. Nach dem Krieg werden die Morde in einem Euthanasie-Prozess in Augsburg verhandelt, doch die Täter kommen mit milden Strafen davon. Vor wenigen Jahren schreibt der Autor Robert Domes die Lebensgeschichte des Buben auf.

Quelle: Mittelbayrische Zeitung
Stand: 11.06.2014

Antiziganismus in Bulgarien: Gewaltexzesse, deren Ursache offiziell geleugnet wird

Die Hetze rechtsextremer Parteien und Organisationen trifft in Bulgarien auf eine jahrhundertelang antiziganistische Tradition. Die Folge: Brutalste Gewaltexzesse gegen Roma sind keine Ausnahmen. Doch die politischen Verantwortlichen verschließen offiziell die Augen vor dem politischen Gehalt der Ausschreitungen.

Die Gründe für die Auswanderung von Roma in Bulgarien vor allem in westliche Staaten der EU, darunter auch die Bundesrepublik, liegen einerseits in der Hoffnung auf bessere ökonomische Perspektiven in den Aufnahmestaaten. Andererseits ist es der manifeste Rassismus der (weißen) Bevölkerungsmehrheit, der ebenfalls für die Emigration verantwortlich ist.

Die Zahl der in Bulgarien lebenden Roma ist schwer zu rekonstruieren. Laut den Angaben der letzten Volkszählung aus dem Jahre 2011 gibt es offiziell 325.000 Roma, was knapp fünf Prozent der Gesamtbevölkerung ausmacht. Da aber davon auszugehen ist, dass die Befragten aus Angst vor Diskriminierung ihre eigene Identität häufig leugnen, ist eine deutlich höhere Zahl wahrscheinlich. (mehr…)



Referer der letzten 24 Stunden:
  1. google.com (23)