Archiv für Februar 2011

Romanian Senate rejects bill to officially rename Roma „Gypsies“

The Romanian Senate has voted down a bill to officially rename the Roma minority „Gypsies“. Romanian press agency Mediafax reports senators voted 51 against the bill and 27 in favor, with five abstentions.

The bill claimed the change was needed because of the similarity between the name of the country of Romania („Romania“ in Romanian) and that of the Roma („Romi“ in Romanian). It also argued that the term „Gypsies“ („Tsigani“ in Romanian) is more widespread in the country. The Associated Press reports that two parliamentary committees endorsed the change last week.

Roma associations did not like the idea from the start, as they consider the label of „Gypsies“ to be abusive. In their view the term labels the Roma as a nation that is poor, rootless and uneducated.

Quelle: Romea.cz
Stand: 10.02.2011

Romani Rose: „76 Prozent erfahren Diskriminierung“

Heidelberg. Der Vorsitzende des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma ist vor allem besorgt über die Lage seiner Minderheit in Mittel- und Osteuropa. Mit Romani Rose sprach in Heidelberg Ulrich Lüke.

General-Anzeiger: Sie sind nun seit bald 30 Jahren Vorsitzender des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma. Hat sich die Lage Ihrer Minderheit in diesen Jahren gebessert?

Romani Rose: Sie hat sich in vielen Bereichen verbessert. Man setzt sich heute auch mit dem Holocaust an Sinti und Roma auseinander. Wir müssen die Konsequenzen aus der Geschichte ziehen, Klischees und Vorurteile ächten, so dass ein respektvolles Miteinander möglich wird.

GA: Zum ersten Mal hat Ende Januar ein Sinto im Bundestag zum Gedenken an den Holocaust gesprochen. Spät, aber nicht zu spät?

Rose: Beides. Spät, und man muss hinzusetzen: Leider war es zu spät für viele der Überlebenden, die das gern miterlebt hätten. Es hat ein Überlebender des Holocaust gesprochen. In ein paar Jahren wird das nicht mehr möglich sein, diese Generation stirbt aus. (mehr…)

Lehrstück in Sachen extrem rechter Antiziganismus

Der Berliner Ableger der rechtspopulistischen Pro-Bewegung hat am 5. Februar 2011 einen Text mit der Überschrift „Nachteile der Freizügigkeit“ veröffentlicht, der exemplarisch ist für einen Antiziganismus der extremen Rechten.

Die (unbekannte) antiziganistische Traditionslinie der Pro-Bewegung

Die Pro-Bewegung ist in den Medien vor allem für das von ihr gepflegte Feindbild Islam bekannt. Weitgehend unbekannt ist die antiziganistische Traditionslinie der Pro-Truppe. Entstanden ist Pro-Bewegung in Köln als lokale Wählerformation „Pro Köln“. „Pro Köln“ entstand 1996 als eine Art Abspaltung von der „Deutschen Liga für Volk und Heimat“ (DLVH). Die 1991 gegründete DLVH war der gescheiterte Versuch die diversen extrem rechten Parteien in Deutschland unter einem Dach zusammenzuführen. Die Kölner DLVH kam vor allem aus den Reihen der Republikaner (REPs). So gibt es unter den Funktionären der Pro-Bewegung einen ganzen Personenkreis, der von den REPs zur DLVH kam und schließlich bei der Pro-Bewegung landete. (mehr…)

Romani agency ends activity over alleged segregation

Prague, Feb 3 (CTK) – The Czech government agency for Romany inclusion will immediately stop its activities in Holesov, south Moravia, over the town hall’s allegedly segregationist policies, Vaclav Zeman, from the agency, has told CTK, citing the monitoring committee’s decision.

The 20-member committee comprises experts from Romany associations, ministries, regional authorities and town halls.

Holesov mayor Zdenek Janalik, however, dismisses the claim, saying it is a misunderstanding.

„The Holesov town hall applies practices of segregation instead of integration. We want to send a clear sign to Holesov and other towns that such approach is incompatible with the agency’s,“ said Czeslaw Walek, director of the Government Office’s human rights section and a member of the monitoring committee.

The agency, which provides advice to towns on issues related to Romany integration, will discontinue its cooperation with Holesov after the town hall had more than 70 local Romanies moved from the town to container-like houses on its outskirts, Walek said.

According to an analysis experts completed a couple of years ago, there are over 300 excluded localities, houses or neighbourhoods, in the Czech Republic. Romanies prevail among their inhabitants. Many Romany children end up in „practical schools“ for pupils with learning difficulties, which critics say is inappropriate.

The agency’s workers try to coordinate cooperation of local town halls, labour offices, schools and NGOs on a local Romany integration plan outlining the necessary steps in areas such as education, housing, safety and employment.

The agency also helps towns apply for EU subsidies.

The agency started operation in 12 towns in 2008, and later it extended it to include another 11 towns.

In accordance with schedule, it plans to end its activities in six towns in mid-2011. In another six it will continue to operate until end-2012.

Quelle: Prague Daily Monitor
Stand: 16.02.2011

Erinnerung statt Stereotype

Am 27. und 28. Januar werden ein Weg in Ede-und-Unku-Weg und eine Sporthalle in Johann-Trollmann-Boxcamp umbenannt. Damit wird an Sinti erinnert, die während des Nationalsozialismus‘ ermordet wurden.

Schmutzig. Umherziehend. Faul. Geheimnisvoll. Mit vielen Stereotypen haben Sinti und Roma zu kämpfen. Wenn sie in der öffentlichen Wahrnehmung auftauchen, dann werden Sinti und Roma meistens problematisiert. Dabei ist die Geschichte ihrer Diskriminierung, Verfolgung und Ermordung aufgrund eben dieser Stereotype lang – und leider hat sie noch kein Ende. Ein dunkles Kapitel ist dabei das Porajmos, zu deutsch „das Verschlingen“. Porajmos bezeichnet die systematische Verfolgung und Ermordung der Sinti und Roma zur Zeit des Nationalsozialismus. Zum diesjährigen internationalen Holocaustgedenktag wird auch an Sinti und Roma erinnert – und damit werden sie endlich einmal nicht mehr zum Problem gemacht, sondern ihre Geschichte erzählt.

Was mit Unku geschah (mehr…)

Guter Rat an die Lebenden

Zum Holocaust-Gedenktag am 27. Januar wird eine Straße in Berlin-Friedrichshain den Namen Ede-und-Unku-Weg erhalten. Dieses Ereignis gedenkt der toten und soll ein Zeichen sein für die lebenden Juden, Sinti und Roma im Land.

Der Name erinnert an ein Buch, seine Helden und an die Autorin. Der Jugendroman „Ede und Unku“, geschrieben 1931 von Grete Weiskopf, genannt Alex Wedding, gehörte zu meiner Kindheit. Er erzählt die Geschichte einer Freundschaft zwischen zwei Berliner Kindern kurz vor dem Nationalsozialismus: Ede, Sohn eines Arbeitslosen trifft Unku, ein Mädchen aus einer Sintifamilie. Es geht um Loyalität, Freundschaft, Vorurteile und Klassenkampf. (mehr…)

Italien: vier Roma-Kinder starben in Feuer

Brand
In der Nacht vom 6. auf den 7. Februar brach in einem Roma-Lager in Rom (Italien) ein Feuer aus, dass vier Kinder (ein Mädchen, drei Jungen) im Alter zwischen vier und elf Jahren im Schlaf tötete. Das Feuer erreichte das Lager am Sonntag in einem waldreichen Bereich. Die genaue Brandursache ist bisher unbekannt.
In Anbetracht der zahlreichen Brandstiftungen gegen Roma-Lager in Italien in jüngerer Vergangenheit dürfte eine gezielte Attacke nicht auszuschließen sein. Sollte das nicht der Fall sein, so war es doch die allgemeine Armut und Ausgrenzung, die die Roma in ein Lager am Rande der Stadt verbannten, dass offensichtlich einer erhöhten Brandgefahr ausgesetzt war. Von den etwa 150.000 Roma in Italien sind viele gezwungen in 100 Roma-Lagern zu leben.

Katrin Lange befasst sich in ihrem Beitrag „Die Stille durchbrechen. Antiziganistische Stimmungsmache in Italien und der Widerstand dagegen“ in dem Sammelband „Antiziganistische Zustände“ (Münster, 2009) mit dem Wechselspiel zwischen von oben geförderten und von unten auf der Straße umgesetzten Antiziganismus in Italien. So erfährt man auch, dass bereits von der Vorgänger-Regierung Berlusconis Roma in „campi nomadi“ („Nomaden“ ersetzt in Italien immer mehr den Begriff „Zigeuner“) ghettoisiert wurden. (mehr…)