Archiv für März 2011

Hohes Schmerzensgeld für Roma nach Polizeigewalt

Straßburg (dpa) – Die rumänische Regierung muss drei Roma, die von Polizisten schwer verletzt worden waren, insgesamt 150 000 Euro Schmerzensgeld zahlen. 130 000 Euro sprach der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) am Dienstag in Straßburg einem zur Tatzeit 19-Jährigen zu, den ein Polizist bei einer Verfolgungsjagd 2000 in Bukarest mit einem Kopfschuss schwer verletzt hatte. Der junge Mann blieb nach seiner Genesung halb gelähmt. Den zwei weiteren Roma, Zeugen des Vorfalls, sprach der Gerichtshof wegen menschenunwürdiger Behandlung auf der Polizeiwache zusammen 20 000 Euro zu. Nach Darstellung der rumänischen Regierung hatte der Polizist in Notwehr gehandelt, weil der junge Roma ihn mit einem Messer bedroht hatte. Die Richter befanden, dass der Polizist unnötige Gewalt angewendet habe.

Quelle: Europe Online Magazine
Stand: 28.02.2011

Controversy over comments about Roma by Hungarian far-Right leader

Gábor Vona, chairman of the radical nationalist party Jobbik, has recently come under fire for comments made about Roma in Hungary.

During a parliament session on the 14th February, he said that a major problem in Hungary was the fast reproductive rate of the gypsy community.

The Speaker of the Hungarian National Assembly László Kövér made no objection to this remark. When the Socialist chairman Attila Mesterházy later advised Kövér to take action against similar behaviour in the future, he was told by the Speaker to not commentate on how the session was being led or else he would not be allowed to speak. (mehr…)

Reportage Ungarn – Rassismus – Tötungsdelikt – Volksgruppe

Rassismus In Ungarn wächst der Hass auf Roma. Zwei Menschen werden getötet, und keiner will die Tragödie aufklären. Die Mörder schießen aus dem Hinterhalt
Von Knut Krohn

Mein, Renata will nicht reden. Stumm lehnt sie am Türrahmen, die Arme verschränkt, den Blick unsicher gesenkt. Der ganze Körper signalisiert Abwehr. „Erzähl doch was“, drängt ihre Mutter Ildiko nach einigem Warten. Das beharrliche Schweigen dehnt jede Sekunde zu einer kleinen Ewigkeit. Ihr Vater Jakab steht etwas abseits in einer Ecke des schmucklosen Wohnzimmers und macht eine unwirsche Handbewegung. Renata drückt sich noch fester an das Holz des Türrahmens, kaut nervös auf ihren Lippen und sagt kein Wort.

Was soll die junge Frau noch erzählen? Jeder hier in dem Dorf Tatarszentgyörgy, sechzig Kilometer südlich von Budapest gelegen, kennt die Geschichte der Roma-Familie bis ins letzte Detail. Sie ist ein Beispiel für Ausgrenzung, Ignoranz, Rassismus und den daraus resultierenden hinterhältigen Morden an zwei unschuldigen Menschen, weshalb sich sogar die führenden Politikerin der Hauptstadt Budapest damit beschäftigen mussten. Neben diesem, dem öffentlich gemachten-Teil, gibt es allerdings inzwischen eine Fortsetzung des Unglücks. Die ist weniger spektakulär und lässt sich nicht in dramatische Bilder pressen, weshalb sich kaum jemand dafür interessiert. Im Zentrum stehen Verzweiflung, Missgunst, Neid und
Hoffnungslosigkeit. (mehr…)