Die ständige Ausstellung im Dokumentationszentrum der Sinti und Roma

Dokuzentrum Heidelberg
Wenig bekannt ist, dass der „Zentralrat deutscher Sinti und Roma“ seinen Sitz in Heidelberg hat und dort auch eine ständige Ausstellung zum Holocaust an den Sinti und Roma unterhält.

Die Ausstellung ist jedenfalls nur spärlich besucht, wenn man am Samstagnachmittag vorbeischaut. Dabei ist können in dieser Thematik wenig Informierte bei dem Besuch der Ausstellung einiges über den Völkermord an den Sinti und Roma erfahren.

Man erfährt, häufig am Beispiel einzelner Schicksale, von der sich steigernden Ausgrenzung und Diskriminierung, die meist parallel zu der der Juden verlief. Ebenso wie die Juden wurde den Sinti und Roma (Nazi-Jargon: „Rassezigeuner“) das Mensch-Sein abgesprochen, eine notwendige Vorstufe auf dem Weg zur Vernichtung. Illustriert wird diese De-Humanisierung in der Ausstellung durch ein Zitat aus der Zeitschrift des Deutschen Ärztebundes von 1938:

Ratten, Wanzen und Flöhe sind auch Naturerscheinungen ebenso wie die Juden und Zigeuner. Alles Leben ist Kampf. Wir müssen deshalb alle diese Schädlinge biologisch allmählich ausmerzen.

Immer mehr steigert sich die Diskriminierung und Verfolgung. Bereits ab 1937 werden Sinti und Roma in einigen Städten in regionalen KZs „konzentriert“. Ab März 1939 müssen Sinti und Roma „Rasseausweise“ tragen und in ihrem Arbeitsbuch wird ein „Z“ vermerkt. Sie müssen eine „Rassensondersteuer“ von 15% zahlen, werden aus der Wehrmacht ausgeschlossen und dürfen nicht wählen oder die Schule besuchen.
Nach der Besetzung Westpolens 1939 werden 30.000 Sinti und Roma aus dem Reichsgebiet ins Generalgouvernment deportiert. Im Februar 1943 werden dann 23.000 Sinti und Roma aus elf europäischen Ländern nach Auschwitz deportiert und ermordet.
Der 14jährige Robert R., ein Sinto und Heimkind, wird aus dem katholischen Heim St. Josefspflege in Mulfingen nach Auschwitz deportiert. In einem Abschiedsbrief endet er mit dem Satz „Auf Wiedersehen im Himmel“.
Insgesamt werden bis zu 500.000 Sinti und Roma ermordet. Allein in Polen finden an mindestens 180 Orten Massenerschießungen von Roma durch so genannte Einsatzgruppen statt.

Die Ausstellung umfasst drei Etagen mit Bildern und Texten, sowie mehreren Zeitzeugen-Videointerviews. Für einen Besuch der Ausstellung sollte man etwa eineinhalb bis zwei Stunden einplanen. Das Thema ist natürlich entsprechend bedrückend und viele Bilder stellen brutale und grausame Szenen dar, deshalb sollte man sich überlegen, ob der Ausstellungsbesuch für Personen unter 14 Jahren oder besonderes sensible Personen geeignet ist.

Einige Mankos hat die Ausstellung leider. So konzentriert sie sich fast nur auf das Dritte Reich. Wird die soziale Stellung der Sinti und Roma im Kaiserreich und in der Weimarer Republik noch ansatzweise wiedergegeben, so endet die Ausstellung 1945. Der Besucher oder die Besucherin erfährt nicht was aus den Tätern wurde und wie sich das Weiterleben der Überlebenden gestaltete. Was durch die enge Beschränkung auf den Zeitraum von 1933 bis 1945 auch fehlt ist die Kontinuität der antiziganistischen Diskriminierungspraxis (z.B. bei der Polizei).
Das die soziale Gruppe der Jenische im „Dritten Reich“ als so genannte „Zigeunermischlinge“ verfolgt wurde, wird leider auch nirgendwo erwähnt.

Dokuzentrum Heidelberg II

Öffnungszeiten und mehr unter: www.sintiundroma.de