Archiv für Oktober 2012

Das Nazi-Pogrom 1992 in Rostock gegen Roma und Vietnamesen – Eine Dokumentation

Die Ereignisse von Rostock – eine knappe Chronologie

Vorbemerkung:
Zwei Monate nach den Ereignissen in Mannheim-Schönau gelang den Nazis in Rostock ihr bis dahin furchtbarster Auftritt: Mit Unterstützung Tausender Anwohner setzten diesmal nicht 100 bis 150, sondern 400 bis 500 Nazis ganze Wohnblöcke in Brand. Auch in diesem Fall dauerte das Pogrom mehrere Tage an, ohne dass es die Polizei unterbunden hätte. Ebenso bemerkenswert ist, dass den Nazis dieser Auftritt ermöglicht wurde durch einen Aufruf einer bürgerlichen Zeitung, die die Anwohner dazu aufforderte, sie sollen doch bitte „das Asylproblem selber in die Hand nehmen” – und die Folge war: Brandstiftung mit einkalkuliertem Mord. Vermutlich ist es nur der Anwesenheit eines ZDF-Kamerateams im Haus zu verdanken, dass die 115 Menschen im Haus gerettet werden konnten. Ein weiteres neues Kennzeichen gegenüber dem bisherigem Nazi-Terror war, dass nunmehr von allen Seiten eine antiziganistische Hetze gegen Roma einsetzte, die beispielsweise die „Bild”-Zeitung mit einer ganzen Artikelserie betrieb.

Quelle & .pdf: gewantifa
Stand: August 2012

Keine Überraschung – antiziganistische Einstellungen ungarischer Jugendlicher

Mit freundlicher Genehmigung der Autorin Luca Váradi
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Gedenken an ermordete Sinti und Roma ist bleibende Verpflichtung

Anlässlich der Einweihung des Mahnmals für die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma Europas am 24. Oktober in Berlin erklärt der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Dr. Dieter Graumann: „Ich freue mich für die Gemeinschaft der Sinti und Roma in Deutschland, dass das vor Jahren geplante Mahnmal endlich fertiggestellt ist und eingeweiht wird”…

“Es war auch höchste Zeit dafür. Mehrere Hunderttausend Sinti und Roma sind Opfer des nationalsozialistischen Rassenwahns und Vernichtungswillens geworden. Ihrer zu gedenken, ist für die gesamte Gesellschaft in Deutschland eine bleibende Verpflichtung, besonders aber für uns Juden. Haben wir doch nicht vergessen, dass Sinti und Roma in der Zeit des nationalsozialistischen Mordens unsere Schicksalsgenossen waren, für die wir immer Nähe und tiefe Freundschaft empfinden werden.

An diesem Tag sollten wir aber auch den Blick auf die Gegenwart lenken. Bis heute werden Sinti und Roma diffamiert, ausgegrenzt und angegriffen. Noch immer grassieren furchtbare Vorurteile über Sinti und Roma. Sie leben seit Hunderten von Jahren in Europa und sind dennoch europaweit noch immer so stark von Diskriminierung betroffen.

Rassismus und Diskriminierung von Minderheiten sind und bleiben immer inakzeptabel. Die Europäische Union, gerade frisch ausgezeichnet mit dem Friedensnobelpreis, wird sich nun auch daran messen lassen müssen, wie energisch sie sich für die Rechte der Sinti und Roma einsetzt. Auch in Deutschland bleibt noch viel zu tun. Mehr Aufklärung, vor allem in der Schule, über die Geschichte und Kultur der Sinti und Roma ist dringend erforderlich. Dass Tausende von Menschen allein wegen ihrer Herkunft beleidigt, benachteiligt oder gar körperlich angegriffen werden, werden wir niemals hinnehmen.”

Quelle: Hagalil
Stand: 24.10.2012

Hate crime investigation launched surrounding Ezra Levant’s Roma broadcast

The Roma Community Centre in Toronto wants police to investigate comments made by Ezra Levant in a recent broadcast on Sun News Network as a hate crime.

The centre says it has “officially reported a hate crime” about Ezra Levant’s broadcast, “The Jew vs. the Gypsies” that aired on his show The Source on September 5. The Toronto Police Service confirmed to J-Source that they are investigating a complaint from the centre.

“The hate crime unit is investigating,” said Toronto Police constable Wendy Drummond. “The complaint is new, and the investigation is ongoing.”

No charges have been laid.

In the broadcast, Levant accused the Roma of cheating the Canadian refugee system, and stereotyped them as criminals. He said:
“These are gypsies, a culture synonymous with swindlers. The phrase gypsy and cheater have been so interchangeable historically that the word has entered the English language as a verb: he gypped me. Well the gypsies have gypped us. Too many have come here as false refugees. And they come here to gyp us again and rob us blind as they have done in Europe for centuries … They’re gypsies. And one of the central characteristics of that culture is that their chief economy is theft and begging.” (mehr…)

„Zeugen eines nationalen Erwachens“

Die nationalistisch-orthodoxe „Noua Dreapta“ hat am vergangenen Wochenende in Timişoara eine Protestkundgebung gegen Roma abgehalten.

Mit rassistischen und nationalistischen Sprüchen wie „Zigeuner merke dir, Rumänien gehört nicht dir“, „Blutsauger raus“, „Rumänien den Rumänen“ oder „Nationaler Widerstand“ sind am 20. Oktober etwa 100 Neonazis aus den Reihen der „Noua Dreapta“ (Neue Rechte) in Timişoara (Temeschburg) aufmarschiert. Bogdan Popa, Führer der örtlichen „Noua Dreapta“, hetzte in seiner Rede gegen ansässige Roma und forderte die Behörden auf, sich zu fragen, „woher diese Individuen ihr Vermögen haben“.

In Rumänien leben offiziell um die 600.000 Roma, die tatsächliche Zahl dürfte aber bei zwei Millionen liegen. Etwa jeder zweite Rom ist Analphabet. Ein Drittel der Familien lebt in Ghetto-ähnlichen Zuständen und ist bitterarm.

Die „Noua Dreapta“ fordert eine Lösung des „Zigeunerproblems“. „Wir wollen nichts mehr von einer Romasprache hören“, heißt es in einem programmatischen Text von „Noua Dreapta“. In Punkt fünf der zehn aufgeführten Ziele der „Noua Dreapta“ wird ein „Verbot der Benennung ‚Roma’ für Zigeuner“ gefordert. Weiter ist zu lesen: „Wir sind Zeugen eines nationalen Erwachens. Wir wollen … keine gebogenen Nasen und bläulichen Lippen mehr sehen“. (mehr…)

„Wir wollen unsere Geschichte selbst erzählen und gestalten“

Nach 67 Jahren wird endlich das Mahnmal für die ermordeten Sinti und Rroma Europas in Berlin eingeweiht. Vertreter beider Gruppen begehen diesen besonderen Tag mit einer gemeinsamen Aktion. Unterstützt werden sie dabei von der Amadeu Antonio Stiftung.

Auch über 60 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs, ist die Berichterstattung und öffentliche Meinung über Sinti und Roma überwiegend fremdbestimmt. Dabei sind oft Schlagwörter wie „nicht integrierbar“, „bildungsfern“ oder „unprofessionell“ vorherrschend.

Dieser fremdbestimmten Meinungspolitik möchten das 2011 gegründete Rroma Informations Centrum e.V. und die seit 2009 bestehende Initiative Rromnja aktiv mit einer selbstbestimmten Arbeit entgegentreten. Im Verein sind daher alle Schlüsselpositionen mit Rromafachleuten besetzt, welche sich mit rromabezogenen Themen auseinandersetzen. Denn wie der Verein erklärt,: „Wir wollen unsere Geschichte selbst erzählen und gestalten. Das Rroma Informations Centrum e.V. bietet eine Plattform für Rroma Aktivist_innen, um Stimmen hörbar zu machen und die Vielfalt der Rroma- Perspektiven zu Themen wie Bildung, Politik und Kunst aufzuzeigen und zur gesamtgesellschaftlichen Reflexion beizutragen.“ (mehr…)

Denkmal für Sinti und Roma: Keine Opfer zweiter Klasse

Gedenken nach langem Streit: Am Mittwoch wird in Berlin ein Denkmal für die von den Nazis ermordeten Sinti und Roma eingeweiht. Lange war über Gestaltung und Kosten gestritten worden. Ein besonderes Ärgernis, denn auch heute noch werden Sinti und Roma ausgegrenzt und verfolgt.

Inmitten einer dunklen, glatten Oberfläche ein Farbtupfer: Eine Blume für abertausende ermordete Menschen. Einmal täglich versinkt sie im dampfenden Wasser, kurz darauf taucht unter gebrochenen Geigenklängen eine frische Blume auf.

Nach über zwei Jahrzehnten Wartezeit wird an diesem Mittwoch im Berliner Tiergarten, nur einen Steinwurf vom Bundestag entfernt, das Denkmal für die im Holocaust ermordeten Sinti und Roma eingeweiht.

Dass nicht nur Bundeskanzlerin Angela Merkel, sondern auch Bundespräsident Joachim Gauck an der Einweihung teilnehmen, verweist auf das politische Gewicht des Termins. Lange haben Roma, Sinti und andere fahrende Völker darauf gewartet, als Opfer der Nationalsozialisten anerkannt zu werden. Der Streit um die Gestaltung des Denkmals zog sich über zwanzig Jahre hin. (mehr…)

Ein Genozid, so systematisch wie der Judenmord

Rassismus als Programm: Die Verfolgung der Sinti und Roma gipfelte im Völkermord. Nach 1945 wollte davon niemand etwas wissen. Erst heute werden sie in die Gedenkkultur aufgenommen.

Die Diskriminierung und Verfolgung der Sinti und Roma hat eine lange Traditionen. Das NS-Regime machte sich die überlieferten rassistischen und sozialen Ressentiments zu eigen und stigmatisierte die Minderheit von Anfang an. Die Ausgrenzung mündete im Völkermord. Auch dieser Genozid wurde so systematisch wie der Judenmord geplant und ausgeführt. Aber er drang erst spät ins Gedächtnis der Nation, weil sich die Mehrheit der Deutschen lange Zeit einig war, dass das Schicksal der „Zigeuner“ von anderen Intentionen bestimmt gewesen sei. Nicht Rassenhass, sondern Kriminalprävention sei die Absicht der Nationalsozialisten gewesen, und die Leiden hätten Sinti und Roma weniger verspürt als andere Opfer.

1938 wurde im Reichskriminalpolizeiamt eine „Reichszentrale zur Bekämpfung des Zigeunerunwesens“ eingerichtet. Heinrich Himmler, in dessen Zuständigkeit als „Reichsführer SS und Chef der Deutschen Polizei“ die Sinti und Roma geraten waren, verfügte am 8. Dezember 1938, dass die „Regelung der Zigeunerfrage aus dem Wesen dieser Rasse heraus“ erfolgen müsse, und zwar auf der Grundlage der „durch rassenbiologische Forschungen gewonnenen Erkenntnisse“. Die notwendigen Informationen hatten Wissenschaftler der Kriminalpolizei zu liefern.

Aber auch schon vor Himmlers Erlass zur „Bekämpfung der Zigeunerplage“ wurden Sinti und Roma „in Schutzhaft“ genommen, das heißt in Konzentrationslager eingewiesen. Als Vorwand diente der traditionelle Vorwurf, sie seien kriminell und „asozial“. Kommunale „Zigeunerlager“ (wie das in Berlin-Marzahn) bildeten den Anfang der Ausgrenzung. (mehr…)

Gedenken an Völkermord während der NS-Zeit: Ein Denkmal für die Sinti und Roma

Mit der Eröffnung des Denkmals für die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma geht ein langer Streit zwischen Politik, dem Künstler und Opferverbänden zu Ende. Ein Überblick über die Geschichte des Denkmals und seine Bedeutung.

In Berlin ist am 24. Oktober das Denkmal für die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma Europas eingeweiht worden. Neben Bundeskanzlerin Angela Merkel waren Spitzenpolitiker und Vertreter der Opferverbände anwesend. Kulturstaatsminister Bernd Neumann zeigte sich zufrieden: „Opferverbänden und Politik ist es gelungen, mit dem Denkmalentwurf eine für alle Opfergruppen angemessene Form des Gedenkens und Erinnerns zu finden“, sagte er vor der Eröffnung in Berlin.

Doch genau über diese angemessene Form ist 20 Jahre lang diskutiert worden – zwischen Politik, Holocaust-Überlebenden, dem Künstler und verschiedenen Opferverbänden. Streit hat es nicht nur um den angemessenen Ort für das Mahnmal gegeben, sondern auch über die Inschrift und an wen es überhaupt erinnern soll.

Das Denkmal liegt südlich des Reichtagsgebäudes, etwas versteckt zwischen Büschen und Bäumen am Simsonweg im Tiergarten. Es ist ein kreisrundes Becken, gefüllt mit Wasser. Auf dem Brunnenrand ist das eigens für das Mahnmal geschriebene Gedicht „Auschwitz“ des Roma-Dichters Santino Spinelli in deutscher und englischer Sprache eingraviert. In der Mitte des Beckens wird auf einer versenkbaren, dreieckigen Stele stets eine frische Blume liegen. Wildblumen sollen es sein, Schafgarbe, Mutterkraut oder Eisenhut zum Beispiel – so jedenfalls der Wunsch von Dani Karavan, dem israelischen Künstler, der das Denkmal gestaltet hat. Die Blumen sollen immer zu einer festen Zeit ausgetauscht werden, voraussichtlich jeweils um 13 Uhr. Das geschieht von Hand, in einem Wartungsraum unterhalb des Wasserbeckens. (mehr…)

Mahnmal für Sinti und Roma: Der Brunnen mit dem schwarzen Wasser

Jahrelang hatte es um das Ob, das Wo und das Wie politisches Gezerre gegeben: Heute nun wird – an der Südseite des Berliner Reichstages – das Mahnmal für die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma eingeweiht.

Fragt man Romani Rose, den Vorsitzenden des Zentralrats der Deutschen Sinti und Roma, ob er Genugtuung empfinde darüber, dass das Denkmal für die von den Nazis ermordeten Sinti und Roma nun endlich eingeweiht wird, nimmt er sogleich eine förmliche, geradezu staatstragende Haltung ein: „Es geht hier nicht um eine persönliche Genugtuung. Ich bin sehr froh darüber und auch dankbar, dass die Bundesregierung und der Berliner Senat dieses Denkmal jetzt der Öffentlichkeit übergeben. Damit werden nun auch die deutschen Sinti und Roma in das historische Gedächtnis unseres Staates aufgenommen. Und damit wird demonstriert, dass der Völkermord an den 500 000 Sinti und Roma im nationalsozialistisch besetzten Europa nicht ein Anhängsel der Shoah ist, so wie er in den vergangenen Jahrzehnten stets behandelt wurde, sondern eine eigene Dimension hatte, eine eigene Bürokratie und Systematik.

Romani Rose will keine großen Worte mehr verlieren über das jahrzehntelange Gezerre um dieses Denkmal, über die Diskussionen und Verzögerungen, die die Planung und seinen Bau begleiteten. Das Denkmal für die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma, das heute im Beisein von Bundespräsident Joachim Gauck und Bundeskanzlerin Angela Merkel eingeweiht wird, hat seine eigene Geschichte, die nicht zuletzt symptomatisch ist für den Umgang mit den Sinti und Roma und den an ihnen begangenen Verbrechen im Nationalsozialismus. Denn tatsächlich wurde deren von Rose erwähnte „eigene Dimension“ erst 1982 durch den damaligen Bundeskanzler Helmut Schmidt offiziell als eine solche gesehen und als „Völkermord“ bezeichnet: „Sinti und Roma ist durch die NS-Diktatur schweres Unrecht zugefügt worden. Sie wurden aus rassischen Gründen verfolgt. Viele von ihnen wurden ermordet. Diese Verbrechen haben den Tatbestand des Völkermords erfüllt“, so Schmidt damals gegenüber Vertretern des Zentralrats der Sinti und Roma. (mehr…)