Archiv für April 2016

Bulgarien: Rassist filmt Angriff auf Roma-Teenager

Der 17jährige Roma-Teenager Mitko aus Bulgarien wurde letztes Wochenende geschlagen, weil er sagte: dass er und der Bulgare gleich sind. Der Angreifer, der 24 jährige Angel Kaleev, hat währenddessen mit seiner eigenen Kamera gefilmt und den Film auf Facebook hochgeladen. Der Vorfall ereignete sich in dem Dorf Ovchepoltsi, in der Nähe der Stadt Pazardzhika. Mitko berichtete den Bulgarischen Medien, dass der Angreifer sich ihm genähert hat, als er auf dem Rückweg vom Markt war. Kaleev fragte ihn „Was passieren würde, wenn er ihn schlagen würde“ und Mitko antwortete, dass das nicht passieren würde. „Danach fragte er mich, was passieren wird, wenn ich ihn nicht schlage?“ Ich sagte ihm, dass wir gleich sind. „Danach begann er mich zu schlagen“, sagte Mitko. Aleev schlug weiter, als Mitko bereits am Boden lag und fragte ihn “Sagst du mir, dass ich ein Gypsy bin?“ Einige Stunden später hat Kleev Mitko wieder getroffen, aber dieses Mal konnte der 17jährige fliehen. Der Täter wurde verhaftet und für 72 Stunden in Verwahrung genommen. Er sagte aus, dass er seine Tat nicht bereut. Đorđe Jovanović, Präsident des European Roma Rights Centre (ERRC) in Budapest sagte, dass Attacken wie diese ständig stattfinden.“ Meistens haben wir kein Video, das die Tat belegt, so dass die Menschen uns nicht vertrauen, wenn wir die Öffentlichkeit warnen. Roma erfahren nicht nur Attacken, sondern ebenfalls systematische Diskriminierung. In Ländern wie Ungarn, Tschechische Republik und Bulgarien werden Roma-Kinder in Sonderklassen segregiert, nur weil sie eine andere Hautfarbe haben”, sagte Jovanović. Er sagt, dass der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte Urteile gegen diese Segregation bekanntgegeben hat, aber diese Entscheidungen werden in manchen Ländern nicht umgesetzt.

Quelle: Dokumentationsarchiv
Stand: 28.04.2016

Roma face uncertain future amid Slovakia’s nationalist surge

Kosice (Slovakia) – His mouth open wide, four-year-old Milos is intent on managing a plate of fish and potatoes using adult-sized cutlery — a meal all too rare for the many Roma children living in squalor in Slovakia.

„Childhood obesity isn‘t a problem here,“ kindergarten director Anna Klepacova told AFP, as she watched her pupils eat what is often their only meal of the day. Little Milos is one of over a hundred Roma children attending a pre-school at the impoverished Lunik IX housing estate, an urban wasteland in Slovakia’s second city of Kosice that looks more like a slum in the developing world than a neighbourhood in the eurozone. And there appears little hope for change following the general election in March. Surrounded by heaps of trash, Lunik’s massive, grim communist-era high-rise concrete apartment blocks have had no electricity, heat, gas or running water since utilities were cut more than a decade ago due to unpaid bills. Over-crowding is chronic, with 6,000 residents squeezed into quarters meant to accommodate half that number. Chimneys puffing thick, grey smoke, stick out some of windows; stoves installed in many of the flats are loaded with wood harvested from a nearby forest. Water is gathered in jerry cans from a ground floor outdoor faucet that only runs in the morning. Nearly 20 percent of Slovakia’s estimated 400,000 Roma live in abject poverty, in more than 600 shanty towns and slums mostly in the south and east of this economically successful eurozone country of 5.4 million people. A 2012 UN Development Programme report found that around 75 percent of the country’s Roma are unemployed, a rate seven-times higher than among non-Roma. Slovakia vowed in 2012 to eliminate discrimination in education and housing, but the results of last month’s general election suggest that life for Roma people is unlikely to improve anytime soon. The community lost Peter Pollak, its first and only member of parliament, after he failed to hold on to his seat in the March 5 ballot. Dominated by the racially charged anti-Muslim and anti-refugee policies of leading left and right-wing parties amid Europe’s migrant crisis, the election also ushered a stridently anti-Roma ultra-nationalist party into parliament for the first time. (mehr…)

Solidarität mit den Sinti und Roma Europas

Sinti und Roma – Europas größte Minderheit – erleben in ganz Europa Vorurteile, Ausgrenzung und Benachteiligung. Dieser Rassismus hat in den vergangenen Jahren europaweit eine neue Dimension erreicht. Auch in Deutschland sind die seit vielen Generationen hier beheimateten Sinti, die in den letzten Jahrzehnten zugewanderten und die derzeit asylsuchenden Roma Antiziganismus in allen Lebensbereichen ausgesetzt. In der Mehrheitsgesellschaft gibt es bisher praktisch keine Fürsprecher. Es sind vor allem Angehörige der Minderheit selbst, die auf den Antiziganismus und dessen schwerwiegende Folgen hinweisen. Es ist jedoch unser aller Aufgabe roma- und sintifeindliches Denken und Handeln zu benennen, zu verurteilen, und den Betroffenen unsere Solidarität auszusprechen.

Bekunden auch Sie Ihre Solidarität und unterschreiben Sie den Aufruf unseres Bündnisses.

Ihre Stimme zählt!

Film, Unterschrift und Quelle: Romaday
Stand: 11.04.2016

Der Prozess von Budapest

Im Prozess von Budapest werden vier Männer angeklagt, Anschläge auf Roma verübt zu haben, bei denen sechs Menschen starben. Auch die Geheimdienste sollen in die rassistisch motivierte Mordserie involviert gewesen sein. ARTE fängt die Beklemmung in dem engen Gerichtssaal während der Verhandlungen ein und zeigt die ohnmächtige Trauer der Roma, die bis heute kaum gehört wurde.

Budapest, 25. März 2011: Einer der spektakulärsten Prozesse der ungarischen Nachkriegsgeschichte beginnt. An diesem ersten Verhandlungstag ist das Medieninteresse groß. Verhandelt wird ein Kapitalverbrechen, das aus Hass gegen eine Minderheit begangen wurde. Knapp zweieinhalb Jahre dauert der Prozess um die Mordserie an ungarischen Roma. Vier Männer sind angeklagt, Anschläge mit rechtsextremistischen Motiven verübt zu haben.

Zwischen Juli 2008 und September 2009 starben bei diesen Anschlägen insgesamt sechs Menschen, darunter ein Kind. Weitere fünf Menschen wurden schwer verletzt. Nach beispiellosen Pannen bei den polizeilichen Ermittlungen und dem Verdacht einer Verwicklung der Geheimdienste in die rassistisch motivierten Morde steht das Gericht von Anfang an unter enormem öffentlichem Druck. Die ungarische Filmemacherin Eszter Hajdú hat exklusiv den Prozess gegen die drei Hauptangeklagten und ihren Komplizen beobachtet. Bisher wurde noch kein Prozess gegen Neonazis lückenlos im Gerichtssaal filmisch dokumentiert. Ihr Gerichtsdrama – ein beklemmendes Protokoll des Unfassbaren, das tiefe Einblicke in die ungarische Gesellschaft gewährt.

Nach fast 170 Verhandlungstagen wurden die Hauptangeklagten zu lebenslänglichen Freiheitsstrafen verurteilt. Doch ist damit Gerechtigkeit für die Opfer erreicht? Die ungarische Roma-Bevölkerung lebt weiterhin in Angst. Mindestens ein Täter, der an den Morden beteiligt war, ist noch auf freiem Fuß. Die Tragödie und der Schmerz der Roma sind in der ungarischen Gesellschaft noch immer ein Tabu.

Film und Quelle: Arte.tv
Stand: 05.04.2016

WTA dementiert Rassismus-Eklat um Französin

Hässliche Szene beim Tennisturnier in Charleston: Die Französin Caroline Garcia beleidigte ihre rumänische Gegnerin Irina Begu kurz vor Schluss rassistisch. Es werden harte Konsequenzen gefordert.

Rassismusskandal beim Damentennis in Charleston im US-Bundesstaat South Carolina: Am Dienstag trafen in der Runde der besten 32 Spielerinnen Caroline Garcia aus Frankreich und die Rumänin Irina Begu aufeinander. Obwohl beide Spielerinnen in der Weltrangliste als 44. (Garcia) beziehungsweise 34. (Begu) anständig platziert sind, hätte die Partie wohl kaum für großes Aufsehen gesorgt. Nach einer Szene kurz vor dem Matchball ist das jedoch anders.

Die Französin Garcia, die vor Kurzem noch die Deutsche Andrea Petkovic in Miami ausgeschaltet hatte, verschlug im dritten Satz beim Stand von 5:5 einen wichtigen Ball. Danach soll sie sich laut rumänischer Medien in Richtung ihres Trainers, der auf der Tribüne saß gewandt haben und geschimpft haben: „Ich verliere gegen diese verdammte Zigeunerin.“ (mehr…)

J. Tatarinov: Zigeuner- und Wandergewerbepolitik im späten Kaiserreich

Für die nationalsozialistische Verfolgung von als „Zigeuner“ stigmatisierten Menschen sind in den letzten Jahren mehrfach die auffallend breiten Entscheidungsspielräume lokaler Akteure betont worden.[1] Dass sich dies auch für das Kaiserreich und die Weimarer Republik konstatieren lässt, verdeutlicht Juliane Tatarinovs lokalhistorische Dissertation auf anschauliche Weise. Innovativ ist jedoch etwas anderes an ihrer Arbeit: Sie fragt nach Aushandlungsprozessen und Handlungsstrategien im Umgang mit Wandergewerbetreibenden zwischen 1890 und 1933. Dabei ist insbesondere von Interesse, wie und warum sich der Begriff des „Wandergewerbes“ mit dem des „Zigeuners“ überschnitt und wie sich das in der lokalen Praxis äußerte. Hierbei profitiert Tatarinovs Arbeit von der Anbindung an den Trierer Sonderforschungsbereich „Fremdheit und Armut“, der zwischen 2002 und 2012 die historische Armutsforschung wesentlich vorangetrieben und eine beispielhafte Verknüpfung sozial- und kulturgeschichtlicher Zugriffe auf das Thema erzielt hat. Wie fruchtbar im Kontext der Armutsforschung die Beschäftigung mit dem Wandergewerbe und der Zigeunerpolitik ist, zeigt die 2014 an der Universität Trier verteidigte Dissertation.

Tatarinov konzentriert sich auf das Wandergewerbe in den Regierungsbezirken Trier und Koblenz, ausgehend davon, dass mobile Armut in den Regionen Eifel und Hunsrück eine „alltägliche Erscheinung“ (S. 14) darstellten. Zudem verfolgt sie einen akteurszentrierten Ansatz. Hervorzuheben ist ihr Blick auf den ländlichen Raum sowie ihre mit den Akteuren verbundene Frage „nach dem lebensweltlichen Kontext der ambulanten Familien und ihrer Selbstrepräsentation vor den Behörden“ (S. 12). Mittels der Auswertung von Polizeiakten und -verordnungen, juristischen und sozialpolitischen Texten, Reichstagsprotokollen, Statistiken, Hausiererzeitschriften, Wandergewerbeakten, Beschwerdeschreiben von Betroffenen und vereinzelt auch Presseartikeln veranschaulicht Tatarinov, dass Wandergewerbepolitik und Zigeunerpolitik zunächst parallel als Problemfelder entworfen wurden, sie sich jedoch zunehmend überschnitten. In der Weimarer Republik radikalisierte sich die Verfolgung des ambulanten Gewerbes, was wesentlich mit einer Kategorisierung der Wandergewerbetreibenden als „Zigeuner“ einherging. (mehr…)

Kiel: Büro der Sinti und Roma überfallen

Drei maskierte Männer haben am Dienstag die Landesgeschäftsstelle der Sinti und Roma in Kiel überfallen. Menschen wurden nicht verletzt. Ein Täter hat Einrichtungsgegenstände kaputtgeschlagen. Die Polizei ermittelt in alle Richtungen. Der Vorsitzende Matthäus Weiß ist erschüttert.

Die Täter seien gegen 13 Uhr in das Gebäude an der Dorfstraße 11 im Stadtteil Elmschenhagen gestürmt, teilte ein Polizeisprecher mit. Dort hätte ein Mann mit einem Baseballschläger auf die Büroeinrichtung eingedroschen und einen Drucker, drei Monitore und einen Computer zerstört. Der Hintergrund des Anschlags sei völlig unklar, man ermittele in alle Richtungen, so ein Polizeisprecher. Hinweise auf einen fremdenfeindlichen Hintergrund gebe es nicht, er könne aber nicht ausgeschlossen werden. Zum Zeitpunkt des Überfalls war Weiß in der Landesgeschäftsstelle. Als die Täter ihn bemerkten, flohen sie sofort. „Ich habe schon öfter Drohbriefe bekommen“, berichtet er, „aber einschüchtern lassen wir uns nicht“. Finanzreferentin Cari Wurr ist entsetzt: „Wir werden in Zukunft die Tür verschlossen halten, die Scheiben verstärken und Kameras installieren.“

Quelle: Kieler Zeitung
Stand: 01.10.2014

Rom: Tschechische Hooligans urinierten auf Bettlerin

Video eines spanischen Touristen, das vor Europa-League-Spiel in Rom aufgenommen wurde, sorgt für Empörung. Tschechische Botschaft verurteilte Tat der Sparta-Prag-Anhänger.

Eine Gruppe von Hooligans des tschechischen Fußballclubs Sparta Prag hat in Rom für helle Empörung gesorgt. Im Internet kursierte ein Video einer Gruppe tschechischer Fans, die auf der Brücke vor der Engelsburg eine Roma-Bettlerin umringt und auf sie uriniert, ohne dass Anwesende sie in Schutz nehmen. Das von einem spanischen Touristen aufgenommene Video wurde auf der Webseite der Tageszeitung „El Pais“ veröffentlicht und löste hitzige Reaktionen in Rom aus. Die Bürgermeisterkandidatin Virginia Raggi forderte vorbildhafte Strafen für die Hooligans. „Bettlerei in Rom ist zwar ein Problem, wir stehen hier jedoch vor einer eklatanten Verletzung der Menschenrechte. Eine abscheuliche Tat ist vor den Augen Dutzender Fußgänger und vor einem der schönsten Monumente der Welt begangen worden. Das sind keine Fans, sondern Bestien“, kommentierte Raggi. Der Ex-Vize-Wirtschaftsminister Stefano Fassina forderte die sofortige Identifizierung und Verurteilung der Sparta-Fans. „Sie sollen nie wieder nach Italien einreisen dürfen“, verlangte Fassina. Die tschechische Botschaft in Italien verurteilte den Fall. In einem Schreiben äußerte sie die Hoffnung, dass die italienische Polizei die Verantwortlichen bald identifizieren könne.

Quelle: Kleine Zeitung
Stand: 18.03.2016

Gedenken an Holocaust-Überlebende: Bayern will Sinti- und Roma-Gräber erhalten

Bayern stellt 40.000 Euro für den dauerhaften Erhalt der Grabstätten verfolgter Sinti und Roma, die den Holocaust überlebten. Seit vier Jahren wartet der Freistaat auf eine offizielle Regelung des Bundes – jetzt will man handeln.

Seit 2012 liegt auf Initiative Bayerns bei der Bundesregierung eine Entschließung der Länder, den Erhalt der Gräber von Holocaustüberlebender der Sinti und Roma zu sichern. Bis heute ist nichts passiert. Deshalb hat Bayern jetzt für den Erhalt von rund 500 im Freistaat liegenden Gräbern 40.000 Euro zugesagt, berichtete Staatskanzleiminister Marcel Huber nach einem Gespräch mit Vertretern Deutscher Sinti und Roma. Die bayerische Regelung sei zudem eine Aufforderung an den Bund, seiner Verantwortung für die Opfer des NS-Regimes in diesem Bereich nachzukommen, so Huber weiter.

Jedes Grab ein Gedenken

Bayern wolle nicht mehr so lange warten, bis sich der Bund zu einer Regelung entschließe, sondern handele jetzt, damit offene Grabgebühren bezahlt werden könnten, sagte Huber dem Bayerischen Rundfunk.

Romani Rose, Vorsitzender des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma, lobte die bayerische Initiative als wichtigen Druck auf die Bundesregierung. Denn jedes Grab eines Holocaustüberlebenden sei eine Gedächtnisstätte und ein Lernort.

Denkmal geplant

Mitorganisiert werden soll der Erhalt der Gräber von Sinti und Roma auf diversen Friedhöfen in Bayern von der Stiftung Bayerische Gedenkstätten. Zudem soll noch in diesem Jahr im ehemaligen Konzentrationslager Flossenbürg ein Denkmal für die ermordeten Sinti und Roma entstehen, die vorwiegend aus Osteuropa kamen.

Vom NS-Regime verfolgt

Die Nürnberger Rassengesetze von 1935 führten zur Verfolgung und Ermordung von etwa 24.000 Sinti und Roma in Deutschland. Die meisten der bayerischen Sinti und Roma wurden direkt ins Vernichtungslager Auschwitz gebracht.

Quelle: Bayrischer Rundfunk
Stand: 11.03.2016