Archiv für Mai 2016

Roma-Protest gegen Abschiebung: Räumung nach Mitternacht

Dutzende Roma haben in Berlin das Denkmal der im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma besetzt. Sie demonstrieren gegen ihre Abschiebung.
50 Roma haben das Denkmal der im Nationalsozialismus ermordeten Roma und Sinti besetzt, um gegen drohende Abschiebungen zu demonstrieren. Darunter waren viele Kinder. Die Polizei ließ trotzdem räumen – nach Mitternacht.

„Ich habe nichts zu verlieren“, sagt Sergio. „Ich habe meinen Abschiebebescheid vor ein paar Monaten erhalten. Sie können jederzeit kommen. Was wird dann aus meinen Kindern?“ Aus Angst vor der Abschiebebehörde will Sergio seinen Nachnamen lieber nicht nennen. Er will trotzdem nichts unversucht lassen, um hier zu bleiben. „Es ist viel zu selten, dass Roma sich politisch äußern“, sagt der 40-Jährige. Um das zu ändern, ist er zusammen mit seiner Frau und seinen vier Kindern nach Berlin gefahren.

Sergio ist einer von circa 50 Roma, die sich am Sonntagnachmittag am Denkmal für die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma versammelten, um gegen ihre drohenden oder bereits verhängten Abschiebungen zu demonstrieren. Sie entrollen Transparente und kampieren auf dem Gelände des Denkmals. Ihre Forderung: „Bleiberecht für alle“.

Lokale AktivistInnen und organisierte Roma-Verbände unterstützen die Familien. Nach der verschärften Asylgesetzgebung droht vielen von ihnen die baldige Abschiebung in ihre vermeintlich „sicheren Herkunftsländer“ auf dem Balkan. Sie positionieren sich um den Brunnen in der Mitte des Denkmals. Als sie ihre Transparente entrollen, applaudieren die umstehenden Touristen, die mit Selfie-Stick durch das Regierungsviertel flanieren. (mehr…)

Zentralrat kritisiert Besetzung des Mahnmals – Sinti und Roma demonstrieren weiter für Bleiberecht

Sinti und Roma wollen weiter in Berlin gegen ihre drohende Abschiebung protestieren. Bereits am Sonntagnachmittag hatten sie das Denkmal für die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma besetzt. Am Montag kündigten sie weitere Aktionen an. Für die Forderungen gibt es Verständnis – das Denkmal als Protestort aber ist umstritten.

Von Abschiebung bedrohte Roma aus den Westbalkan-Staaten wollen in Berlin weiter für ein Bleiberecht demonstrieren. Nachdem die Polizei die Besetzung des Denkmals für die in der NS-Zeit ermordeten Sinti und Roma beendet hatte, kündigten Sprecher der Gruppe am Montag weitere Aktionen an.

In der Nacht zuvor hatte die Polizei Unterstützer sowie etwa 30 Angehörige der Roma, darunter Frauen und Kinder, nach einer mehrstündigen Besetzung vom Denkmal weggetragen. Das Bündnis „Alle bleiben“ sprach von insgesamt 200 Protestierenden. Seit kurz nach Mitternacht hielten sich keine Teilnehmer mehr am Denkmal auf, teilte die Polizei mit. Die Veranstaltung sei nicht angemeldet gewesen, hieß es als Begründung für die Beendigung der Protestaktion.

Kritik und Verständnis vom Zentralrat

Einzelne Personen sollen bei der Räumung verletzt worden sein, teilten Unterstützer am Montag mit. Die Besetzer vom Sonntag seien zu einer Unterkunft gebracht und versorgt worden, hieß es. Nach Unterstützerangaben handelt es sich insgesamt um etwa 20 Roma-Familien, die sich wegen fehlender Aufenthaltstitel seit wenigen Wochen in der Illegalität befänden. Sie seien unter anderem aus Kiel und Hamburg angereist.

Der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma kritisierte die Besetzung, zeigte aber auch Verständnis für die verzweifelte Lage der Betroffenen. „Das Mahnmal ist ein Ort des würdigen Gedenkens an die über 500.000 ermordeten Sinti und Roma im NS-besetzten Europa. Dieser Ort soll und darf nicht für politische Protestaktionen missbraucht werden“, so der Zentralratsvorsitzende Romani Rose. Jedoch müsse die verzweifelte Lage der Menschen endlich in der Politik Beachtung finden: „Die Familien werden in die Hoffnungslosigkeit ohne Chancen auf Bildung und menschenwürdiges Leben abgeschoben.“

Stiftungspräsident unterstützt Forderung nach Bleiberecht

Der Direktor der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas, Uwe Neumärker, verteidigte den Polizeieinsatz. Seine Stiftung betreut auch das Denkmal für die ermordeten Sinti und Roma. Es handele sich um einen „Ort des Gedenkens und der Trauer“, auf dessen Areal keine politischen Veranstaltungen geduldet würden, betonte Neumärker am Montag. Dies sei am Sonntagabend vom Stiftungskuratorium unter Vorsitz von Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) noch einmal bekräftigt worden. Das Denkmal befindet sich zwischen Brandenburger Tor und Reichstagsgebäude innerhalb der sogenannten Bannmeile.

Zugleich zeigte sich Neumärker solidarisch mit den Forderungen nach einem Bleiberecht für Roma aus den Westbalkanstaaten. Die Westbalkanstaaten zu sicheren Herkunftsstaaten zu deklarieren sei ein Fehler gewesen. Das Bündnis „Alle bleiben“ erklärte, im Abschiebungsfall „erwarten uns Verfolgung, Rassismus, Ausschluss – und keine Spende aus Westeuropa kann unsere Probleme dort lösen“. Nach Angaben der Gruppe „Interventionistische Linke“, die den Protest unterstützte, stammen die Betroffenen überwiegend aus den Balkanstaaten Serbien, Kosovo, Bosnien-Herzegowina, Mazedonien und Montenegro. Migranten aus diesen Ländern haben in Deutschland kein Recht auf Asyl, wenn ihnen keine politische Verfolgung droht.

Strafanzeigen wegen Hausfriedensbruch

Wie die Polizei mitteilte, wurden nach der Denkmal-Besetzung drei Strafanzeigen wegen Hausfriedensbruchs sowie wegen Widerstandes gegen Vollstreckungsbeamte eingeleitet.

Vor der Räumung habe es mehrere Gesprächsangebote an die Besetzer gegeben, sagte der Polizeisprecher. Dabei seien unter anderem der Vorsitzende des Zentralrats der Sinti und Roma, Romani Rose, sowie weitere Initiativen involviert gewesen. Neurmärker verwies darauf, dass den Besetzern von ihm und der Polizei Alternativstandorte in unmittelbarer Nähe des Denkmals und des Brandenburger Tors angeboten worden seien. Dies sei aber trotz mehrstündiger Verhandlungen am Sonntagabend nicht angenommen worden.

Quelle: RBB Online
Stand: 23.05.2016

Bündnis begeht internationalen Romaday in Berlin – Protest gegen die Ausgrenzung von Sinti und Roma

Mit einer Kundgebung in Berlin hat ein Bündnis von 20 Organisationen am Freitag gegen die Diskriminierung von Sinti und Roma protestiert. Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Aydan Özogus, betonte, diese Minderheit sei „Teil der Geschichte unseres Landes“.

Ein Bündnis von mehr als 20 Organisationen aus Politik, Zivilgesellschaft und Kultur hat die anhaltende Diskriminierung von Sinti und Roma in Deutschland und Europa kritisiert. Bei einer Kundgebung am Freitag in Berlin zum internationalen Romaday, an der auch Bundespräsident Joachim Gauck teilnahm, forderten mehrere Redner eine klare öffentliche Verurteilung von sogenanntem Antiziganismus durch die Politik.

Zugleich wurde in einem Aufruf die Anerkennung von Sinti und Roma als gleichberechtigte Bürger und die Gewährung von Schutz für verfolgte Roma gefordert. Eine entsprechende Petition hatte das Bündnis bereits im Februar gestartet.

Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Aydan Özogus (SPD), sagte bei der Kundgebung, Sinti und Roma seien „Teil der Geschichte unseres Landes“. Dabei verwies sie unter anderem auf die mehrere Jahrhunderte alte Geschichte der Minderheit in Mitteleuropa.

Erinnerung an Gründung des Welt-Roma-Kongresses

Dem Bündnis gegen Diskriminierung von Sinti und Roma gehören unter anderem Amnesty International, das Berliner Maxim Gorki Theater, die Diakonie Deutschland, die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz und die Arne Friedrich Stiftung an. Das Bündnis will europaweit ein Zeichen gegen Antiziganismus setzen. Mit der Kundgebung am Denkmal für die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma Europas nahe dem Brandenburger Tor erinnerten die Initiatoren zugleich an die Gründung des Welt-Roma-Kongress vor 45 Jahren, am 8. April 1971 in London. Es war die erste internationale Vereinigung dieser sogenannten transnationalen Minderheit.

Rund 12 Millionen Angehörige in Europa

Schätzungen zufolge leben in Europa rund zwölf Millionen Angehörige von Sinti und Roma. Antiziganismus wird die Ausgrenzung dieser Minderheit genannt. Das Wort leitet sich ab vom Schimpfwort „Zigeuner“. Das Denkmal in Berlin erinnert an die von den Nazis ermordeten Sinti und Roma. Ihre Zahl wird auf bis zu 500.000 geschätzt.

Quelle: RBB Online
Stand: 08.04.2016

Demonstration in Prague calls on EU to stop subsidizing pig farm on Romani Holocaust site

Monday, 16 May was the International Day of Romani Resistance, a day to honor the memory of the Romani victims of the Holocaust and the heroic uprising of Romani people in the Auschwitz concentration camp. On that occasion the Konexe organization held a demonstration in front of the EU House, the headquarters of the representation of the European Commission and European Parliament in the Czech Republic. Representatives of Konexe delivered a message entitled „Europe, Stop Subsidizing the Pig Farm at Lety“ to the EU House. News server Romea.cz broadcast audio and video of the demonstration live online. „We have nothing against the European Union per se, we are criticizing the state of affairs in which the European Structural Funds are subsidizing a specific agricultural enterprise located on places where genocide was perpetrated. In our view, this is absolutely incompatible with European values,“ Miroslav Brož of Konexe told news server Romea.cz prior to the demonstration.

Day of Romani Resistance

The Day of Romani Resistance commemorates the events of 16 May 1944, when Romani and Sinti prisoners in the so-called „Gypsy Camp“ at Auschwitz-Birkenau rose up against their captors. On that day the camp leadership had planned to murder them all, but the Roma rose up and refused to obey the orders of the SS. This event is still absolutely unknown in the Czech Republic. News server Romea.cz published last year a study about the Romani uprising in Auschwitz written by historian Michal Schuster of the Museum of Romani Culture.

The events of 16 May 1944

The murder of everybody in the so-called „Gypsy Camp“ was supposed to be performed during the evening of 16 May 1944, when the sound of the gong announced that everyone in the entire camp was banned from leaving and that it would be closed. A truck drove up before the gates of the camp and 50-60 members of the special SS commando unit jumped out and called on the prisoners to quickly leave the housing blocks. All of the prisoners, however, refused to leave. Reportedly there was total calm in the barracks. The prisoners barricaded the doors and prepared to defend themselves however they could with rocks and work tools. Romani survivor Hugo Höllenreiner (born 1933 in Munich), who was deported to Auschwitz with his family in 1943, recalls the moments of resistance as follows: „Outside about seven or eight men came to the gate. Dad yelled at them. The entire building shook as he shouted: ‚We‘re not coming out! You come in here! We‘re waiting for you! If you want something, you have to come in and get it!‘ “ The SS commando was startled by this refusal to obey. Their commander decided to postpone the action. The camp closure was temporarily called off. While there was never an open clash between the Romani prisoners and the SS members, the incident played a significant role. It was definitely not the custom in the concentration camps for prisoners to resist a planned and prepared action en masse right before it was to be carried out. There is absolutely no doubt that the armed SS commando unit could have suppressed this act of resistance, but they decided not to go into an open confrontation and preferred to achieve their aims another way. This incident unequivocally had the nature of an uprising and deserves a significant place in the tragic history of the Holocaust of the European Roma. There were approximately 6 500 prisoners in the so-called „Gypsy Camp“ of Birkenau at the time. During the night of 2 August and the early morning hours of 3 August 1944, all of the camp prisoners were murdered in the gas chambers. 2 August is therefore commemorated as the European Roma Holocaust Memorial Day.

Source: Romea.cz
Date: 17.05.2016

16 May 1944: Romani Resistance Day

It seems that the denial of genocide and the denial of racism are communicating vessels. An ethnic group whose genocide is denied continues to be targeted with racism. Conversely, the recognition of genocide can start a healing process in society that can help it overcome racism. The Romani Holocaust, called the „porajmos“ (destruction) in Romanes, is a part of history that is not only forgotten today, it is even denied. We do not know much about this aspect of the Holocaust. There are just a few books about it, and very little historical research. Be that as it may, some forgotten parts of the Romani Holocaust really deserve commemoration. Romani people did not always play the role of passive victims during that era. What happened on 16 May 1944? In the extermination camp of Auschwitz II – Birkenau, section BIIe was called the „Gypsy Camp“ (Zigeuner Lager). Some of the Romani people transported into the hell of Auschwitz by the Nazis were not gassed immediately upon arrival, but were placed in the Zigeuner Lager. BIIe was a „mixed“ camp, which meant children, men and women were imprisoned there together. The Romani prisoners were forced into slave labor, observed and subjected to medical tests, and tortured. Dr Josef Mengele of the SS, a sadistic psychopath known as the „Angel of Death“, chose Romani individuals, most of them children, to subject to perverse experiments. During the night of 2 August and the early morning of 3 August 1944, all of the prisoners of the camp, without exception, were murdered in the gas chambers. Because of this known, official history, 2 August has been commemorated as Romani Holocaust Day. (mehr…)

Clashes at Anti-Roma Rally in Radnevo, Bulgaria

Several policemen and protesters have been injured during clashes at an anti-Roma rally in the southern town of Radnevo that was held after an alleged assault by Roma men on ethnic Bulgarians

Three policemen and four protesters suffered injuries after violent clashes broke out the rally in Radnevo, the Bulgarian interior ministry said on Thursday. Around 2,000 people joined the protest on Wednesday evening, following an incident in which four men of Roma origin assaulted three Bulgarians in a street row on Monday. The violence erupted when the crowd, shouting “Bulgaria for the Bulgarians”, “Bulgarians – heroes”, “Bulgaria above all” and various anti-Roma slogans, reached the Roma neighbourhood of Kantona, which was cordoned off by interior ministry special forces. Some of the protesters tried to break through the barricades and enter the Roma neighbourhood, throwing stones and fireworks at the policemen, who responded by dispersing the crowd with batons. According to Radnevo’s mayor Tenyo Tenev, the people who tried to break through the barricades were football hooligans from the nearby city of Stara Zagora. Speaking to public broadcaster BNT on Thursday, Tenev called on the people of Radnevo, a town of around 13,000 inhabitants, to protest peacefully. Tenev alleged that the incident that sparked the tensions was caused by one Roma family. “The people are fed up with the wrongdoings of this family, of their shameless, aggressive and arrogant behaviour,” he told media on Wednesday. The family has so far made no public response to the mayor’s allegations. Four people – a Roma man called Kalcho Ivanov and three of his relatives – were arrested and charged with attempted murder after they allegedly beat up three young men from Radnevo on Monday. One of the victims was admitted to hospital with a life-threatening knife-stab wound. The suspects‘ lawyer claimed however that one of the Roma men, Stefan Ivanov, was severely beaten up by the Bulgarians. People in Radnevo are now organising another rally, scheduled for Thursday evening.Meanwhile, people from the Roma neighbourhood told media that they are afraid for their lives and most of its inhabitants have temporarily left, moving in with friends and relatives outside Radnevo. Wednesday’s clashes were not unprecedented in Bulgaria, where in recent years tensions between people from Roma and ethnic Bulgarian backgrounds have erupted several times, usually over crime-related issues. The most violent clashes took place in 2011, when anti-Roma protests were held all over the country following tragic accidents in the southern Bulgarian village of Katunitsa which led to the deaths of two young Bulgarian boys. In 2015, protesters also occupied Roma ghettos in the southern Bulgarian village of Garmen, as well as in Sofa’s Orlandovtsi neighbourhood, but police prevented any violence from breaking out.

Source: Balkan Insight
Date: 05.50.2016

Neo-Nazis try to provoke local Roma in Přerov during 1 May protest

An assembly and march by about 30 neo-Nazis from the National Regeneration (Národní obroda – NO) group took place yesterday in Přerov. The leader of the NO, Pavel Matějný, gave a speech very similar to those he has given to previous such assemblies. Matějný’s speech attacked domestic nonprofit organizations such as Konexe and ROMEA, the European Union, NATO, and refugee reception. When the speeches were over, the march left the square and marched past the bus and train station. Riot police guarded the area around the station. A police monitoring vehicle also followed the march the entire time. The neo-Nazis attempted to provoke local Romani residents by marching directly past their homes. Local Romani crime prevention assistants contributed to making sure there were no conflicts. „The guys have been here since 9 AM and have gradually been visiting families to warn them this march will be going past their homes. They have done their best to make sure no conflicts happen,“ Pavel Grim, who works as a mentor for the crime prevention assistants with the Municipal Police there, told news server Denik.cz. „We have previously monitored the activities of this convener and we anticipated a low turnout. Our security measures were set up according to that. The riot officers were just here as backup, the situation outside was monitored by uniformed officers and members of the anti-conflict team,“ Michaela Sedláčková, the Contact Officer for National Minorities at the Regional Police Directorate in Olomouc, told news server Denik.cz.

Source: Romea.cz
Date: 02.05.2016