Archiv für September 2016

Unterstützung für den FC Kálló

Dies ist ein Beitrag des Vereins „Verantwortung für Flüchtlinge“ [1]. Vertreter des Vereins waren auf Projektreise, welche sie zu Projekten des Vereins [2] in den Ländern Ungarn, Albanien, Montenegro,
Kosovo und Mazedonien führte. Dieser Beitrag handelt speziell von ihrem Projekt im Roma-Dorf Kálló [3] (Ungarn).

Seit mehreren Jahren ist der Verein in Kálló (Ungarn) tätig. Begonnen hat die Arbeit damit, dass Saatgut ausgegeben wurde, um so den Roma die Möglichkeit zu geben, zusätzliche Nahrungsmittel anzubauen. Weiterhin wurde ein Projekt einer schweizerischen NGO unterstützt, welche es ermöglichte, dass 18 Bewohner des Dorfes ihren 8.Klasse-Abschluss innerhalb eines Jahres nachholen konnten und somit auch die Möglichkeit
auf eine weitere Ausbildung erhielten. Ein weiteres Projekt, dass unterstützt wird, ist der Fußballverein FC Kálló [4]. In diesem Fußballclub spielen zu 50% Roma und zu 50% Nicht-Roma [5]. Als vor mehreren Jahren begonnen wurde, den Fußballclub zu unterstützen, gab es dort einen Dorf einen Bürgermeister, welcher derartig rassistisch war, dass er den Fußballverein nicht nur nicht unterstützte, sondern auch aktiv gegen
die Interessen des Vereins vorging.

In der Zwischenzeit waren 2015 Kommunalwahlen. Der heutige Bürgermeister Buda Baboss [6] wurde von den Roma aktiv und erfolgreich bei der Wahlvorbereitung unterstützt. Der neue heutige Bürgermeister hat sich
für die im Ort ansässigen Roma als Glücksfall erwiesen. Seine Versprechen, den FC Kálló zu unterstützen und sich im Rahmen seiner Möglichkeiten, sich für die Belange der Roma allgemein einzusetzen, hat er bis heute weitestgehend erfüllt. Der FC Kálló hat in der letzten Saison mit nur einem Punkt leider den Aufstieg in die nächsthöhere Liga verpasst.

Der Bürgermeister berichtete jedoch in einem Gespräch, bei welchem ein Vertreter des Vereins „Verantwortung für Flüchtlinge“, Aladár Horvath [7], Präsident des Roma-Parlament-HU, István Diviák, Vorsitzender des FC Kálló sowie István Marko, stellvertretender Vorsitzender des FC Kálló, dabei waren, davon, dass ein Großteil der Mehrheitsbevölkerung von Kálló (Nicht-Roma) den FC Kálló und die Roma auch weiterhin negativ sehen. Dem will der Bürgermeister trotz des Wissens um die Schwierigkeiten, die ihn erwarten, auch weiterhin aktiv
entgegenwirken.

Der Bürgermeister hat in der Zeit seines Amtseintrittes bis heute die Roma in vielseitigster Weise, so auch den FC Kálló aktiv als Fanbeauftragter unterstützt sowie auch Arbeitsplätze für fünf Roma durch ein gefördertes EU-Projekt im Ort Kálló geschaffen. Im Rahmen dieses Projektes werden mithilfe von Lehm und Stroh sogenannte Bio-Lehmziegel hergestellt. Diese Ziegel werden verwendet, um die im Dorf traditionell aus
Lehm gebauten Häuser der Roma zu reparieren. Sehr viele der in Kálló vorhandenen Häuser sind in der traditionellen Lehmbauweise hergestellt. Aber aufgrund der extremen Armut, unter welcher die meisten Roma leben, war es ihnen nicht möglich, diese dauerhaft in einem bewohnbaren Zustand zu halten, sodass heute die meisten Gebäude einen dringenden Reparaturbedarf haben. Dafür setzt sich der Bürgermeister mit dem von ihm initiierten Projekt ein. Auf Bitten der Roma von Kálló sowie auf Bitte des Bürgermeisters von Kálló wurde der Verein „Verantwortung für Flüchtlinge“ angeregt, ein neues Projekt bezüglich des FC Kálló zu
unterstützen.

DAS PROJEKT: Der FC Kálló hat einen Sportplatz, aber leider kein Sozialgebäude, in dem Umkleideräume und Duschen sind. Der Bürgermeister und die Roma-Vertreter sowie der Vorsitzende des Sportvereins FC Kálló
sagten, dass direkt angrenzend an dem Sportplatz ein kleines Grundstück mit einer Bauruine steht. Der FC Kálló würde dieses Grundstück inklusive der Ruine (das Fundament ist in Ordnung) kaufen wollen. Der
Kaufpreis beträgt 2.000EUR. Wenn dieses Grundstück gekauft und bezahlt ist, so kann der Verein dieses als Eigenkapital einsetzen, um weitere 8.000EUR Kredit zu bekommen, um für diesen Betrag das Sozialgebäude mit Umkleideräumen und Duschen zu bauen. Die Kreditaufnahme wird durch die Vereinsmitglieder, Roma und Nicht-Roma gemeinsam erfolgen. Der Bürgermeister meinte in Abstimmung mit den Roma-Vertretern, dass der Bau des Sozialgebäudes in traditioneller ortsüblicher Roma-Bauweise mithilfe von den durch Roma hergestellten Lehmziegel entstehen soll. Dies würde bedeuten, dass durch die Verwendung der Lehmziegel auch eine Förderung des Projektes der Ziegelherstellung erfolgt und somit auch der Erhalt der fünf neugeschaffenen Arbeitsplätze zeitweise gesichert ist. Das Problem an diesem gesamten Unternehmen ist, dass die 2.000EUR, welche zum Kauf des Grundstückes gebraucht werden, komplett fehlen.

Wie schon erwähnt, sind im Sportverein FC Kálló zur Hälfte Roma und zur Hälfte Nicht-Roma engagiert. Der örtliche Bürgermeister beabsichtigt, mit den Erfolgen des FC Kálló die örtliche Bevölkerung in Kálló bewusst zu machen, dass ein gemeinsames Handeln und Vorgehen, wie zum Beispiel beim Bau des Hauses oder beim gemeinsamen Fußballspielen, ein friedliches und diskriminierungsfreies Zusammenleben in der Dorfgemeinschaft und darüber hinaus möglich ist. Die Sportler und der Bürgermeister haben die Hoffnung, dass sich die Mehrheitsbevölkerung in Zukunft mehr mit dem FC Kálló, welcher nicht nur den Namen des Dorfes in sich trägt, sondern in dem auch Roma und Nicht-Roma gemeinsam nach Erfolgen streben, identifiziert.

Wir möchten gern dieses der Diskriminierung entgegenwirkende Projekt unterstützen.
Hierbei bitten wir um Unterstützung. Bitte helft uns, damit auch wir helfen können!

-------------------
Spenden an:
Verantwortung für Flüchtlinge e.V.
Sparkasse Leipzig
Kontonummer: 1090088457
BLZ: 86055592
IBAN: DE26860555921090088457
Verwendungszweck: „Projekt FC – Kálló“

Links:
------
[1] https://www.facebook.com/Verantwortung-f%C3%BCr-Fl%C3%BCchtlinge-eV-653219508089635/?fref=ts
[2] https://linksunten.indymedia.org/de/node/164561
[3] http://kreuzer-leipzig.de/2013/10/09/die-stehen-mit-dem-ruecken-zur-wand/
[4] https://www.facebook.com/groups/715343061857124/?fref=ts
[5] http://jungle-world.com/artikel/2014/48/51008.html
[6] https://www.facebook.com/kallo.fenntarthatofalu
[7] http://not-illegal.vereine-leipzig.org/index.php/buergerinitiative-leipzig-korrektiv/73-aladar-hotvath.html

Hetzjagd auf Roma

Ukraine: Einwohner verüben Pogrom. Behörden billigen Vertreibungen

In Loschtschiniwka im Südwesten der Ukraine kurz vor der Grenze zu Rumänien am Schwarzen Meer haben sich am vergangenen Wochenende antiziganistische Übergriffe ereignet, in deren Folge 50 Roma aus der Ortschaft fliehen mussten. Ukrainischen Nachbarn hatten die Roma attackiert. In ihrer Absicht, die Menschen aus der Gegend zu vertreiben, wurden die Angreifer von der Gebietsverwaltung offen unterstützt.

Auslöser beziehungsweise Vorwand für die Überfälle war die Festnahme eines 21jährigen Mannes, der des Mordes an einem neunjährigen ukrainischen Mädchen beschuldigt wurde. Nach Angaben der Charkiwer Menschenrechtsgruppe« hat er Roma in seiner Verwandtschaft, gehört aber selbst nicht der Minderheit an. Mehrere hundert Einwohner randalierten am Sonntag dennoch vor von Roma bewohnten Häusern am Stadtrand. Sie zerstörten Zäune, warfen Scheiben ein und steckten ein Gebäude in Brand. Zu Anfeindungen war es bereits am Freitag gekommen, nachdem die Leiche des Mädchens gefunden worden war.

Die örtlichen Behörden schlossen sich der Forderung nach Vertreibung der Roma an und offerierten diesen das »Angebot«, am Montag einen »sicheren Korridor« zum Verlassen der Ortschaft einzurichten. Allerdings wartete die Mehrheit der ungefähr 50 Roma nicht so lange und ergriff schon in der Nacht nach den Angriffen die Flucht zu Verwandten außerhalb der Stadt. Dabei konnten die Menschen nur das Notwendigste mitnehmen. Ihre Häuser mussten sie schutzlos zurücklassen. Die Vorsitzende der Distriktverwaltung verharmloste diese Flucht ukrainischen Medien zufolge als freiwilligen Wegzug: Die Roma hätten »verstanden, dass sie hier nicht mehr länger leben können.«

Der Gouverneur der Region Odessa, bei dem es sich um den geschassten georgischen Expräsidenten Michael Saakaschwili handelt, goss weiteres Öl ins Feuer: Während eines Presseauftritts am Sonntag führte er aus, er teile die Empörung »aller Einwohner« von Loschtschiniwka. Für die Spannungen in dem Ort machte er, ohne Roma explizit zu nennen, »asoziale Elemente« verantwortlich, die einen schwunghaften Drogenhandel unterhielten. Aktivisten kritisierten die Vertreibungen als illegal. Wolodimir Kondur, Vorsitzender desr Menschenrechtszentrums der Roma, erklärte gegenüber der Deutschen Welle am 1. September: »Was in Loschtschiniwka passiert ist, ist in der Ukraine kein Einzelfall«. Angehörige der Roma-Minderheit würden häufig diskriminiert und, sobald es eine Straftat gebe, stets als erste verdächtigt.

Sergej Ermoschkin vom Roma-Kongress der Region Odessa berichtete jW am Donnerstag abend, die Behörden versuchten, den Vorfall als einfache Sachbeschädigung zu verharmlosen. »Sie wollen nicht zugeben, dass es einen ethnischen Hintergrund gibt«, so Ermoschkin. Das werde er aber nicht zulassen. Zahlreiche Videos von den Ausschreitungen in der mehrheitlich von der bulgarischen Minderheit bewohnten Region zeigten aufgebrachte Einwohner, wie sie »Zigeuner raus!« skandierten. Der Aktivist erklärte, er habe Strafanzeige wegen Landfriedensbruchs eingereicht. Im Verlauf eines mehrstündigen Gesprächs mit den Behörden habe diesen außerdem immerhin die Zusage »abgerungen« werden können, in anderen Bezirken der Region Odessa neue Häuser für die vertriebenen Roma bereitzustellen.

Quelle: Junge Welt
Stand: 03.09.2016

Angriff auf Kinder-Sommerlager in Tschechien

Warnschüsse und rassistische Be­schimpfun­gen, Po­li­zei blieb un­tätig

In einem Interview mit dem tsche­chi­schen Roma-Nach­rich­ten­por­tal Romea.cz be­rich­tet die Sän­ge­rin und Chor­lei­te­rin Ida Kelarová von einem An­griff auf ein Musik­som­mer­camp für Ro­ma-Kin­der in Jiřetín pod Jedlovou (Děčín). Dem­nach be­droh­te ein Mann aus der Ort­schaft eine Grup­pe von rund sech­zig Roma-Kin­dern, die mit dem Jugend­chor „Čhavorenge“ an einem Som­mer­lager teil­nahmen, An­fang August mit einem Ge­wehr . Er gab meh­rere Warn­schüsse ab und be­schimpf­te die Kinder mit ras­sis­ti­schen Aus­drücken, als diese an sei­nem Haus vorbei­kamen, das neben den Unter­künf­ten des Som­mer­lagers liegt. Als die Kin­der zwei Tage später ihre mor­gend­li­che Musik­stunde ab­sol­vier­ten, er­schien der Nach­bar auf dem Ge­lände des Jugend­lagers und at­tackier­te die an­we­sen­den er­wach­se­nen Camp-Mit­ar­bei­ter. Er feuer­te aber­mals eini­ge Schüs­se in die Luft und ver­suchte die Mit­arbei­ter mit Be­schimpfun­gen und Be­lei­di­gun­gen zu pro­vo­zie­ren. Zu direk­ter phy­si­scher Ge­walt kam es je­doch nicht.

Die Regional­polizei will nun, mit eini­ger Ver­spä­tung, den Vor­fall unter­su­chen. Die Er­mitt­lun­gen wer­den sich auch damit be­fas­sen, warum die lo­kale Polizei­stelle in Varnsdorf nicht auf den Notruf des Som­mer­lagers re­agier­te, son­dern, wie Ida Kelarová be­rich­tet, ein­fach den Hörer auf­legte. Die Organi­sa­toren des Musik­camps haben in­zwi­schen, mit Unter­stützung durch die An­wälte der Tsche­chi­schen Phil­har­mo­nie, Be­schwer­de gegen die Polizei ein­ge­bracht. Ida Kelarová: „Der Herr, der mit seinem Ge­wehr schoss, schockiert mich gar nicht so sehr. Das ist nur ein Ver­rück­ter – ob­wohl man nie weiß, wo­zu er noch im­stande ist, wenn die Ner­ven mit ihm durch­gehen. Mir er­scheint vor al­lem schreck­lich, dass die Polizei nicht ein­mal an den Tatort ge­kom­men ist, we­der um uns zu beru­hi­gen noch um zu unter­suchen, was tat­säch­lich vorge­fal­len ist. Je­der, der glaubt, un­sere Polizei sei da­zu da, um uns zu schützen, der irrt.“

Bereits im Dezember 2013 war es im süd­mäh­ri­schen Hodonin zu einem An­griff auf den Roma-Kinderchor ge­kommen. Fünf Män­ner hat­ten damals die Kinder und Jugend­li­chen auf of­fener Straße körper­lich an­ge­grif­fen. Die Täter wur­den nie aus­­ge­forscht.

Quelle: dRoma-Blog
Stand: 03.09.2016

US Holocaust museum condemns attack on Ukrainian Roma

The United States Holocaust Memorial Museum condemned an attack on Roma villagers in southern Ukraine.

Dozens of Roma, also known as Gypsies, fled their homes in the village of Loshchynivka, after a mob of local villagers destroyed their property and set fire to at least one home on Sunday night. The mob attack came after a local man was arrested on Saturday in connection with the rape and killing of a 9-year-old girl.

While villagers believed the arrested man was Roma, Ukraine’s Kharkiv Human Rights Protection Group said that he was not Roma, the New York Times reported. Tensions between non-Roma and Roma in the village already were running high before the arrest.

Hundreds of residents reportedly demanded that the Roma be expelled, according to the report. The Roma are now seeking a safe place to live.

“The United States Holocaust Memorial Museum strongly condemns these outrageous acts. It urges the government of Ukraine and local authorities to provide protections for the Roma and other threatened minorities, and to develop educational and community programs that will help build respect for cultural diversity,” the museum said in a statement.

“Between 1933 and 1945, Roma and Sinti suffered greatly as victims of the Nazis and their allies. Ultimately, between 220,000 and 500,000 died in the genocide of the Roma and Sinti peoples,” said Museum Director Sara J. Bloomfield. “Sadly, the recent pogrom in Loshchynivka, Ukraine, is but one of many acts of violence and forced evictions visited upon the Roma in Europe since 1945.”

Source: JTA
Date: 31.08.2016