Eine (unvollständige) Chronologie von antiziganistischen Vorfällen in der Bundesrepublik
1953: Im Jahr 1953 wurde in Bayern eine „Landfahrerordnung“ beschlossen, die wesentliche Elemente des 1926 beschlossenen Gesetzes „Zur Bekämpfung von Zigeunern, Landfahrern und Arbeitsscheuen“ fortführte. Dazu gehörten besondere Ausweise, regelmäßige Meldepflichten bei den Behörden und die Vorstellung einer generellen Gefahr durch ‚Landfahrer‘. Im bayerischen Landeskriminalamt (LKA) wurde eine Landfahrerzentrale eingerichtet, die ab den 1950ern, genau wir ihre Vorgängerinstitutionen in der Weimarer Republik und im Dritten Reich, wieder bundesweit zuständig war.

1957: Eine Sinti-Familie erwarb 1957 in der kleinen Gemeinde Magolsheim auf der schwäbischen Alb ein Haus. Das Geld für den Hauskauf war ihr vom Bürgermeister einer anderen Gemeinde unter der Bedingung zur Verfügung gestellt worden, dass sie seine Stadt verlassen. Nachdem die Gemeinde Magolsheim ohne Erfolg alle möglichen legalen Wege beschritten hatte, um eine Ansiedlung der Familie zu verhindern, griffen die Bürgerinnen und Bürger zur Selbstjustiz: Am Abend, bevor die Familie einziehen sollte, versammelten sie sich in der Dorfkneipe, um zu beratschlagen. Am Ende legte sich der Bürgermeister schlafen, während eine Gruppe von mehreren Dutzend Dorfbewohnerinnen und Dorfbewohnern, angeführt vom Dorflehrer zu dem zweistöckigen Wohnhaus zog und es in gemeinschaftlicher Arbeit bis auf die Grundmauern einriss. Am nächsten Morgen musste die Sinti-Familie unter den hämischen Blicken des Dorfes ihren Einzug abbrechen. 31 Personen wurden später wegen Landfriedensbruchs und der Zerstörung von Bauwerken zu Bewährungsstrafen verurteilt.

November 1960: Zwei Roma wurden bei einer Schlägerei in Hamburg im November 1960 von einem Polizisten erschossen.

1972: Im Jahr 1972 wurde in Heidelberg der Sinto Anton Lehmann von einem Polizisten erschossen. Daraufhin kam es zu einer Demonstration zahlreicher Sinti und es konstituierte sich daraufhin der Verband deutscher Sinti.

3. Januar 1982: In der Nacht vom 2. auf den 3. Januar 1982 gab es in Darmstadt einen Bombenanschlag auf ein Haus, in dem vier Roma-Familien aus Jugoslawien lebten. Am Tag zuvor hatte das „Darmstädter Echo“ einen massiv antiziganistischen Artikel veröffentlicht. Die Familien blieben unverletzt.

18. August 1983: Am 18. August 1983 ließ Darmstadts SPD-Oberbürgermeister Günther Metzger vier Roma-Familien unmittelbar vor ihrer Rückkehr aus dem vierzehntägigen Urlaub das Haus samt Mobiliar und Kupferwerkstatt räumen.

1989: In Deutschland löste eine von Martin Walser editierte Tatortfolge („Armer Nanosh“ von 1989) wegen antiziganistischer Inhalte, unter anderem wegen der verwendeten Bezeichnung „das Volk der roten Unterröcke“ und diverser klischeehafter Darstellungen, einen Eklat aus und wurde vom Zentralrat der Sinti und Roma in Deutschland scharf verurteilt.

5. September 1989: Während der Besetzung des Geländes des ehemaligen KZ Neuengamme in Hamburg durch Roma-Aktivist_innen wird auf einen abgestellten PKW eines Romas ein Brandanschlag verübt.

05.04.1990: Am 5. April 1990 stürmten 1.200 Polizeibeamte das Kölner Schiffhofgelände, wo 160 Roma lebten (darunter 80 Kinder), wegen Verdacht auf „organisierte Diebesbanden“ und „organisierten Kinderhandel“. Beweise für die Vorwürfe fanden sich keine.

06.06.1990: Sechs Neonazis aus Bexbach, Homburg und Neunkirchen, die zur Clique der „Schwarzen Bomber“ gehören, greifen am 6. Juni 1990 in Homburg Roma mit Knüppeln und Messern an.

1991: In Eisenhüttenstadt wurde 1991 eine Gruppe französischer Roma angegriffen.

Juni 1991: Ende Juni 1991 fand in Wittlich (Rheinland-Pfalz) der Einsatz eines Sondereinsatzkommandos mit Kampfanzügen und Gesichtsmasken mit einem Hubschrauber gegen eine Sinti-Familie statt. Der Einsatz fand ohne Durchsuchungsbefehl statt und wurde mit einem nicht bewiesenen Verstoß gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz begründet. Betroffen waren sechs Erwachsene (darunter zwei KZ-Überlebende) und drei Kinder im Alter von unter 12 Jahren.

17.- 22.09.1991: Unter Beifall der Anwohner_innen greifen in Hoyerswerda (Sachsen) Neonazis und Skinheads mit Brandsätzen, Stahlkugeln und Steinen ein überwiegend von rumänischen Sinti und Roma bewohntes Asylbewerberheim an und verletzten mindestens 30 Flüchtlinge.

1992: In Potsdam wurde 1992 eine Roma-Gruppe auf einem Zeltplatz angegriffen.

1992: Die extrem rechte Organisation „Die Deutschen Konservativen“ schalteten 1992 eine Anzeige unter der Überschrift „Kriminelle Zigeuner“ im revanchistischen „Ostpreußenblatt“.

19.03.1992: Nachdem am 19. März 1992 am Flensburger Hafen (Schleswig-Holstein) der 21-jährige Nazi-Skinhead Sascha D. „Ausländer raus“ gerufen hatte, gibt sich ihm der Obdachlose Ingo Finnern (31 oder 32) als Sinto zu erkennen. Daraufhin wird er von diesem ins Hafenbecken gestoßen und ertrank.
Der Täter wird zu fünf Jahren Jugendhaft verurteilt, die Richter sehen sich allerdings nicht dazu im Stande einen rassistischen oder sozialdarwinistischen Tathintergrund zu erkennen.

Sommer 1992: Als sich Anwohner_innen im Sommer 1992 in Rostock-Lichtenhagen durch die Überbelegung eines Wohnheims durch zumeist osteuropäische Roma „gestört“ fühlten, griffen sie es gemeinsam mit zugereisten Neonazis mehrere Nächte hintereinander mit Steinen und Molotowcocktails an.

29.06.1992: Am 29. Juni 1992 gegen 3.45 Uhr wurden in Nadrensee (Mecklenburg-Vorpommern) an der polnisch-deutschen Grenze die zwei rumänischen Roma-Männer Grigore Velcu und Eudache Calderar aus einer größeren Gruppe von „illegalen“ Grenzüberquerern von Jägern, darunter dem Polizisten Heinz Katzer, erschossen. Nach der Revolution 1989 in Rumänien ging die Familie Velcu nach Deutschland, wo sie in Gelbensande in einem Asylbewerberheim lebten. Als Grigore Velcus Mutter starb, wurde sie auf dem Dorffriedhof begraben; das Grab wurde 1992 mehrmals geschändet. Um die nötigen Papiere für die Überführung nach Rumänien zu besorgen, fuhr ihr Sohn nach Rumänien zurück, obwohl er das nicht durfte. Bei der Rückkehr wurden er und sein Freund ermordet. Eines der Opfer starb durch einen gezielten Kopfschuss.

19.03.1992: Nachdem der Obdachlose Ingo Finnern sich gegenüber einem Nazi-Skinhead als Sinto zu erkennen gegeben hatte, wurde er am 19. März 1992 in Flensburg (Schleswig-Holstein) von diesem ins Hafenbecken gestoßen.

1993: In der Kleinstadt Dolgenbrodt (Brandenburg) machte die Einwohnerschaft 1993 gegen eine geplante Asylunterkunft für Roma-Flüchtlinge mobil, man habe explizit etwas gegen „Zigeuner“, „Russlanddeutsche“ oder „echte Flüchtlinge aus Bosnien“ seien „ja nicht so schlimm“.
Eine Nacht bevor die Unterkunft bezogen werden soll, wird sie niedergebrannt. Die Dorfbewohner hatten einen Naziskin aus dem Nachbardorf für 2.000 DM „engagiert“ und trafen sich in der Dorfkneipe zu einer Art Siegesfeier.

März 1993: Im März 1993 setzt die extrem rechte Sammlungspartei „Deutsche Liga für Volk und Heimat“ (DLVH) Köln eine Belohnung von 1.000 DM für die Ergreifung der Romni Nitar Pampurova aus. Die DLVH verteilt 3.000 Plakate und 50.000 Flugblätter um die nach Mazedonien ohne ihre Kinder abgeschobene Mutter, die heimlich zurückgekehrt war, zu jagen.

26.01.1994: Gegen eine Romafamilie in der Flüchtlingsunterkunft Humboldt-Gremberg wird am 26. Januar 1994 ein Brandanschlag verübt, bei dem zwei Menschen an den Folgen starben.

07.03.1994: Am 7. März 1994 wurde die Wohnung des zweiten Vorsitzenden der „Roma Union Frankfurt“ auf der Suche nach dessen flüchtigen Schwiegersohn durchsucht, dabei wurde der Wohnungshalter auch gewürgt.

März 1994: Eine Emnid-Untersuchung ermittelte im März 1994, dass 68% der deutschen Bevölkerung keine „Zigeuner“ als Nachbarn wollten, 22% keine Juden und 36% keine Türken.

April 1995: Im April 1995 umstellten ca. 150 Polizistinnen und Polizisten eine Kölner Flüchtlingsunterkunft, durchkämmten sie und zwangen ca. 50 Romnija im Alter zwischen 15 und 55 zur Abgabe von Blutproben und zu gynäkologischen Untersuchungen. Anlass war, dass in der Nähe der Unterkunft eine totes Neugeborenes gefunden worden war, dessen Pigmentierung ein Arzt als „roma-typisch“ eingestuft hatte.

1996: Das Amtsgericht Bochum entschied 1996, dass ein Vermieter einen vom Mieter vorgeschlagenen Nachmieter nicht akzeptieren müsse, weil dieser der Minderheit der Roma und Sinti angehörte. Und diese seien als „traditionsgemäß überwiegend nicht sesshafte Bevölkerungsgruppe“ als Mieterinnen und Mieter nicht geeignet.

18.-19.10.1998: In der Nacht vom 18. auf den 19. Oktober wurde ein Brandsatz in ein Haus in Frankfurt-Fechenheim geworfen, das von einer aus Rumänien stammenden Roma-Familie bewohnt wird. Glücklichweise wird niemand verletzt.

25.03.1999: In Klipphausen wurde 1999 ein Brandanschlag auf einen Lagerplatz von Sinti und Roma verübt.

August 1999: In Lemshain (Hessen) verübten im August 1999 Unbekannte einen Brandanschlag auf ein Wohnhaus, das dadurch völlig zerstört wurde. Auf die Hauswand wurden die Worte „Zigeuner“ und „Auslender“ (sic!) gesprüht5.

07.12.1999: Am frühen Morgen des 7. Dezember 1999 beteiligen sich über 200 Polizisten an einem Razzia-Überfall auf das „Sinti und Roma“-Wohngebiet Münchewiese in Hildesheim. Gesucht wurden lediglich zwei Personen.

01.08.2000: Im August 2000 beschimpften drei etwa 40 Jahre alte deutsche Männer in Döbeln (Sachsen) eine Gruppe Sinti als „Zigeuner“ und drohten ihnen mit Waffen6.

2001: Der ehemalige Oberallgäuer Republikanerchef Hermann Reichertz bezeichnet Michel Friedman (CDU), Vizepräsidenten des Zentralrats der Juden in Deutschland, in einer Pressemitteilung als „Zigeunerjuden“.
Mit Verweis auf das Recht auf freie Meinungsäußerung wird er später vor dem Landgericht Kempten freigesprochen.

29.-30.07.2001: In der Nacht vom 29. auf den 30. Juli 2001 wurde in der Nähe des Ortes Wildau (Brandenburg) ein Brandanschlag auf Wohnwagen von Roma verübt. Die Neonazis Sebastian Dahl (Berlin), Paris, Nitschke und Martin Harder (Königswustershausen) warfen drei Molotow-Cocktails auf einen Wohnwagen, ein Auto und die Wiese direkt davor. Nur dadurch, dass zwei Brandsätze beim Wurf der Flaschen offenbar erloschen und die Angegriffenen das Feuer auf der Wiese selbst löschen konnten, wurde von den Roma aus Frankreich, den Niederlanden und Deutschland niemand verletzt. In dem angegriffenen Wohnwagen schlief eine Familie mit fünf Kindern.
Zwei Berlin-Brandenburger Neonazis wurden im Mai 2005 wegen versuchten Mordes zu Haftstrafen von vier bis fünf Jahren verurteilt.

20.08.2003: In der Nacht zum 20. August 2003 begehen vier ehemalige Aktivisten der „Skinheads Sächsische Schweiz“ einen Brandanschlag auf den Wagen eines Roma-Lagers bei Gersdorf (Sächsische Schweiz). In dem benachbarten Wagen, auf den das Feuer übergreifen zu drohte, schliefen eine Mutter und ihr Kind.

29. Januar 2005: Bei einem Fastnachtsumzug in Berg (Landkreis Ravensburg) wird im Festumzug am Wagen mit der Aufschrift „Zick, Zack Zigeunerpack“ mitgeführt und 20 Personen posieren dazu als verkleidete „Zigeuner“. Eine Anzeige wegen Volksverhetzung wird eingestellt.

Oktober 2005: In einem Leserbrief in der Zeitschrift „Der Kriminalist“ Ausgabe Oktober 2005 vom „Bund Deutscher Kriminalbeamter“ (BDK) bezeichnet der Kriminalbeamte Peter Lehrieder aus Fürth (stellvertretender bayerischer Vorsitzender des „Bundes Deutscher Kriminalbeamter“, Mitglied des Arbeitskreises Polizei in der CSU) Sinti und Roma als „Maden im Speck der bundesrepublikanischen Wohlfahrtsgesellschaft“, die sich „die Legitimation für Diebstahl, Betrug und Sozialschmarotzerei ohne jedes schlechte Gewissen aus dem Umstand der Verfolgung im 3. Reich“ nähmen.
Justizministerin Beate Blechinger (CDU) nannte diesen Artikel verharmlosend „Meinungs- und Pressefreiheit“.

2006: Einer repräsentativen Umfrage des „Zentralrat der Sinti und Roma“ nach gaben 76% der Befragten 2006 an bei der Arbeit, von Nachbar_innen, in Gaststätten oder an anderen Plätzen häufiger diskriminiert zu werden.

25./26. August 2006: Etwa 25-30 junge Männer unter Führung von Neonazis griffen in der Nacht zum 26. August 2006 in Triebel im Vogtland die Zirkusfamilie Quaisers (Zirkus „Barni“) an8. Dabei wird u.a. „Raus mit euch, Zigeunerpack!“ gerufen. Sie zerstören Teile des Familienzirkus „Barny“ der siebenköpfigen Familie. Der Schaden beträgt 12-20.000 Euro. Bereits im Vorfeld gab es mehrfach Drohungen und Attacken gegen die Familie.

Oktober 2006: Die extrem rechte „Bürgerbewegung Pro Köln e.V.“ fordert „vorbeugend“ Rückführungs-Maßnahmen für rumänische Staatsangehörige, die im Kölner Stadtgebiet angeblich betteln würden.

18. März 2007: In Laupheim (BaWü) attackierten mehrere Mitglieder der „Nationalen Sozialisten – AG Tierrecht“ am 18. März 2007 Jahres nach dem Verteilen von Flugblättern gegen Zirkustierhaltung („Zirkus – Amüsement auf Kosten der Tiere“) eine Zirkusfamilie.

28.10.2008: Wegen Volksverhetzung ist ein Kommunalpolitiker der rechten Partei «Die Republikaner» am 28. Oktober 2008 vom Amtsgericht Pirmasens zu einer Geldstrafe von insgesamt 3.600 Euro verurteilt worden. Der Fraktionschef der «Republikaner» im Stadtrat von Pirmasens hatte in einer öffentlichen Sitzung eine Flüchtlingsfamilie aus dem Kosovo als «Zigeunerfamilie» und «Sippschaft» bezeichnet. Zudem hatte er bei der Stadtverwaltung schriftlich nachgefragt, wie die Stadt in Zukunft mit «parasitärem Verhalten bestimmter Gruppen» umgehen werde.

26.12.2009: Am 26. Dezember 2009 brannte das Wohnhaus einer Sinti-Familie in Klingenhain (Sachsen) nach einem Brandanschlag komplett aus. Verletzt wurde glücklicherweise niemand, da die Familie Weihnachten bei Verwandten verbrachte. Das Haus ist unbewohnbar. Der Caravan-Handel der Familie brannte ebenfalls nieder. Dem Brandanschlag gingen jahrelange Anfeindungen und Bedrohungen voraus. Die Bewohner waren u.a. zuvor als „Zigeuner“ beschimpft und attackiert worden. „Haut ab, ihr Kanaken“, schrieben die Angreifer auf einen Zettel. Die Polizei schloss nach der Tat einen „fremdenfeindlichen Hintergrund“ dennoch aus.

März 2010: Im März 2010 entführten ein Mann aus Selb und dessen tschechische Freundin drei Prostituierte im benachbarten Asch entführt und misshandelten sie in dem Wohnhaus des Mannes schwer. Die beide Täter beraubten ihre Opfer, beschimpften sie und misshandelten sie zum Teil über Stunden hinweg mit Fäusten und Baseballschlägern. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass beide Angeklagte aus rassistischen Motiven gehandelt haben. Beide hegten besonderen Hass gegenüber Angehörigen der Roma.

24. September 2010: Am Nachmittag des 24. September 2010 wurde in Milmersdorf (Brandenburg) der kleine Familienzirkus „Happy“ aus dem Ort vertrieben. Anwohner hatten die Artisten bedroht, beschimpft und mit Steinen beworfen. Fahrzeuge und Campinganhänger wurden durch die Steinwürfe beschädigt und es entsteht ein Sachschaden von 8.000 Euro. Dabei schrien die etwa 20 jugendliche und erwachsene Angreifer „Zigeunerpack! Asoziales Pack verschwindet! Wir fackeln euch die Zelte ab“. Auf dem Gelände befand sich nur der Zirkusnachwuchs im Altern von 16, 14, 11 und 8 Jahren.

05.11.2010: Am 5. November 2010 wurde ein Uhr Nachts in Gelsenkirchen ein Wohnwagenpark von Roma-Familien mit 19 Wohnwägen/-mobilen angezündet. Davon 17 so schwer, dass Totalschaden vorliegt. Verletzt wurde niemand, da keine Person in den Wägen übernachtete.

23. November 2010: In der Nacht zum 23. November 2010 wurde eine Gedenkstele für die während der NS-Zeit ermordeten Sinti und Roma im Zentrum der sachsen-anhaltinischen Stadt Merseburg beschädigt. Bereits im Frühjahr 2010 waren zwei Anschläge auf die Stele verübt worden. Allein zwischen Dezember 2009 und Januar 2012 wurde die Stele siebenmal geschändet.

6. April 2011: Am 6. April 2011 fuhr eine fünfköpfige Gruppe, drei Männer und zwei Frauen im Alter von 17 bis 26 Jahren, von Rechten in einer der Wohnsiedlung in Trier mit ihrem Auto in der Riverisstraße umher, brüllte rechte Parolen gegen die anwohnenden Sinti und warf mit Flaschen.

25. Juni 2011: In der Nacht vom 24. Juni auf den 25. Juni 2011 haben zwei glatzköpfige Männer in dunkler Kleidung auf die Erdgeschosswohnung eines Mehrfamilienhaus in Leverkusen mit mehreren Molotov-Cocktails einen Brandanschlag mit möglicherweise rechtem Hintergrund verübt. In dem Haus im Stadtteil Wiesdorf wohnen 19 Sinti und Roma. Zur Tatzeit hätten sich neun Menschen in der Wohnung aufgehalten. Sie brannte komplett aus. Die Bewohner konnten sich rechtzeitig ins Freie retten und blieben unverletzt.

September 2011: Im September 2011 kam es im Landkreis Lauf an der Pegnitz (Bayern) zu einer antiziganistischen Kampagne hinein. Als „Roma“ identifizierte Menschen sollten zukünftig keinen Zutritt mehr zur Mülldeponie bekommen. Die CSU-Gemeinderätin Michaela Neumeier sagt der lokalen Pegnitz-Zeitung: „Hauptsache die Roma verschwinden, ob mit oder ohne Zaun“. Als die lokale „Amnesty International“-Gruppe an der Deponie mit einem Transparent zur Solidarität mit den Roma aufruft, verbieten ihnen die anwesenden Polizeibeamt_innen die Transparentstangen. Ein Dutzend aggressive Bürger_innen geht vor Ort gegen die engagierten Menschenrechtler_innen vor. Ein solle her, fordern sie. Der Landkreis investiert über 10.000 Euro für den Bau eines „Zigeunerzauns“ (Originalton Nazi-Bündnis „Freies Netz Süd“).

Juli 2012: In der Nacht zum 4. oder 11. Juli 2012 beschimpfen und beschießen rechte Jugendliche in Detmold-Pivitsheide mit Softair-Waffen auf eine Sinti-Familie.

Ende 2012: Ende 2012 kommt es in Duisburg zu Konflikten zwischen zugezogenen rumänischen Roma und türkischstämmigen Einheimischen. Ein Polizeibericht vermerkt: „Es ist davon auszugehen, dass es sich um einen gezielten Angriff von jungen türkischstämmigen Männern auf ebenfalls junge Roma rumänischer Nationalität handelte.“

03.03.2013: Am Sonntag den 3. März 2013 fand die Gedenkveranstaltung zum 70. Jahrestag der Deportation der Wuppertaler Sinti und Roma im städtischen Jugendzentrum Heinrich-Böll-Strasse am Klingholzberg statt, die von zwei pöbelnden Neonazis gestört wurden.

07.07.2013: Zwei junge Frauen werden im rheinland-pfälzischen Wattenheim am 7. Juli 2013 auf der Wattenheimer Kerwe von einer Gruppe Jugendlicher fremdenfeindlich beschimpft. Die Jugendlichen zeigen den Hitlergruß und brüllen dazu „Du Zigeuner“.

13.08.2013: Am 13. August 2013 schmierten Unbekannte antiziganistische Parolen an ein mehrheitlich von Roma bewohntes Haus in Duisburg-Rheinhausen. Das war der bisherige Höhepunkt der lokalen Diskussion über die Roma-Bewohner_innen des Wohnblocks, das in der Presse gerne auch als „Problemhaus“ tituliert wird.

08.-09.10.2013: In der Nacht vom 8. auf den 9. Oktober 2013 wurde in Duisburg-Nordheide eine Brandstiftung an einem Haus mit 42 Einwanderern aus Rumänien oder Bulgarien, zum großen Teil Roma, begangen. Dabei wurden 17 Menschen, sechs Erwachsene und elf Kinder, durch Rauchgasvergiftungen und Verbrennungen ersten Grades verletzt. Das Haus wurde zunächst unbewohnbar. Eine antiziganistisches Motiv ist nicht auszuschließen.

05.10.2013: Am 5. Oktober 2013 fand von Bergheimer Anwohner_innen eine Demonstration gegen die „Zustände“ in ihrem Stadtteil statt, deren Redebeiträge sich gegen zugezogene Roma richtete. Einige der Teilnehmer_innen der bürgerlichen Versammlung solidarisierten sich später mit den Parolen von Pro NRW, die am selben Tag auch eine Kundgebung in Bergheim abhielt.

21.10.2013: In Oldenburg wurde in der Nacht zum 21. Oktober 2013 ein Brandanschlag auf ein Kulturzentrum für Sinti und Roma verübt. Dabei wurde der Türrahmen wurde angesengt und die Lackierung ist von der Hitze geplatzt. Die Höhe des Schadens konnte die Polizei nicht beziffern. Menschen wurden nicht verletzt. Indizien deuten auf Neonazis als Täter hin.

04.01.2014: In der Nacht zum 4. Januar stürmten gegen 1.30 Uhr acht Männer im Alter von etwa 25 bis 30 Jahren in die Wohnung einer siebenköpfige Roma-Flüchtlingsfamilie in Söhre im Kreis Hildesheim in Niedersachsen. Einer der Männer schlug den Familienvater mit der Faust, in der er eine Pistole hielt, ins Gesicht und forderte Geld. Daraufhin wurde das gesamte Bargeld der Familie in Höhe von 1.300 Euro ausgehändigt. Nach dem Überfall flüchtete die Familie, zu der neben den Eltern fünf Kinder im Alter von wenigen Monaten bis zehn Jahren gehören, zu Nachbarn.
Nach der Beschreibung der betroffenen Familie waren die Täter Neonazis. Einige von ihnen hatten Springerstiefel getragen und kahl geschorene Köpfe gehabt.

11.-12.03.2014: In der Nacht vom 11. auf den 12. März 2014 beschmierten in Merseburg (Sachsen-Anhalt) zwei Unbekannte das Mahnmal für die in der Nazizeit ermordeten Sinti und Roma in Merseburg mit Fäkalien.

19.-20.07.2014: Am Wochenende vom 19. und 20. Juli 2014 wurde in Halle-Silberhöhe Hauseingänge von Roma-Familien mit der Parole „Roma raus“ beschmiert, wobei das S die Blitzrune ersetzt wurde.
Zuvor wurde in einer Facebook-Gruppe mit dem Namen „Bewohner der Silberhöhe setzen sich zur Wehr“ mit über 700 Mitgliedern gegen die neu zugezogenen Roma gehetzt, u.a. wurden die Zuwanderer als „Dreckspack“ und „Viehzeug“ bezeichnet.

11.09.2014: Am 11. September 2014 attackierten Kinder und Jugendliche in Halle-Silberhöhe eine Roma-Frau und ihr Kind. „Die 26-Jährige saß mit ihrem kleinen Sohn auf den Treppenstufen eines leerstehenden Hauses in der Staßfurter Straße. Gegen 15.45 Uhr kam laut Polizei eine Gruppe von etwa sechs bis acht Kindern und Jugendlichen im Alter von circa 10 bis 13 Jahren. Diese versuchten zunächst, die Frau zu bespucken, schlugen danach das zweieinhalbjährige Kleinkind der Frau mit einem Gegenstand. Zudem warfen sie mit einem Gegenstand nach der Frau, als diese der Gruppe nachlief. Auch ausländerfeindliche Parolen wurden durch die Gruppe gerufen.“

30.09.2014: Am 30. September 2014 wurde in Kiel-Elmschenhagen die Landesgeschäftsstelle des Verbands der Sinti und Roma überfallen. Drei dunkel gekleidete Männer stürmten in das Ladenlokal und zerschlugen Computer und Kopierer. Es gab keine Verletzten.

10.11.2014: Am 10. November 2014 fand in Annaburg in Sachsen-Anhalt eine Demonstration von 700 Bürger_innen gegen die Unterbringung von 120 bosnischen Flüchtlingen im Ort. Es gibt Hinweise darauf, dass die bosnischen Flüchtlinge als „Zigeuner“ markiert wurden und die Proteste antiziganistisch motiviert waren.

15.03.2015: Am 15. März 2015 wurden in Berlin-Treptow gegen 4.50 Uhr Mieter_innen eines Hauses in der Michael-Brückner-Straße von drei unbekannten Personen antiziganistisch beleidigt. Nachbar_innen riefen die Polizei als die Männer gegen die Türen und Fenster schlagen und Hakenkreuze an die Wand schmieren.

25.08.2015: Am 25. August 2015 wurde in Berlin-Neukölln eine aus Kindern und Erwachsenen bestehende Gruppe wird antiziganistischen Motiven mit Steinen beworfen.

17.12.2015: Am 17. Dezember 2015 wurde in Berlin-Neukölln in ein Haus, dessen Bewohner_innen regelmäßig antiziganistisch beleidigt werden, mit Steinen und Stöcken beworfen. Eine Person wurde ins Treppenhaus hinein verfolgt und mit einem Messer bedroht.

17.12.2015: Am 17. Dezember 2015 wurden in Berlin-Neukölln aus antiziganistischem Motiven Kinder und Erwachsene in der Harzer Straße von einem Mann beschimpft, bespuckt und mit Gegenständen beworfen. Ein Junge wurde dabei von einer Flasche am Bein getroffen und verletzt.

29.03.2016: Am 29. März 2016 überfielen drei maskierte Männer die Landesgeschäftsstelle der Sinti und Roma in Kiel. Ein Mann schlug mit einem Baseballschläger auf die Büroeinrichtung ein und zerstörte einen Drucker, drei Monitore und einen Computer.

08./09.09.2016: In der Nacht vom 8. auf den 9. September 2016 brannte in Frankfurt am Main – möglicherweise bedingt durch Brandstiftung – ein Haus, in dem drei Roma-Familien wohnten, glücklicherweise wurde niemand verletzt, eine Wohnung aber zerstört.

02.12.2016: Am 2. Dezember 2016 wurde in Frankfurt/Main unter Brücke der Rosa-Luxemburg-Straße eine Schlafstätte von Obdachlosen aus Rumänien, mutmaßlich Roma, angezündet. Zum Zeitpunkt des Brandanschlags befanden sich sechs Personen in der Hütte. Ein junger Mann erlitt Brandverletzungen, als er das Feuer löschte. Die Betroffenen berichten von drei geflüchteten Personen, die an dem Anschlag beteiligt waren.

05.12.2016: Am 5. Dezember 2016 griff in Berlin-Wilmersdorf ein Schüler den Vater eines Mitschülers aus antiziganistischer Motivation an. Er bespuckt und schlägt den Mann.

21.01.2017: Am 21. Januar 2017 beleidigte in Berlin-Lichtenberg ein unbekannter Mann drei Mädchen antiziganistisch. Er schlug eine von ihnen und bespuckt sie. Als Passant_innen eingriffen, entfernt sich der Täter.

28.04.2017: Am 28. April 2017 kam es in Babelsberg während des Fußballspiels des SV Babelsberg 03 gegen FC Energie Cottbus zu rechten Rufen durch Fans von Cottbus, u.a. von „Zecken, Zigeuner und Juden”.