Archiv der Kategorie 'Allgemein'

Antiziganistischer Stinkstiefel für den September 2013

Der Antizig-Watchblog verleiht seit dem Dezember 2011 im monatlichen Turnus die Negativ-Auszeichnung „Antiziganistischer Stinkstiefel“. Diese Auszeichnung geht an Personen des öffentlichen Lebens, Organisationen oder andere Institutionen, die sich öffentlich besonders antiziganistisch geäußert haben oder ein antiziganistisches Klischee bedient haben.
Für den September 2013 geht der Stinkstiefel an den menschenrechtspolitischen Sprecher der FDP, Markus Löning. Dieser meinte unlängst: „Zu uns kommen nicht nur Sinti und Roma, es kommen auch Akademiker und Studenten.“
Aha, Sinti und Roma können also nach Löning keine Akademiker*innen sein.

Antiziganistischer Stinkstiefel für den Juni 2013

Der Antizig-Watchblog verleiht seit dem Dezember 2011 im monatlichen Turnus die Negativ-Auszeichnung „Antiziganistischer Stinkstiefel“. Diese Auszeichnung geht an Personen des öffentlichen Lebens, Organisationen oder andere Institutionen, die sich öffentlich besonders antiziganistisch geäußert haben oder ein antiziganistisches Klischee bedient haben.
Für den Juni 2013 geht der Stinkstiefel an den Kölner Kardinal Joachim Meisner, der vom Spiegel auch als „Gotteskrieger vom Rhein“ bezeichnet wird.
In einer Ausgabe vom „Kölner Stadtanzeiger“ vom 10. April 2013 hatte Meisner erklärt, Roma seien „in unsere Zivilisation nicht zu integrieren“. Außerdem behauptete Meisner, nach seinen Erfahrungen in der Slowakei „bekomme manche Frau jedes Jahr ein Kind“, und lebe vom Kindergeld.
Sowohl die Einordnung der Romo-Minderheit jenseit „unserer Zivilisation“, als auch die Problematisierung von Kinderreichtum bei Roma-Familien – in einer Zeit in der immerzu Kinderarmut in Deutschland beklagt wird – ist antiziganistisch.

Im Schatten der Olympiade von 1936 – das Internierungslager von Berlin-Marzahn

Sinti-Internierungslager in Marzahn
Das Internierungslager vor allem für deutsche Sinti entstand im Jahr 1936 im Schatten der Olympiade in Berlin. Die Anweisung zur Einrichtung des Lagers stammt vom 10. Juli 1936. Am 16. Juli wurden dann 600 Wägen an einem Ort in Marzahn zwangskonzentriert.
Die Betroffenen waren, wenn sie zur Ermordung nicht deportiert wurden, jahrelang interniert, teilweise bis zu neun Jahre. Durchschnittlich lebten immer 1.000 Menschen in dem Lager.
Die hygienischen und die Ernährungs- Verhältnisse waren im Lager katastrophal. Von 1936 bis 1945 starben 52 Kinder und Jugendliche an diesen Zuständen.
Ab dem Jahr 1938 wurden Minderjährige vom Lager Marzahn in das 30 Kilometer entfernte KZ Sachsenhausen und später in das „Jugendschutzlager“ Moringen und Uckermark deportiert.
Ab März 1943 wurden die Internierten nach Auschwitz deportiert. Unter den Deportierten befanden sich auch die Komparsen für den Film „Tiefland“ von Leni Riefenstahl, die von der Regisseurin direkt aus dem Lager rekrutiert hatte.
Sinti-Internierungslager Marzahn Opfer-Biografie
Inzwischen gibt es am Lagerstandort mehrere Gedenk-Stelen, die die Geschichte des Lagers und einzelne Opfer-Schicksale vorstellen. Dieses Denkmal ist auch Ergebnis des Kampfes der Überlebenden und ihrer Familien um Anerkennung ihres Leids.
Hier erfährt die/der Besucher*in z.B. das ein Opfer erst im Jahr 1985 seine von den Nazis aberkannte Staatsbürgerschaft zurück erhielt.
Auf einer Stele wird auch berichtet wie bereits die Zwangsuntersuchungen und -befragungen durch Dr. Robert Ritter Mitte der 1930er Jahre mit Misshandlungen einher gingen. So wird aus den Erinnerungen einer Überlebenden berichtet wie eine achtzig Jahre alte Frau an den Folgen solcher Misshandlungen verstarb.
Ein weiterer porträtierter Verantwortlicher für die Schikane und Terrorisierung, für Deportation und Verfolgung war der Polizist Leo Karsten von der „Dienststelle für Zigeunerfragen“ bei der Berliner Kriminalpolizei. Karsten setzte nach Kriegsende seine Polizei-Karriere als Kriminalobermeister in Ludwigshafen.

Wer sich das Denkmal in Marzahn anschauen will, die/der muss bis zur S-Bahn-Station S-Bahnhof Raoul-Wallenberg-Straße fahren.

Antiziganistischer Stinkstiefel für den April 2013

Der Antizig-Watchblog verleiht seit dem Dezember 2011 im monatlichen Turnus die Negativ-Auszeichnung „Antiziganistischer Stinkstiefel“. Diese Auszeichnung geht an Personen des öffentlichen Lebens, Organisationen oder andere Institutionen, die sich öffentlich besonders antiziganistisch geäußert haben oder ein antiziganistisches Klischee bedient haben.
Ex-Staatsanwalt Köln antiziganistisch
Für den April 2013 geht der Stinkstiefel an den Kölner Oberstaatsanwalt Egbert Bülles (66), er war bis März 2012 Chef der Abteilung Organisierte Kriminalität der Kölner Staatsanwaltschaft. Dieser äußerte sich im Interview mit der BILD „über die Roma-Problematik“ massiv antiziganistisch.

BILD: Köln gilt als Hochburg für Taschendiebe und Wohnungseinbrüche. Warum ist das so?
Bülles: „Hinter den Bandeneinbruchsdelikten stehen Roma-Clans aus Ex-Jugoslawien sowie Rumänen und Bulgaren. Das sind Sippen mit 70, 80 oder mehr als 100 Angehörigen, die in dieser liberalen und weltoffenen Stadt gerne Straftaten begehen.“

Im weiteren Verlauf des Gesprächs ereifert sich Bülles im typisch rechten Duktus über die „Gutmenschen-Justiz“ und nennt die Homo-Ehe ein Problem.
Am Ende äußert er sich erneut antiziganistisch:

BILD: Stecken Roma auch hinter dem ‚Enkeltrick‘?
Bülles: „Ohne, dass man mich zum Rassisten abstempelt, aber Fakt ist: Dafür sind vornehmlich Roma-Clans verantwortlich. Für Litauer oder Kosovo-Albaner sind solche Straftaten tabu. Roma hingegen greifen gezielt die Schwächsten der Schwachen an. Neuerdings ahmen aber auch russisch sprechende Täter diese Masche nach.

Die Verbindung von ethnischer Herkunft und Kriminalität hat in der Geschichte des Antiziganismus eine lange Tradition. Diese Verbindung wird von der BILD gleich am Anfang mit dem Ansprechen einer „Roma-Problematik“ gemacht. Es ist unsinnig Roma und Kriminalität miteinander zu verbinden, weil erstens die Zahlen fast immer übertrieben werden, zweitens die 99,9% nicht kriminellen Roma konsequent ignoriert werden und drittens Herkunft und Kriminalität nur selten etwas miteinander zu tun haben. Es thematisiert ja auch niemand, dass die Mehrzahl der Wirtschaftsverbrechen in der Bundesrepublik vermutlich von älteren, weißen „biodeutschen“ Männern begangen wird.

* „Die Klau-Kids lachen sich doch über uns kaputt“, Interview mit Ex-Oberstaatsanwalt Bülles, 2013, Bild.de, http://www.bild.de/regional/koeln/jugendkriminalitaet/die-klau-kids-lachen-sich-doch-ueber-uns-kaputt-29386112.bild.html

Die Ausstellung »Typisch „Zigeuner“«

Typisch
Derzeit ist im Stuttgarter Rathaus noch bis zum 15. März die Ausstellung »Typisch „Zigeuner“. Mythos und Wirklichkeiten« zu sehen.
Typisch
Die Ausstellung behandelt einzelne Aspekte wie „Antiziganismus in den Wissenschaften“, „Antiziganismus als Politik“, „Antiziganismus nach 1945“ oder „Antiziganismus in den Kirchen“. Um mit den vorherrschenden Klischees zu brechen werden Vertreter der Minderheit vorgestellt, die in den Bereichen Film, Politik, Literatur oder Musik berühmt geworden sind.
Ausstellung Typisch
Ob allerdings die Romni Livia Járóka, die als Europaabgeordnete für die Fidesz-Partei im EU-Parlament sitzt, eine so vorbildhafte Gestalt ist, ist fragwürdig. Immerhin spielt die Fidesz-Partei in Ungarn auch gerne mal die antiziganistische Karte und kürzt sukzessive alle Hilfsprogramme und Fördergelder für Roma.

Leider ist die Ausstellung, die immerhin aus 21 Tafeln besteht, in einen kleinen Nebengang abgeschoben.

Öffnungszeiten und mehr unter: http://www.typisch-zigeuner.de/

Nur noch wenige Antizig Soli Shirts

Es wird eng. Es sind nur noch die Größen S und Girly M zu haben.
Doch auch diese würden wir gerne so bald wie möglich loswerden.

Denn je früher die Shirts weg sind, umso früher können wir den Solibeitrag seinem zukünftigen Bestimmungszweck zukommen lassen.
Für jegliche Werbung und Weiterverbreitung wären wir sehr dankbar.

Alle Informationen zu den Shirts gibt es hier nochmal.

Dank, das Antizig-Team

Roma Feel Less Fear and More Hope After Census

A grassroots campaign to increase Roma registration in Serbia’s official census has made a major contribution to an unprecedented success there. Announcing the official results of the 2011 census, the Serbian Statistical Office reported a 40 percent increase in the official number of Roma in comparison to the last census held in 2002. As of a week ago, 147,604 Roma are officially registered in Serbia, making them the second biggest minority in the country, right after Hungarians.

This increase is expected to affect Serbian public policies concerning Roma. As outlined in Serbia’s minority legislation, census data is directly translated into assigned quotas in employment for public administration and police. A higher, more representative figure for the Roma population in Serbia means the government will be legally obliged to hire more Roma in public enterprises and increase Roma representation in public institutions and public service media. Also, it is expected that more accurate statistics will be factored into the Roma Decade policies promising to provide fair opportunities for Roma children in education and their parents in employment.

Overall, the Serbian census has registered a decrease in the population of minorities. A demographic drop was registered for the Croat minority of 18 percent, Romanian 15.2 percent and Hungarian of 13.3 percent. Besides Roma, only the Bosniak minority has recorded an increase of 6.7 percent. In addition to the overall population decline due to migration and higher mortality rates, experts recognize ethnic mimicry and assimilation as the main reasons for the decrease. (mehr…)

LESETIPP: die aktuelle Ausgabe des Magazins „iz3w“

iz3w Cover Titelthema Antiziganismus
Das Nordsüd-Magazin „iz3w“ aus Freiburg widmet sich in seiner Ausgabe Nr. 334 vom Januar/Februar 2013 dem Thema „Antiziganismus – Vergangenheit und Gegenwart“. Im Editorial schreibt die Redaktion dazu:
„Es geht nicht darum, wie »sie« leben, wie sie »wirklich« sind. Ohnehin gibt es nicht »die« Roma und »die« Sinti, mit diesen Bezeichnungen werden sozial, politisch und kulturell heterogene Gruppen zusammengefasst. […] Der Themenschwerpunkt handelt vielmehr von der Mehrheitsgesellschaft, genauer gesagt: Vom Ressentiment der Mehrheit gegenüber einer Minderheit. (Ob die Minderheit erst durch Fremdzuschreibungen zur Minderheit gemacht wird, oder ob sie sich auch selbst eine Identität als Minderheit zuschreibt, ist dabei nicht entscheidend.) Anders gesagt: In diesem Schwerpunkt erfahren wir etwas über »uns«, nicht über »sie«. Es ist ein erschreckender Blick in den Spiegel.“ (Seite 16)

Auf 26 Seiten finden sich 11 durch die Bank lesenswerte Beiträge, die sich den unterschiedlichen Facetten dieses Ressentiments widmen:
* „Europa erfindet die Zigeuner“ von Klaus-Michael Bogdal
Der Autor schreibt u.a. treffend „Triviale Zigeunerromantik überschreibt die Lebenswirklichkeit der Romvölker bis zur Unkenntlichkeit.“ (Seite 20)
* „Bis zum Völkermord“ (über Antiziganismus und Antisemitismus) von Wolfgang Wippermann
* ein Interview mit Romani Rose vom Zentralrat der Sinti und Roma
* „Inszenierte Wildheit“ (Antiziganismus und Geschlecht) von Felia Eisenmann
* „Als Kollektiv definiert“ (über die Problematik der anti-antiziganistischen Aufklärungs-Pädagogik) von Albert Scherr
* ein Interview mit Valeriu Nicolae zu europäischen Strategien gegen Antiziganismus
* „Die Stille durchbrechen“ (über Antiziganismus in Italien) von Paolo Finzi
* „Antiziganismus ist Mainstream“ (über Antiziganismus in Ungarn) von dem Blogger pusztaranger
Hier erfährt man, dass Roma-Kinder in Ungarn 20 Mal häufiger als behindert eingestuft werden und, dass allein vom Januar bis zum September diesen Jahres 1.000 ungarische Roma in Kanada Asyl suchten.
* „Aufgeklärte Vorurteilsforschung“ (Buchrezension) von Winfried Rust
* „Kampf um Entschädigung“ von Tobias von Borcke
* Interview mit Walter Schlecht über praktische Solidarität mit Roma-Flüchtlingen in Freiburg

Unterlegt wird der Heft-Schwerpunkt durch einen Meldungs-Ticker auf jeder Seite oben, in dem antiziganistische Übergriffe erwähnt werden. Die Informationen zu den Tickermeldungen stammen aus der Chronologie dieses Watchlog, der auch im Editorial erwähnt wird.

Die iz3w kann unter www.iz3w.org bestellt werden, was jeder/jedem an der Thematik Interessierten sehr empfohlen sei.

Antiziganistischer Stinkstiefel für den Dezember 2012

Der Antizig-Watchblog verleiht seit dem Dezember 2011 im monatlichen Turnus die Negativ-Auszeichnung „Antiziganistischer Stinkstiefel“. Diese Auszeichnung geht an Personen des öffentlichen Lebens, Organisationen oder andere Institutionen, die sich öffentlich besonders antiziganistisch geäußert haben oder ein antiziganistisches Klischee bedient haben.
getarnter Antiziganismus
Für den Dezember 2012 geht an den Journalisten Rainer Wehaus von den „Stuttgarter Nachrichten“, der in einem Artikel gegen den angeblichen „Asylmissbrauch“ durch Roma-Flüchtinge aus Serbien wettert:

„Hauptgrund für den Anstieg [der Asylbewerberzahlen] ist der wachsende Zustrom von Roma und Albanern aus Serbien. Im Oktober stieg ihre Zahl bundesweit um 37 Prozent gegenüber dem Vormonat an. Fast alle sind offenkundig nicht politisch verfolgt, weshalb die EU-Innenminister dem EU-Beitrittskandidaten Serbien bereits gedroht haben, die Visumpflicht für Serben wieder einzuführen, die im Dezember 2009 aufgehoben worden war. Serbiens Regierungschef Dacic versprach daraufhin, sein Land tue alles, um die „falschen Asylanten“ aufzuhalten, aber man könne nicht einfach „Roma und Albaner aus den Bussen schmeißen“.“

* Rainer Wehaus: Asylbewerber Immer mehr arme Serben zieht es nach Deutschland, 02.11.2012, http://www.stuttgarter-nachrichten.de/inhalt.asylbewerber-immer-mehr-arme-serben-zieht-es-nach-deutschland.4f672143-083b-4776-a96b-6454f8cfacf1.html

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