Archiv der Kategorie 'Antiziganistische Übergriffe'

Ausgrenzung unter Christen: Ressentiments gegen „Zigeuner“ sind älter als die Reformation

Sinti und Roma werden vom Rest der Bevölkerung in der Regel abgelehnt. Auch überzeugte Christen lehnen sie ab, obwohl die meisten Sinti und Roma christlich sind. Der Zentralrat der Sinti und Roma wollte es genauer wissen und hat ein Gutachten in Auftrag gegeben.

Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie: Während im großen Saal des Hauses der EKD am Berliner Gendarmenmarkt über Antiziganismus und Protestantismus diskutiert wird, steht draußen – direkt neben dem Fahrstuhl – Martin Luther auf einem Sockel. Der Begründer der evangelischen Kirche ist an den Vorurteilen gegenüber den „Zigeunern“ nicht ganz unschuldig, macht Verena Meier deutlich. Die Historikerin, die das Gutachten erstellt hat, zitiert aus einer Schrift des Reformators von 1543:

„‚Die itzigen Juden müssten sein eine grundsuppe aller losen, bösen Buben, aus aller Welt zusammengeflossen, die sich gerottet und in die Lender hin und her zerstrewt haben, wie die Tattern oder Zigeuner und dergleichen, die leute zu beschweren mit wucher, die Lender zu verkundschaffen und zu verrathen, wasser zu vergiften und brennen, kinder zu stelen und allerlei meuchel schaden zu thun.‘ Und diese Aussage finde ich ganz spannend, weil sich da Querverbindungen zwischen Antisemitismus und Antiziganismus zeigen.“

Doch das Ressentiment gegen die „Zigeuner“ ist älter als die Reformation. Bereits auf dem Freiburger Reichstag von 1498 wurden Sinti und Roma, deren Vorfahren aus Indien eingewandert waren, als Spione der feindlichen Türken dargestellt. Der Vorwurf verschwand zwar mit der Zeit, doch das Bild vom fahrenden und arbeitsscheuen Volk blieb – und so wurden Sinti und Roma im 19. Jahrhundert zum Objekt missionarischen und pädagogischen Handelns der Kirche.

Die so genannte „Zigeunermission“ bestand weniger darin, die Sinti und Roma zu bekehren – die meisten waren längst Christen – als sie vielmehr zur Arbeit zu erziehen. Inwieweit diese paternalistische Haltung auch in den theologischen Schriften angelegt ist, lässt das Gutachten offen. „Umfassende Studien zum Verhältnis von protestantischer Arbeitsethik und Antiziganismus fehlen gänzlich“, heißt es dort. Doch egal ob theologisch begründet oder nicht: „Wir brauchen keinen Paternalismus“, betont der Vorsitzende des Zentralrates Deutscher Sinti und Roma, Romani Rose.

„Das ist das erste, was die Kirche sehr oft in ihren Traditionen hatte. Wir brauchen ein Miteinander auf Augenhöhe und wir brauchen das Eingeständnis, dass man damals versagt hat. Es gibt das Stuttgarter Schuldbekenntnis, das richtet sich ja, dass man jüdische Menschen damals nicht geschützt hat, aber die Kirchen, die verstrickt waren, auch in Bezug auf die totale Vernichtung unserer Minderheit, hat uns in dieses Schuldbekenntnis nicht mit einbezogen.“

Das dunkelste Kapitel des Antiziganismus

Die Vernichtung der Sinti und Roma im Nationalsozialismus ist das dunkelste Kapitel des Antiziganismus. Es gibt zwar bislang keine verlässlichen Angaben über die Zahl der Opfer – Historiker gehen von 200.000 bis 500.000 Ermordeten in ganz Europa aus – doch dass es ein Völkermord war, ist unstrittig. Ähnlich wie die Juden galten die „Zigeuner“ als „artfremd“ und wurden vielfach nicht nur staatlich, sondern auch religiös ausgegrenzt. So erklärte die Sächsische Evangelisch-Lutherische Landessynode im Dezember 1933:

„Die Volkskirche bekennt sich zu Blut und Rasse, weil das Volk eine Bluts- und Wesensgemeinschaft ist. Mitglied der Volkskirche kann daher nur sein, wer nach dem Rechte des Staates Volksgenosse ist.“

Und auch diejenigen Landeskirchen und Gemeinden, die nicht lautstark auf die Linie der Nationalsozialisten einschwenkten, kollaborierten meist. Sie stellten den Rassebiologen ihre Kirchenbücher zur Verfügung: oft die einzige Quelle, aus der hervorging, wer Sinti und Roma unter seinen Vorfahren hatte. Widerstand gegen die Deportationen gab es dagegen so gut wie gar nicht – auch die Bekennende Kirche schwieg.

Ein Schweigen, das bis heute weitgehend anhält, wenn es um den Umgang mit Antiziganismus geht. Es fehlt an umfassenden Forschungen, lautet eine zentrale Aussage des Gutachtens. Die Aufarbeitung der Diskriminierungsgeschichte der Sinti und Roma scheint für Kirchenhistoriker keine besondere Bedeutung zu haben. Der damalige EKD-Ratsvorsitzende Bischof Wolfgang Huber bekannte 2004 zwar eine Mitschuld der Kirchen am Völkermord an den Sinti und Roma, doch eine weitgehendere Auseinandersetzung mit dem Antiziganismus ist daraus nicht hervorgegangen.

Keine Gespräche mit Sinti und Roma

Wenn aber der Völkermord an den Juden und an den Sinti und Roma der gleichen Aufmerksamkeit bedarf, warum gibt es in der evangelischen Kirche dann seit Jahrzehnten einen christlich-jüdischen Dialog aber kein regelmäßiges Gespräch mit Sinti und Roma, fragte die Historikerin Susanne Willems bei der Vorstellung des Gutachtens – und versuchte selbst eine Antwort zu geben.

„Meine These dazu ist, dass die Voraussetzung ist, dass wir als evangelische Angehörige der Mehrheitsgesellschaft das ‚Nur-Deutsche-Sein‘ als Defizit begreifen müssen, wenn wir uns Angehörigen von Minderheiten zuwenden, die nicht nur ‚Nur-Deutsche‘ sind, sondern mehr als ‚Nur-Deutsche‘“.

Ob es für den Dialog ein solches Eingeständnis braucht, ist allerdings fraglich. Die evangelische Landeskirche in Württemberg geht seit Jahren einen anderen Weg. Sie hat die Stelle eines Beauftragten für die Zusammenarbeit mit Sinti und Roma geschaffen. Gemeinsam mit einem Vertreter der Minderheit geht er regelmäßig in Schulen. Es ist wichtig, den Bildern und Klischees die Begegnung entgegenzusetzen, sagt der Leiter des Referates für Mission, Ökumene und Entwicklung in der evangelischen Landeskirche Württemberg, Klaus Rieth.

„Dass die Schüler zum ersten Mal einen wirklichen Anhänger dieser Gruppe sehen, mit ihm sprechen können und da passiert enorm viel, weil da merkt man dann, da ist jemand, der ist wie ich, wie mein Nachbar, der redet wie ich, dieselbe Sprache viele Vorurteile brechen da zusammen.“

Doch um zu erfahren, woher die Vorurteile gegen Sinti und Roma kommen und wie sie bis heute, in Bildern, Texten und Erzählungen tradiert werden, ist noch viel Forschung notwendig – auch über die Beziehung zwischen Antiziganismus und Protestantismus.

Quelle: Deutschlandfunk
Stand: 05.10.2017

Antiziganismus in der Ukraine: „Geschossen, bis einer tot war“

Bei einer Bluttat in einem Provinzstädtchen stirbt der Sprecher der örtlichen Roma. Der Hauptverdächtige ist der Ex-Bürgermeister.

„Haben Sie schon gehört?“, ruft die Alte und wartet keine Antwort ab. „Alexeij Litwinow ist wieder frei! Unser alte Bürgermeister, der wegen des toten Zigeuners in Untersuchungshaft war.“ Die Rentnerin, die hinter einem Eimer mit Aprikosen, Knoblauchknollen und zwei Kohlköpfen sitzt, kommt in Fahrt. „Nur hundert Meter von hier“, sie deutet die Straße hinunter, „direkt vor dem Rathaus haben sie im Mai einen Zigeuner ermordet, und Litwinow wurde drei Tage später festgenommen.“

Trotz der Hitze trägt die Alte ein rosa Kopftuch und einen grauen Regenmantel. Wer schuld an dem Drama sei, wisse sie natürlich nicht. Aber „die Zigeuner“ haben sich offensichtlich in eine Falle locken lassen. Der ehemalige Bürgermeister habe sie zum Gespräch eingeladen, tatsächlich aber habe man sie nur kommen lassen, um auf sie zu schießen. (mehr…)

Polizei attackiert Roma-Community in der Slowakei: Kinder und ältere Leute verletzt

Das European Roma Rights Center (ERRC) hat ein Video erhalten, das zeigt, wie Polizisten wahllos Roma auf der Straße in Zborov (Slowakei) angreifen. Die Polizei drang am 16. April in das Roma-Viertel ein und begann willkürlich Roma zu schlagen – einschließlich Kinder und ältere Leute.

Drei Menschen benötigten medizinische Hilfe: ein fünfjähriger Junge, ein Mann in den 40ern mit einem Herzleiden und eine ältere Frau mit Behinderungen. Das ERRC hat erfahren, dass der Krankenwagen, der gerufen wurde, um die verletzten Mitglieder der Community zu behandeln, zeitweise von der Polizei behindert wurde. Zeug_innen, die die Gewalt gefilmt hatten, bekamen später Besuch von der Polizei und wurden aufgefordert das Filmmaterial zu löschen. Unser Informant weigerte sich.

Die Polizei war gerufen worden, nachdem ein Streit in der Nachbarschaft ausgebrochen war. Sie reagierte mit gezogenen Schlagstöcken, verursachte Terror unter den Bewohner_innen und schlug Männer, Frauen und Kinder, die ihr in den Weg kamen. Ein Bewohner sagte: „Wenn jemand versuchte, vernünftig mit ihnen zu reden und an sie appellierte, aufzuhören, wurde er geschlagen.“

Innenminister Robert Kalinak hat Pläne angekündigt, mehr Polizeikräfte in Gemeinden mit hoher Roma-Bevölkerung einzusetzen.

Das ERRC hat Kriminalitätsstatistiken untersucht und herausgefunden, dass es sich bei den vorgeschlagenen Gemeinden nicht um diejenigen mit den höchsten Kriminalitätsraten handelt, sondern um diejenigen mit relativ hoher Roma-Bevölkerung. Aus den Daten der Regierung ergibt sich kein starker Zusammenhang zwischen hoher Roma-Bevölkerung in einer Gemeinde und erhöhter Kriminalitätsrate.

Die aktuelle Regierung benutzt Roma einmal mehr als Sündenbock für billige politische Ziele. Der Kampf gegen so genannte „Zigeunerkriminalität“ ist ein beliebtes Mittel slowakischer Politiker_innen, um an den unter Wähler_innen verbreiteten Antiromaismus zu appellieren. Es gibt wenig Beweise, dass es die Kriminalitätsrate in den Gebieten senken würde, wenn die Polizeikräfte in den Roma-Vierteln erhöht würde.

Quelle und Video: RAN
Stand: 29.05.2017

NSU-Tribunal in Köln: Referent soll zurückkommen

Die OrganisatorInnen des NSU-Tribunals fordern die Rückkehr eines Referenten. Der Roma-Aktivist wurde am Dienstag ins Kosovo abgeschoben.

Er sollte am Wochenende beim NSU-Tribunal in Köln dabei sein: Doch am Dienstag wurde der Essener Roma-Aktivist Selami Prizreni morgens von der Polizei abgeholt und per Sammelflieger ins Kosovo abgeschoben. Die OrganisatorInnen des NSU-Tribunals fordern nun, den 28-Jährigen rechtzeitig zu seinen Veranstaltungen am Wochenende zurückzuholen. Tim Klodzko, Sprecher des Aktionsbündnisses „NSU-Komplex auflösen“, erklärte: „Die Abschiebung folgt einer rassistischen Praxis, die wir mit dem Tribunal anklagen.“

Das fünftägige NSU-Tribunal begann am Mittwoch mit einer Auftaktveranstaltung im Schauspiel in Köln. Angehörige der NSU-Opfer und UnterstützerInnen wollen noch bis Sonntag in Workshops und Podiumsveranstaltungen über die NSU-Verbrechen und ihre Ursachen wie strukturellen Rassismus diskutieren.

Prizreni, der sich in Essen in der Gruppe „Roma Arts Aktion“ für die Rechte der Minderheit engagiert, hätte am Freitag im Hauptprogramm mit anderen über die Perspektiven antirassistischer Initiativen diskutieren sollen. Am Samstag sollte er auf einem Workshop über „Institutionellen und gesellschaftlichen Rassismus gegen Sinti und Roma und den Widerstand dagegen“ sprechen. Zudem war am Sonntag auf der „Abschluss-Parade“ des Tribunals in der Keupstraße ein Auftritt von Prizreni geplant, der mit seinem Bruder in der HipHop-Combo „K.A.G.E“ Musik macht. (mehr…)

Roma-Schwestern verbrennen im Wohnwagen

Nach einem Brandanschlag auf eine Roma-Familie in Italien herrscht im ganzen Land Entsetzen. Drei Schwestern kamen ums Leben.

Die Tragödie ereignete sich in der Nacht auf Mittwoch am Stadtrand der italienischen Hauptstadt Rom. Ein Wohnwagen, der von einer Roma-Familie bewohnt wurde, ging in Flammen auf. Im Inneren starben drei Schwestern im Alter von vier, acht und 20 Jahren qualvoll. Der Verein 21 Luglio, der immer wieder Gewalt gegen Roma und Sinti anprangert, drückte seinen „Schmerz“ über das Ereignis aus.

Rassistisch motiviert?

Wenig später war von einem Brandanschlag die Rede. Auf Videomaterial aus Überwachungskameras ist nämlich ein junger Mann zu sehen, der eine Flasche auf den Wohnwagen warf, woraufhin dieser in Flammen aufging. Die Ermittler überprüfen jetzt, ob der Anschlag rassistisch motiviert war. In den vergangenen Tagen sollen die Mitglieder der Roma-Familie von Anrainern bedroht worden sein. Roms Bürgermeisterin Virginia Raggi eilte an den Tatort, wo sie den Anschlag eine „Tragödie“ nannte. Italiens Präsident, Sergio Mattarella, sprach von einem „schrecklichen Verbrechen.“ Papst Franziskus sandte einen Geistlichen aus, um der Familie der Opfer beizustehen und sein Beileid auszudrücken.

Quelle: Heute.at
Stand: 20.05.2017

PDF zum Thema Antiziganismus

Das breit rezipierte Internetportal „Lernen aus der Geschichte“ hat eine Schwerpunkt-Ausgabe seines Newsletters zu Antiziganismus veröffentlicht.

Drei Roma-Schwestern in brennendem Wohnmobil umgekommen

Drei Roma-Schwestern im Alter von 20, acht und vier Jahren sind in der Nacht auf Mittwoch in einem Wohnmobil in Rom bei lebendigem Leib verbrannt. Acht weitere Geschwister und die Eltern, die ebenfalls in einem Außenbezirk der Stadt in dem Wohnwagen lebten, konnten sich retten, berichteten italienische Medien. Die Polizei schließt Brandstiftung und eine Racheaktion nicht aus.

Die Familie, die sich schon seit längerer Zeit in der Gegend aufgehalten habe, sei öfters bedroht worden. „Es war wie eine Bombe“, berichteten Zeugen nach dem Brand. Die Polizei prüft Aufnahmen von Überwachungsanlagen in der Gegend. Das Wohnmobil war seit längerer Zeit auf dem Parkplatz eines Einkaufszentrums geparkt. In der Nähe des Unglücksorts wurden ein Feuerzeug und Reste eines sogenannten Molotowcocktails, einer Brandflasche, gefunden.

Zeugen sagten aus, dass schon am vergangenen Freitag ein anderes Wohnmobil einer ebenfalls der ethnischen Minderheit angehörenden Familie in Brand gesetzt worden war. Die Beziehungen zwischen den Roma-Familien und den Anrainern des Peripherie-Viertels seien wegen wiederholter Einbrüche in der Gegend angespannt, berichteten italienische Medien. „Es ist wahrscheinlich, dass es sich um einen rassistischen Mord handelt“, sagte Marcello Zuinisi, Sprecher des Roma-Verbands „Nazione Rom“.

Quelle: Salzburger Nachrichten
Stand: 20.05.2017

Neonazis planten offenbar Nachfolge des NSU

Neonazis versuchten offenbar 2012, eine europäische Gruppe nach dem Vorbild des NSU zu bilden. Stand eine neue Mordserie bevor?

Sie waren zu neunt und hatten eine Idee: Sie würden sich mit anderen europäischen Neonazis verbünden. Sie würden töten, in Deutschland und in anderen europäischen Ländern. Vor allem Roma sollten ihre Opfer sein. Um ihr Vorhaben zu besprechen, trafen sie sich auf dem Christkindlmarkt, zwischen Glühweinstand und Lebkuchenherzen, manchmal auch in einem Park. Sie redeten dann verklausuliert über ihre Aktion, die sie „Zweiter Frühling“ nannten. So steht es in geheimen Unterlagen zum „Zweiten Frühling“, die der SPIEGEL einsehen konnte. Sie legen einen brisanten Verdacht nahe. Wenn er zutrifft, haben die Neonazis schon ein Jahr nach der Selbstenttarnung des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) im November 2011 darüber nachgedacht, eine Gruppe nach dessen Vorbild zu gründen. In einer Zeit, als sich die Republik intensiv mit der Aufarbeitung der NSU-Verbrechen befasste, überlegten sie, dessen Terror fortzusetzen. Der Name war verräterisch: „Frühling“ stand in großen Buchstaben auf den DVDs mit einem Bekennervideo des NSU. In dem Film hatten sich dessen Mitglieder zu einer rassistischen Mordserie bekannt. Und nun ein „Zweiter Frühling“? Die Behörden nahmen die Sache ernst: Jahrelang beobachteten Verfassungsschützer aus sechs Ländern sowie vom Bundesamt in Köln in einer gemeinsamen Operation namens „Mazoleti“ die Verdächtigen. Die Behörden waren so alarmiert, dass sie den Generalbundesanwalt einschalteten: Dieser ermittelte von März 2013 an gegen sieben namentlich bekannte und zwei unbekannte Männer wegen des Verdachts der Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung. Die Gruppe bestand aus hochrangigen und seit vielen Jahren aktiven Neonazis. Auch zwei Funktionäre der National – demokratischen Partei Deutschlands (NPD) haben laut den Unterlagen dazugehört. Einer der Verdächtigen hatte sogar Kontakt zu den späteren Mitgliedern des NSU: Sein Name tauchte auf einer Telefonliste von Uwe Mundlos auf, die 1998 in der Bombenwerkstatt des späteren NSU-Täters gefunden wurde. Ein weiteres Mitglied hatte bereits Erfahrungen mit der Identifizierung „politischer Gegner“. (mehr…)

Brandanschläge in Gheorgheni

Unbekannte Täter haben an fünf Stellen der Stadt Gheorgheni in Ostsiebenbürgen in der Nacht von Freitag auf Samstag von Roma bewohnte Häuser in Brand gesteckt.

Mehrere Häuser sind ausgebrannt und diverse Menschen wurden dabei verletzt. Bei den Tätern soll es sich um eine 20-30-köpfige Gruppe mit Autos und Motorrädern handeln.

Die Stadtführung hat sich zu Krisengesprächen zusammen gefunden, um über die aktuelle Lage zu beraten. Die betroffenen Gegenden werden nun von Ordnungshütern patroulliert.

Frankfurt: Brandanschlag auf Obdachlose

Am 2.12.2016 wurde in Frankfurt/M. unter Brücke der Rosa-Luxemburg-Straße eine Schlaf­stät­te von Ob­dach­losen aus Rumänien an­ge­zündet. Zum Zeit­punkt des Brand­anschlags be­fan­den sich sechs Personen in der Hütte. Ein junger Mann erlitt Brand­ver­letzun­gen, als er das Feuer löschte. Die Betrof­fe­nen be­rich­ten von drei ge­flüch­te­ten Per­so­nen, die an dem Anschlag be­tei­ligt waren.

Der Förderverein Roma geht davon aus, dass es sich bei den ob­dach­lo­sen Men­schen aus Ru­mä­nien auch um Roma hand­elt, da in der Ver­gan­gen­heit sei­tens der Sozial­bera­tung be­reits Kon­takt zu Per­so­nen be­stand, die unter der Brücke schlie­fen.

Es geht offensichtlich um einen Brandanschlag, der die Ver­letzung oder den Tod der Ob­dach­losen in Kauf nahm. Zudem sind rassis­ti­sche Motive nahe lie­gend. Der Träger erinnert in dem Zusam­men­hang an einen Brand Anfang Septem­ber des Jahres in Frank­furt/Fe­chen­heim in einem Haus, das von Roma be­wohnt wurde (wir berichteten). Auch hier wird wegen Brand­stiftung er­mittelt.

In der täglichen Arbeit des Vereins ist die Konfronta­tion mit Aus­gren­zung und Diskri­minie­rung von Roma und Sinti all­gegen­wärtig. Aktuelle Studien bestä­ti­gen die tiefe Ver­anke­rung des Anti­ziganis­mus als Erziehungs- und Sozia­li­sa­tions­faktor. Die Stim­mungs­mache der letz­ten Jahre und die Prä­senta­tion von Roma-Flücht­lin­gen und -Migran­ten als nicht er­wünscht ver­voll­stän­di­gen das Bild.

Die vollständige und politisch gewollte Abstinenz des Sozial­staates, die von der aktuel­len Gesetzes­ver­schär­fung be­stä­tigt wurde, be­lässt Armut bei den Be­trof­fe­nen und macht sie für das Elend selbst ver­ant­wort­lich. Der Paritätische sprach in diesem Zu­sam­men­hang von „Aus­hungern“. Die Igno­ranz führt dazu, dass sich die Men­schen selbst or­ga­ni­sie­ren müs­sen; auf der Brache im Frank­fur­ter Gutleutviertel, in leer­ste­hen­den Häu­sern, unter Brücken, auf der Straße. Sie wer­den so zur Ziel­scheibe. Die media­le Hetze und der weit ver­brei­tete ge­sell­schaft­liche Hass mün­den dann letzt­lich in gewalt­same Ex­zesse – wie dem Brand­anschlag. Der Förderverein Roma fordert eine schnel­le und rück­halt­lo­se Auf­klä­rung der Vor­gänge.

Meldung des Polizeipräsidiums Frankfurt/M., 5.12.2016:

Frankfurt-Niederursel/Heddernheim: Obdachlosen-Schlaf­platz in Brand ge­setzt

Frankfurt (ots) – (em) Am Freitag, den 02. Dezember 2016, wurde ein von Ob­dach­lo­sen ge­nutztes Matratzen­lager in Brand ge­setzt. Eine Per­son ver­letzte sich dabei leicht.

Zwischen 21.00 Uhr und 22.00 Uhr wurde ein hütten­ähn­licher Bau aus Matratzen unter der Brücke der Rosa-Luxem­burg-Straße von un­be­kann­ten Tätern in Brand gesetzt. Gegen 21 Uhr legten sich sechs ru­mä­ni­schen Staats­bür­Ger im Alter von 21 bis 39 Jah­ren schlafen. Kurz darauf ver­nahm eine der sechs Personen (21) einen Schat­ten. Die 21-Jäh­rige weckte ihren 32-jäh­ri­gen Lebens­gefähr­ten, der sofort nach draußen ging. Da schlu­gen ihm bereits die ers­ten Flammen ent­gegen. Das Paar zog so­fort die bren­nen­den Matratzen in den nahe­gele­ge­nen Ursel­bach. Dabei erlitt der 32-Jäh­ri­ge eine leichte Brand­ver­letzung am Arm und wurde vor Ort am­bu­lant be­han­delt. Die ande­ren fünf Per­sonen blieben un­ver­letzt. Die Zeugen be­rich­te­ten von drei Per­so­nen, die ge­flo­hen seien.

Die Motive für das in Brand setzen der Schlafunterkunft ist bislang nicht klar. Die Er­mitt­lun­gen dauern an. Sach­dien­liche Hin­weise nimmt die Kriminal­polizei Frank­furt unter der Ruf­num­mer 069/755-53111 ent­gegen.

Quelle: dROMa
Stand: 08.12.2016