Archiv der Kategorie 'Frankreich'

Komödie „Hereinspaziert!“ ist „zutiefst rassistisch“ und „gefährlich“

Die französische Kino-Produktion „Hereinspaziert“ ist aus Sicht des Zentralrates Deutscher Sinti und Roma eine „zutiefst rassistische Komödie über rumänische Roma in Frankreich“.

Regisseur Philippe de Chauveron („Monsieur Claude und seine Töchter“) zeige zugewanderte rumänische Roma „durchweg als nicht integrierbare Gegenkultur zur westlichen Zivilisation“, kritisiert der Zentralrat, der sich seit 1982 für die Belange von in Deutschland lebenden Roma einsetzt.

„Rassistische und antiziganistische Denkmuster“

„Es ist unerträglich, wie Angehörige der Minderheit als vormoderne und unzivilisierte ‚Wilde‘ charakterisiert werden. Der Film benutzt die Minderheit als Projektionsfläche und Gegenbild und macht Geld auf Kosten einer ohnehin diskriminierten Minderheit mit Rassismus“, beklagt der Vorsitzende Romani Rose. Damit trage „Hereinspaziert!“ dazu bei, „den in ganz Europa gesellschaftlich tief verwurzelten Antiziganismus zu legitimieren und weiter salonfähig zu machen“.

Gefährlich werde der Film vor allem dadurch, so Rose weiter, „dass er vermeintlich leichte Unterhaltung im Gewand der Komödie bietet und über komödiantische Elemente rassistische und antiziganistische Denkmuster über Roma tradiert“.

Diskussionen in Frankreich

Bereits im Vorfeld habe der Zentralrat an den zuständigen deutschen Verleih Universum Film appelliert, den Film nicht herauszubringen. „Hereinspaziert“ sorgte zum Kinostart in Frankreich für Diskussionen. „Ein ähnlicher Film mit antisemitischen Stereotypen und Ressentiments wäre – so will ich voraussetzen – gerade in deutschen Kinos nicht ausgestrahlt worden“, vermutet Romani.

Quelle: Prisma
Stand: 02.10.2017

Lachen gegen die anderen

Französisches Kino steht in Österreich immer noch für niveauvolle Unterhaltung. Doch seit einigen Jahren kommen aus Frankreich Komödien, die vor allem Klischees bedienen und damit Vorurteile zementieren – und so, unter dem Deckmantel leichter Unterhaltung, Politik machen.

Dreckige Zähne, glitzernde Goldkronen, Hut, Ringe an jedem Finger und Stoppelbart: Babik (gespielt von Ary Abittan) sieht aus wie die verächtliche Karikatur eines Rom, in der französischen Komödie „Hereinspaziert!“. Der Film ist der neueste Streich von Erfolgsregisseur Philippe de Chauveron, nach „Monsieur Claude und seine Töchter“, der in Frankreich 17 Millionen Zuschauer ins Kino holte, und „Alles unter Kontrolle!“ über einen Polizisten, der bei einer missglückten Abschiebung selbst zum Flüchtling wird.

Chauveron dreht Komödien, die europaweit rasend erfolgreich sind, gerne mit Publikumsliebling Christian Clavier in der Hauptrolle, dessen Figur es sich in seiner bildungsbürgerlichen Blase bequem gemacht hat, doch angesichts real erlebten Multikulturalismus – so beim auch in Österreich hunderttausendfach besuchten „Monsieur Claude“ – dann mit einem Mal feststellt, dass das Zusammenleben mit Menschen aus anderen Kulturen doch nicht so einfach ist. (mehr…)

UN Accuses France of Racism Against Romas

France’s policy toward the Roma community is once again slammed by an international organization, as well as racism targeting other minority groups.

The French government defended its policy of demolishing Roma camps Wednesday before a special U.N. panel, which denounced discrimination against Romas and trivialization of “hate speech” in the country. The 18 members of the Committee on the Elimination of Racial Discrimination grounded its accusations on the situation observed in the country over the five past years – as its last assessment on racism in France was in 2010. “There was an impression that freedom of expression enabled hate speech by the politicians,” the report stated, later encouraging authorities to reinforce criminalization of hate speech on Internet, among other measures. It also noticed several cases of state discrimination against ethnic minorities, especially the Roma one: “Concerns were raised about the treatment of Roma and Traveller communities, explicit discrimination against Muslims, and the situation of indigenous peoples in overseas territories, including the violations of the rights of Kanaks in New Caledonia, the denial of access to natural resources to indigenous peoples in French Guyana, and the stripping of a great number of Mahorais in Mayotte of their fundamental rights. Experts inquired about measures to promote the situation of disadvantaged members of the society, to improve the situation of migrants and asylum seekers in the country, and to protect juveniles seeking to reach the country.” (mehr…)

Frankreich: Rechter Bürgermeister verweigert Roma-Baby die Beerdigung

Mit zwei Monaten starb die kleine Maria Francesca am plötzlichen Kindstod. Der Bürgermeister von Champlan verweigerte ihr ein Grab. Jetzt wird ihm Rassismus vorgeworfen – weil das Baby Romni war.

Ein rechtsgerichteter Bürgermeister in Frankreich hat einem zu Weihnachten verstorbenen Roma-Baby die Beerdigung in seiner Gemeinde verweigert. Das Stadtoberhaupt von Champlan am Rand von Paris, Christian Leclerc, habe die Anfrage ohne Begründung abgelehnt, sagte der zuständige Bestatter am Samstag der Nachrichtenagentur AFP. Leclerc ist parteilos, ordnet sich aber der politischen Rechten zu. Der Bürgermeister müsse sich nicht erklären, doch sei die Verweigerung einer Beerdigung „sehr selten“, sagte der Bestatter. Ein örtlicher Verein zur Unterstützung der Roma warf Leclerc „Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Stigmatisierung“ vor. Das am 14. Oktober geborene Mädchen Maria Francesca war in der Nacht zum 26. Dezember am plötzlichen Kindstod gestorben, wie der Präsident des Vereins mitteilte. Demnach starb das Kleinkind in einem Krankenhaus der an Champlan angrenzenden Gemeinde Corbeil-Essonnes. Die Familie stellte daraufhin in Champlan, wo sie mit anderen Roma in einem Camp wohnte, den Antrag, ihr Kind dort begraben zu dürfen. Angesichts der Weigerung des Bürgermeisters bot die nahe gelegene Gemeinde Wissous der Familie schließlich an, das Baby dort zu begraben. „Einfach aus Menschlichkeit konnte die Situation so nicht bleiben“, sagte der Bürgermeister von Wissous, Richard Trinquier. „Es gibt keinen Grund, einer Mutter, die neun Monate ein Kind getragen hat und es nach zweieinhalb Monaten verliert, weiteren Schmerz zu bereiten.“ In Frankreich können Menschen an ihrem Wohnort, an ihrem Sterbeort oder in einer Gemeinde begraben werden, wo die Familie eine Begräbnisstätte hat. In jedem Fall müssen die Angehörigen beim jeweiligen Bürgermeister um Erlaubnis bitten.

Quelle: Spiegel.de
Stand: 03.01.2015

Rassismus-Vorwurf gegen Bürgermeister: Bestattung von Roma-Baby verweigert

Évry – Das Baby Francesca starb an Weihnachten. Der Bürgermeister der Gemeinde Champlan verweigerte offenbar die Beerdigung des kleinen Roma-Mädchens. Ein örtlicher Verein zur Unterstützung der Roma spricht von Rassismus, der Bürgermeister wehrt sich.

In der französischen Gemeinde Champlan ist dem toten Baby einer Roma-Familie die Beerdigung verweigert worden. Der konservative Bürgermeister Christian Leclerc wies am Sonntag Vorwürfe zurück, er habe die Bestattung verhindert. Er habe sich „zu keinem Zeitpunkt“ einer Beerdigung entgegengestellt, sagte Leclerc der französischen Nachrichtenagentur AFP. Er habe für zwei alternative Bestattungsorte seine Zustimmung gegeben. Eine entsprechende SMS sei möglicherweise in der Verwaltung missverstanden worden.

Der parteilose Leclerc, der sich selbst zur Rechten zählt, war zuvor von der Zeitung „Le Parisien“ zitiert worden, die nur begrenzt verfügbaren und teuren Plätze auf dem Ortsfriedhof stünden in erster Linie für diejenigen bereit, „die ihre lokalen Steuern zahlen“. Daraufhin war er von vielen Seiten teils heftig kritisiert worden. Der Bürgermeister meinte nun, die Äußerungen seien „aus dem Zusammenhang gerissen“. Zudem sei die Verbindung schlecht gewesen.

Die Gemeinschaft der rund 30 Roma-Familien in dem Ort südlich von Paris hatte die Vorgänge „schändlich“ genannt. Das zwei Monate alte Baby war Weihnachten in einem Krankenhaus an plötzlichem Kindstod gestorben. Es ist inzwischen im benachbarten Wissous begraben. Die Gemeinde wird ebenfalls konservativ regiert. Der dortige UMP-Bürgermeister Richard Trinquier sagte, man könne nicht einer um ihr Kind trauernden Mutter weitere Schmerzen zufügen.

Quelle: Berliner Zeitung
Stand: 04.01.2015

Roma Holocaust Survivor attacked by French National Police

In the afternoon of 23 September 2014, the local French Police of Arpajon, a little municipality of 10.000 habitants in the region of Ile de France, decided to have a search in the property of Raymond Gureme, a French Roma Holocaust Survivor 89 years old. When the police started the search in the house, Raymond asked the police to show the search warrant, but the police answered “… we are not in the USA here, we don’t need it!”, according to a testimony present during the search. Afterwards, the police forced to enter the house but Raymond opposed it and he was badly beaten by a policeman who is about 30 years old. Two of Raymond Gureme’s sons tried to defend him and were arrested by the police for „rebellion“ and „death threats“. Raymond has marks all over his legs and arms and he was visited by a doctor in order to make a formal complaint. When Raymond’s relatives asked in the Police stations the reasons behind the search, they didn’t received any clear answers. At the moment Raymond has to face his aggressors in a tribunal were his sons are judged. (mehr…)

Französischer Abgeordneter erneut wegen Äußerung zu Roma verurteilt

Berufungsgericht bestätigt Geldstrafe gegen Politiker

Ein französisches Berufungsgericht hat die Verurteilung eines Abgeordneten und Bürgermeisters wegen einer Äußerung zu den Morden an den Roma und Sinti während der NS-Diktatur bestätigt. Gilles Bourdouleix wurde am Dienstag wegen „Verherrlichung von Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ zu einer Geldstrafe von 3000 Euro verurteilt. Das Berufungsgericht im westfranzösischen Angers verschärfte die Strafe damit noch, da die untergeordnete Instanz im Januar die Geldstrafe noch zur Bewährung ausgesetzt hatte.

Quelle: Die Welt
Stand: 12.08.2014

No Place in School for Roma Children in France?

According to research conducted by the European Roma Rights Centre (ERRC) in the beginning of 2014, children of many Roma in France have restricted access to primary education. More than half of those surveyed are out of school. The ERRC calls on French authorities to provide the children of Roma EU citizens with access to education.

The ERRC conducted participatory field research in six informal Romani settlements (in Seine-Saint-Denis, Marseille, and Lille), including interviews with 118 EU Romani citizens. The research was conducted with the active participation of six Romani women from Romania living in France.

The research shows that Roma who have moved to France from other EU Member States are exposed to high levels of discrimination and stereotyping resulting in the violations of their rights, notably the rights of their children.

‚‘For my part, I did everything that was necessary and possible to enrol my child in school. We provided all the documents and papers. It’s the mayor that blocks the situation. Because they are Roma children, they treat them differently'‘ – stated a mother in Aulnay Sous Bois during an interview with the ERRC.

Less than half of the children of EU Romani citizens interviewed during this research are attending schools in France. According to interviews conducted by the ERRC, in most (60%) of the cases this was due to refusal of local officials, mostly French mayors, to enrol Romani children in school. This is despite the fact that French law makes it compulsory for all children between the ages of 6 and 16, French and foreign, to attend school.

“Refusal to enrol children is in direct violation of the national and international obligations of France. It also jeopardises the future of these children, diminishes their employment opportunities, and further aggravates the social exclusion of these Romani communities” – said Rob Kushen, the Chair of the Board of the ERRC.

On average the Roma EU citizens surveyed had been evicted six times since they arrived in France. These evictions are also detrimental to the situation of Romani children. Parents expressed their deep concerns that evictions cause psychological damage to their children and disrupt schooling.

The ERRC calls on the French authorities to investigate all reported instances of refusal to enrol Romani children, pursue sanctions against offending mayors, and provide support and information to Romani communities regarding the enrolment of their children. Authorities and courts should ensure that the best interests of children are a primary consideration in the context of any eviction.

Source: ERRC
Date: 28.07.2014

Roma teen out of coma weeks after vigilante attack in France

A Roma teenager who was left struggling for his life after being brutally beaten by vigilantes in France has emerged from his coma and is talking, his lawyer said Sunday.
Gheorghe, who was initially mistakenly referred to as Darius when the incident took place last month, “is very well,” Julie Launois-Flaceliere told AFP. “He has emerged from his coma and his life is no longer in danger. He talks and recognizes his family, it’s very positive.” The 17-year-old was dragged into a basement in the Paris suburb town of Pierrefitte-sur-Seine on June 13, savagely beaten by a dozen residents of a housing estate who accused him of theft, and left unconscious in a supermarket trolley where he was later found. Suffering from severe brain injuries, Gheorghe was taken to a Paris hospital where he has been treated since the attack. Launois-Flaceliere said it was too early to assess the after-effects of his trauma, but added he appeared to be recovering his memory. A source close to the case said the judge tasked with investigating the incident was able to visit Gheorghe in hospital on Friday. The teenager, who does not speak French, has an interpreter and his hospital room is closely guarded. Gheorghe left Romania for France to join his parents who were already in the country. At the time of the incident, he and his family had only just moved into an abandoned house in the town just north of Paris. On June 13, he was taken by force in front of his parents by a group of assailants angered by a rumor that he had broken into an apartment in a nearby estate. It is unclear how many people beat him up, but more than a month after the incident, no one has yet been detained. Romas have long suffered discrimination across Europe, centuries after migrating there from India. The Nazis killed hundreds of thousands of Roma during World War II, and even now rights organizations have warned of a spike in violence against the community in Europe.

In France, many of the 20,000-or-so Roma come from Romania or Bulgaria in search of a better life, and often end up living in extreme poverty in makeshift settlements with little or no access to basic amenities including water.
These are systematically destroyed under a controversial, official French requirement, forcing the traditionally sedentary population to move on to other settlements. Their presence in illegal camps on the fringes of towns and cities has often spurred controversy in France where they are perceived as being behind a rise in petty crime.

Übergriffe auf Roma- Wohnungen in Südspanien

Frankreich, Rumänien und jetzt auch in Spanien: Roma sehen sich derzeit in Teilen Europas vermehrt mit Hass und Gewalt konfrontiert. So kam es am Wochenende bei einer Kundgebung gegen eine Welle von Einbrüchen in der südspanischen Kleinstadt Estepa zu Übergriffen auf Unterkünfte von Roma. Der rumänische Außenminister hatte erst Mitte Juni die „rassistische Rhetorik“ in einigen europäischen Staaten beklagt.

Die Demonstranten in Spanien machten Angehörige der Minderheit für eine Zunahme der Kriminalität in der Ortschaft in der Provinz Sevilla verantwortlich. Sie griffen nach Medienberichten vom Sonntag fünf Roma- Wohnungen an und setzten zwei in Brand. Menschen wurden bei den Zwischenfällen am Samstag nicht verletzt.

Zu der nicht angemeldeten Kundgebung war über soziale Netzwerke aufgerufen worden. Die Stadtverwaltung von Estepa hatte kurz zuvor selbst eingeräumt, dass die Zahl der Einbrüche in dem Ort mit 12.000 Einwohnern drastisch zugenommen habe. Sie berief eine Krisensitzung ein und kündigte eine Verstärkung der Polizeikräfte an.

Roma- Bub (17) nahe Paris ins Koma geprügelt

In Frankreich war es Mitte Juni zu einem Lynchjustiz- Angriff gegen einen Roma- Buben gekommen, der 17- Jährige liegt seither mit lebensgefährlichen Verletzungen im Koma. Er war am Stadtrand von Paris von rund einem Dutzend Anwohnern einer Wohnsiedlung wegen eines Einbruchs verprügelt und in einem Einkaufswagen zurückgelassen worden. Der Angriff hatte vor allem in Frankreich und Rumänien Empörung ausgelöst. Wie sich mittlerweile herausstellte, war der Teenager aus einer psychiatrischen Anstalt in Rumänien zu seinen Adoptiveltern nach Frankreich geflüchtet.

Der rumänische Außenminister Titus Corlatean hatte im Zusammenhang mit dem Gewaltakt in Frankreich erklärt, es bestehe „der ernsthafte Verdacht“, dass die Gewalt gegen zentral- und osteuropäische Staatsbürger durch die „xenophobe, populistische, und nicht selten rassistische politische Rhetorik einiger Politiker in europäischen Staaten“ verursacht werde.

Hasstiraden gegen Roma- Ausstellung in Bukarest

Doch auch Rumänien selbst hat mit Hass gegen Roma zu kämpfen. So sah sich vergangene Woche eine Ausstellung mit großformatigen Porträts von Roma- Musikern in der Hauptstadt Bukarest mit rassistischen Hasstiraden konfrontiert. „Ich habe Aufforderungen zum Rücktritt erhalten – und Behauptungen, es sei eine ‚Schande, Porträts von Zigeunern auszustellen‘“, sagte Museumsdirektor Virgil Nitulescu am Freitag der Nachrichtenagentur AFP.

Die Bilder stammen von dem Künstler George Vasilescu, der ebenfalls einen „Sturm rassistischer Nachrichten“ beklagte. Der sozialdemokratische Abgeordnete Bogdan Diaconu bezeichnete in einem Facebook- Eintrag die Ausstellung als „nationale Schande“. Er gestand ein, sich die Ausstellung nicht angesehen zu haben, sprach aber dennoch von „abscheulichem Kitsch“, einer „falschen Kultur“ und dem „endgültigen Untergang im Elend“.

Quelle: Krone Zeitung
Stand: 06.07.2014