Archiv der Kategorie 'Italien'

Italien: Region Lombardei startet mit Roma-Zählung

„Lega“-Innenminister Salvini hatte sich für „Zählung“ ausgesprochen. Illegale Siedlungen sollen abgerissen werden.

Das Parlament der norditalienischen Lombardei hat Grünes Licht für den Start einer Zählung der in der Region lebenden Roma und Sinti grünes Licht gegeben. Damit wurde der Regionalausschuss beauftragt, die legalen Roma-Siedlungen zu kontrollieren, berichteten italienische Medien. Die illegalen Siedlungen sollen geschlossen werden.

Sozialdemokraten: „Rassistisch“

„Nur mit einer genauen Erfassung der Roma- und Sinti-Siedlungen in der Lombardei können wir Maßnahmen zur Bekämpfung illegaler Zustände ergreifen und ein gutes Zusammenleben fördern“, sagte das für die Sicherheit zuständige Mitglied des Regionalausschusses Riccardo De Corato. Die Region Lombardei steht unter der Führung der rechten Lega. Die sozialdemokratische PD bezeichnete die geplante Zählung als „rassistisch und demagogisch“.

Der italienische Innenminister Matteo Salvini hatte sich bereits vor zwei Wochen für eine Zählung von Angehörigen der Roma-Minderheit ausgesprochen, was in Italien für Aufregung gesorgt hatte. Salvini meinte, die Erhebung ermögliche die Ausweisung von Ausländern ohne gültigen Aufenthaltsstatus. Roma mit italienischer Staatsangehörigkeit müsse das Land „leider behalten“, fügte er hinzu.

Der Chef des Koalitionspartners Fünf Sterne, Luigi Di Maio, betonte daraufhin, jeglicher Zensus eines Bevölkerungsteils auf Basis der ethnischen Zugehörigkeit verstoße gegen die Verfassung. Salvini präzisierte schließlich, eine behördliche Erfassung der in Italien lebenden Roma oder eine Registrierung von Fingerabdrücken sei nicht geplant. Ihm gehe es lediglich darum, ein Bild von der Lage in den Roma-Lagern zu gewinnen.

Quelle: Kurier.at
Stand: 15.07.2018

Italien startet umstrittene Roma-Zählung

Das Parlament der norditalienischen Lombardei hat Grünes Licht für den Start einer Zählung der in der Region lebenden Roma und Sinti grünes Licht gegeben. Damit wurde der Regionalausschuss beauftragt, die legalen Roma-Siedlungen zu kontrollieren, berichteten italienische Medien. Die illegalen Siedlungen sollen geschlossen werden.

„Nur mit einer genauen Erfassung der Roma- und Sinti-Siedlungen in der Lombardei können wir Maßnahmen zur Bekämpfung illegaler Zustände ergreifen und ein gutes Zusammenleben fördern“, sagte das für die Sicherheit zuständige Mitglied des Regionalausschusses Riccardo De Corato. Die Region Lombardei steht unter der Führung der rechten Lega. Die sozialdemokratische PD bezeichnete die geplante Zählung als „rassistisch und demagogisch“.

Salvini: Erhebung ermöglicht Ausweisung

Der italienische Innenminister Matteo Salvini hatte sich bereits vor zwei Wochen für eine Zählung von Angehörigen der Roma-Minderheit ausgesprochen, was in Italien für Aufregung gesorgt hatte. Salvini meinte, die Erhebung ermögliche die Ausweisung von Ausländern ohne gültigen Aufenthaltsstatus. Roma mit italienischer Staatsangehörigkeit müsse das Land „leider behalten“, fügte er hinzu.

Der Chef des Koalitionspartners Fünf Sterne, Luigi Di Maio, betonte daraufhin, jeglicher Zensus eines Bevölkerungsteils auf Basis der ethnischen Zugehörigkeit verstoße gegen die Verfassung. Salvini präzisierte schließlich, eine behördliche Erfassung der in Italien lebenden Roma oder eine Registrierung von Fingerabdrücken sei nicht geplant. Ihm gehe es lediglich darum, ein Bild von der Lage in den Roma-Lagern zu gewinnen.

Quelle: Wiener Zeitung
Stand: 08.07.2018

Der Rassismus gegen die Roma zerstört Europa von innen

Wir haben uns daran gewöhnt, dass diese Volksgruppe in vielen Ländern ausgegrenzt wird. Doch was in Italien, Ungarn und auch Tschechien passiert, ist mehr als ein Warnzeichen.

Kaum war der italienische Innenminister Matteo Salvini im Amt, bewies er schon, dass er auch als Mitglied der Regierung auf rabiate Forderungen und ruchlose Formulierungen setzen wird. Er verlangte, dass die in Italien lebenden Roma gezählt, bürokratisch erfasst und schließlich außer Landes geschafft werden müssten. Die Roma italienischer Staatszugehörigkeit, fügte er bedauernd hinzu, „müssen wir leider behalten“. Von seinem kollektiven „Wir“ der Nation sind sie gleichwohl ausgeschlossen. Salvinis Ankündigung rief einigen Widerspruch in der italienischen Öffentlichkeit hervor, wobei es mit Manfred Schullian ein Südtiroler Parlamentarier der konservativen SVP war, der rühmenswert deutlich sagte, dass die Zählung einer Minderheit von einem „moralischen, historischen und politischen Standpunkt unannehmbar und außerdem verfassungswidrig“ sei. (mehr…)

Salvini kündigt Roma-Zählung an


- Innenminister Matteo Salvini will die in Italien lebenden Sinti und Roma zählen lassen.
- Der Chef der fremdenfeindlichen Lega sorgte daneben mit seiner Anmerkung für Befremden, Roma mit italienischer Staatsangehörigkeit müsse man „leider behalten“.
- Kritiker weisen auf Parallelen zur Judenverfolgung während der faschistischen Mussolini-Diktatur hin.

Der italienische Innenminister Matteo Salvini will die in Italien lebenden Sinti und Roma zählen lassen. Um ein Bild der Situation zu bekommen, müsse man „wieder das tun, was früher Zählung genannt wurde“, sagte der Chef der fremdenfeindlichen Lega und Vize-Regierungschef italienischen Nachrichtenagenturen zufolge dem Fernsehsender Telelombardia. Eine solche „Zählung“ könnte auch „Personenregister“ oder „Momentaufnahme“ genannt werden, sagte Salvini.

Ein Zensus ermögliche die Ausweisung von Ausländern ohne gültigen Aufenthaltsstatus, sagte der Innenminister. Roma mit italienischer Staatsangehörigkeit müsse das Land „leider behalten“.

Die Bemerkungen Salvinis lösten bei italienischen Politikern der Mitte-links-Parteien Verärgerung und Empörung aus. Sie warnten, Italien blicke auf eine „furchtbare“ Geschichte zurück. Auch während der faschistischen Gewaltherrschaft habe Italien Juden gezählt.

Berlin kommentiert indirekt

Der demokratische Abgeordnete Ettore Rosato nannte die Pläne einer Zählung „vulgär und demagogisch“. Man könnte sich für Sicherheit und Rechtsstaatlichkeit einsetzen, ohne faschistisch zu werden.

„Der Innenminister scheint nicht zu wissen, dass in Italien eine Zählung auf Basis einer Ethnie nicht erlaubt ist“, zitierte die Nachrichtenagentur Ansa Carlo Stasolla, Präsident der Vereinigung Associazione 21 Luglio, die sich für die Rechte der Sinti und Roma einsetzt.

Während der Hitler-Diktatur wurden Juden sowie Sinti und Roma zunächst in Deutschland entrechtet und diskriminiert. Nach Beginn des Zweiten Weltkriegs vernichteten die Nazis mit ihren Verbündeten Angehörige der Minderheiten systematisch. Auch eine deutsche Staatsangehörigkeit schützte Juden letztendlich nicht.

Das faschistische Italien unter Diktator Benito Mussolini begann nach Bildung der sogenannten „Achse Berlin-Rom“ ebenfalls mit der Verfolgung seiner jüdischen Bürger ab 1938. Während des Weltkriegs wurden Tausende jüdische Italiener in Konzentrationslager deportiert und ermordet. Darauf bezogen sich nun die Kritiker von Salvinis Roma-Zählung.

Auch die Bundesregierung hat sich zu der Causa geäußert, allerdings indirekt. Ohne Salvinis Namen zu nennen, twitterte Europa-Staatsminister Michael Roth (SPD): „Roma gehören zu uns. Sie sind die größte ethnische Minderheit in Europa. Wir müssen endlich Ausgrenzung, Stigmatisierung und Diskriminierung überwinden. Und zwar überall.“

Quelle: Süddeutsche Zeitung
Stand: 22.06.2018

Roma-Schwestern verbrennen im Wohnwagen

Nach einem Brandanschlag auf eine Roma-Familie in Italien herrscht im ganzen Land Entsetzen. Drei Schwestern kamen ums Leben.

Die Tragödie ereignete sich in der Nacht auf Mittwoch am Stadtrand der italienischen Hauptstadt Rom. Ein Wohnwagen, der von einer Roma-Familie bewohnt wurde, ging in Flammen auf. Im Inneren starben drei Schwestern im Alter von vier, acht und 20 Jahren qualvoll. Der Verein 21 Luglio, der immer wieder Gewalt gegen Roma und Sinti anprangert, drückte seinen „Schmerz“ über das Ereignis aus.

Rassistisch motiviert?

Wenig später war von einem Brandanschlag die Rede. Auf Videomaterial aus Überwachungskameras ist nämlich ein junger Mann zu sehen, der eine Flasche auf den Wohnwagen warf, woraufhin dieser in Flammen aufging. Die Ermittler überprüfen jetzt, ob der Anschlag rassistisch motiviert war. In den vergangenen Tagen sollen die Mitglieder der Roma-Familie von Anrainern bedroht worden sein. Roms Bürgermeisterin Virginia Raggi eilte an den Tatort, wo sie den Anschlag eine „Tragödie“ nannte. Italiens Präsident, Sergio Mattarella, sprach von einem „schrecklichen Verbrechen.“ Papst Franziskus sandte einen Geistlichen aus, um der Familie der Opfer beizustehen und sein Beileid auszudrücken.

Quelle: Heute.at
Stand: 20.05.2017

Drei Roma-Schwestern in brennendem Wohnmobil umgekommen

Drei Roma-Schwestern im Alter von 20, acht und vier Jahren sind in der Nacht auf Mittwoch in einem Wohnmobil in Rom bei lebendigem Leib verbrannt. Acht weitere Geschwister und die Eltern, die ebenfalls in einem Außenbezirk der Stadt in dem Wohnwagen lebten, konnten sich retten, berichteten italienische Medien. Die Polizei schließt Brandstiftung und eine Racheaktion nicht aus.

Die Familie, die sich schon seit längerer Zeit in der Gegend aufgehalten habe, sei öfters bedroht worden. „Es war wie eine Bombe“, berichteten Zeugen nach dem Brand. Die Polizei prüft Aufnahmen von Überwachungsanlagen in der Gegend. Das Wohnmobil war seit längerer Zeit auf dem Parkplatz eines Einkaufszentrums geparkt. In der Nähe des Unglücksorts wurden ein Feuerzeug und Reste eines sogenannten Molotowcocktails, einer Brandflasche, gefunden.

Zeugen sagten aus, dass schon am vergangenen Freitag ein anderes Wohnmobil einer ebenfalls der ethnischen Minderheit angehörenden Familie in Brand gesetzt worden war. Die Beziehungen zwischen den Roma-Familien und den Anrainern des Peripherie-Viertels seien wegen wiederholter Einbrüche in der Gegend angespannt, berichteten italienische Medien. „Es ist wahrscheinlich, dass es sich um einen rassistischen Mord handelt“, sagte Marcello Zuinisi, Sprecher des Roma-Verbands „Nazione Rom“.

Quelle: Salzburger Nachrichten
Stand: 20.05.2017

Rom: Tschechische Hooligans urinierten auf Bettlerin

Video eines spanischen Touristen, das vor Europa-League-Spiel in Rom aufgenommen wurde, sorgt für Empörung. Tschechische Botschaft verurteilte Tat der Sparta-Prag-Anhänger.

Eine Gruppe von Hooligans des tschechischen Fußballclubs Sparta Prag hat in Rom für helle Empörung gesorgt. Im Internet kursierte ein Video einer Gruppe tschechischer Fans, die auf der Brücke vor der Engelsburg eine Roma-Bettlerin umringt und auf sie uriniert, ohne dass Anwesende sie in Schutz nehmen. Das von einem spanischen Touristen aufgenommene Video wurde auf der Webseite der Tageszeitung „El Pais“ veröffentlicht und löste hitzige Reaktionen in Rom aus. Die Bürgermeisterkandidatin Virginia Raggi forderte vorbildhafte Strafen für die Hooligans. „Bettlerei in Rom ist zwar ein Problem, wir stehen hier jedoch vor einer eklatanten Verletzung der Menschenrechte. Eine abscheuliche Tat ist vor den Augen Dutzender Fußgänger und vor einem der schönsten Monumente der Welt begangen worden. Das sind keine Fans, sondern Bestien“, kommentierte Raggi. Der Ex-Vize-Wirtschaftsminister Stefano Fassina forderte die sofortige Identifizierung und Verurteilung der Sparta-Fans. „Sie sollen nie wieder nach Italien einreisen dürfen“, verlangte Fassina. Die tschechische Botschaft in Italien verurteilte den Fall. In einem Schreiben äußerte sie die Hoffnung, dass die italienische Polizei die Verantwortlichen bald identifizieren könne.

Quelle: Kleine Zeitung
Stand: 18.03.2016

Rome pledges to dismantle Roma ghettos after court ruling

Italian court finds capital guilty of ethnic discrimination amid scandal over corruption in public housing for city’s most vulnerable residents

The city of Rome has pledged to dismantle state-sanctioned ghettos built specifically for Roma people after an Italian court found the capital guilty of ethnic discrimination. The office of the mayor, Ignazio Marino, said the city would not challenge the unprecedented legal decision. “There are meetings going on between the government and city officials to establish the financing for the dismantling of the so-called camps,” a spokesperson for his office said. The legal decision was announced last month, just weeks after it emerged that one of the big “camps” for the Roma, or Gypsy, families on the outskirts of the city was the subject of a land-swap proposal between the alleged criminal Salvatore Buzzi, who was already identified by prosecutors as a key player in a corruption scandal in Rome, and the French DIY company Leroy Merlin.

The story – a relatively small twist in a much larger public corruption investigation that has ensnared dozens of politicians – has exposed the intersection between corruption and public housing for Italy’s most vulnerable residents, with funds that are meant to be directed to the poor allegedly being skimmed off. Until his arrest late last year, Buzzi was the head of a cooperative that managed migrant and Romany facilities. In a telephone exchange recorded by investigators, Buzzi can be heard bragging that he had a turnover of €40m (£28m) thanks to the “Gypsies … and migrants”. “Do you have any idea how much I make on these immigrants?” he said. “Drug trafficking is not as profitable.” Although the “Mafia Capitale” scandal was first exposed last year, the investigation into the corruption of public contracts has continued, with new revelations about the breadth of wrongdoing reported in the press on a weekly basis. (mehr…)

Sinti und Roma demonstrierten in Bologna gegen Rassismus

Hunderte Sinti und Roma haben sich am Samstag in der Stadt Bologna an einer Demonstration gegen Rassismus beteiligt. Der Protest richtete sich unter anderem gegen die ausländerfeindliche Oppositionspartei Lega Nord. Diese führt eine scharfe Kampagne für den Abbau von Roma-Siedlungen.

„Wir haben es satt, als Kriminelle und Diebe behandelt zu werden. Wir wollen als Volk anerkannt werden“, forderte der Präsident des Roma- und Sinti-Verbands in Italien Davide Casadio. Sein Volk sei Opfer von Diskriminierung. „Wir wollen selber nicht in Barackensiedlungen leben, die italienische Politik zwingt uns dazu“, betonte Casadio. Er wies darauf hin, dass die meisten in Italien lebenden Roma und Sinti italienische Staatsbürger seien.

Die Demonstranten schwenkten Friedensfahnen mit den Regenbogenfarben, einige spielten Geige. An der Protestkundgebung beteiligten sich auch der Senator der regierenden Demokratischen Partei (PD), Luigi Manconi, Mitglieder des Gemeinderats von Bologna, Intellektuelle und Schauspieler.

Der Chef der Lega Nord, Matteo Salvini, hatte zuletzt mit Anti-Roma-Aussagen für einen Eklat gesorgt. Würde es nach ihm gehen, würde er alle Roma-Barackensiedlungen in Italien abreißen, sagte Salvini. Er führt die Wahlkampagne für die Regionalwahlen am 31. Mai mit scharfen ausländerfeindlichen Tönen. „Ich würde den Roma in Italien sechs Monate Zeit geben, sich eine Unterkunft zu finden und dann die Bagger einsetzen, um die Barackensiedlungen abzureißen, die es in anderen europäischen Ländern nicht gibt. In der Zwischenzeit sollen sich die Roma wie alle anderen Bürger eine Wohnung mieten oder kaufen“, betonte Salvini.

Der Umgang mit Roma in Italiens Großstädten sorgt seit Längerem für Kontroversen. Oppositionspolitiker kritisierten, nur in den italienischen Großstädten und in keinen anderen europäischen Ländern würden wilde Camps und Bettelei von Kindern toleriert. Viele Roma leben in den Metropolen in behelfsmäßigen Siedlungen. Sie bestehen zum Teil aus baufälligen Wohncontainern und Holzhütten ohne Toilette. Roma-Kinder werden oftmals von kriminellen Banden in den Touristenorten als Taschendiebe eingesetzt.

Menschenrechtsgruppen und kirchliche Organisationen fordern eine bessere Integrationspolitik. Die katholische Kirche drängt auf sichere Unterkünfte, aber auch Bildungsmaßnahmen für minderjährige Roma. Zudem müsse den Bewohnern der an die Siedlungen grenzenden Stadtviertel die Angst vor den Roma genommen werden, indem man sie besser über das Leben der Minderheit informiert, so die Forderung.

Quelle: Kleine Zeitung
Stand: 16.05.2015

Gewalttätige Bewegung

Martialischer Aufmarsch der rechtsextremen „Blocco Studentesco“ in Rom – die „Casa Pound“-Nachwuchsorganisation pflegt auch Kontakte zu den Jungen Nationaldemokraten.

Rund 500 Aktivisten der rechtsextremen Schüler- und Studentenvereinigung „Blocco Studentesco“ hinterten Ende November 90 Kinder einer Roma-Siedlung mit Gewalt am Betreten ihrer Schule in der Via Cesare Lombroso in Rom. Aufmarschiert wurde unter dem Motto „Stop alle violenze die rom, alcuni italiani non si arrendono“ („Stoppt die Gewalt der Roma. Einige Italiener haben sich nicht ergeben“). Vor Ort wurden zahlreiche italienische Fahnen geschwenkt. Fabio Di Martino, der Anführer von „Blocco Studentesco“, forderte in seiner hetzerischen Rede, dass staatliche Gelder nicht in Roma-Projekte fließen, sondern besser für die Betreuung von italienischen Behinderten und Schulen ausgegeben werden sollten. Der rechtsextreme Gewaltaufmarsch wurde von Politikern der Demokratischen Partei (PD) und der Linkspartei (SEL) schwer verurteilt.

„Blocco Studentesco“ pflegt Kontakte zur NPD-Jugendorganisation Junge Nationaldemokraten (JN). So nahm Di Martino auch am 22. März am „Europakongress“ der JN im thüringischen Kirchheim teil. „Blocco Studentesco“ ist die Schüler- und Studentenorganisation von „Casa Pound“. In rechtsextremen Kreisen gilt diese als „das vielleicht größte und wichtigste Netzwerk der politischen ‘Rechten‘ in Europa“ („Die Aula“). Der als gemeinnützig anerkannten „Casa Pound“ sollen landesweit über 3000 aktive Mitglieder angehören.

Die 2003 gegründete extrem fremdenfeindliche Bewegung glorifiziert Mussolinis so genannten Marsch auf Rom und ist fasziniert vom Futurismus. Diese avantgardistische Kunstbewegung verherrlichte Krieg, Militarismus und Patriotismus. Namensgeber von „Casa Pound“ ist der US-amerikanische Dichter Ezra Pound (1885-1972). Der bekennende Faschist zog 1924 nach Italien, unterstützte den Hitler-Verbündeten Mussolini und veröffentlichte antisemitische und rassistische Pamphlete.

„Werkzeug der imperialistischen Außenpolitik der USA“

„Casa Pound“ will ein „Italien und Europa, das unabhängig von der politischen und kulturellen Hegemonie der USA ist“ und einen „geschlossenen Wirtschaftsraum“ darstellt, so Adriano Scianca (Jg. 1980), Kulturbeauftragter von „Casa Pound“. „Wir wollen einen Stopp der Immigration und eine konsequente Sozialpolitik, die die Diktatur der Bank- und Finanzwelt beendet“, erklärte Scianca vergangenes Jahr in einem Interview mit der rechtsextremen Monatszeitschrift „Zuerst!“. Dem „Casa Pound“-Aktivisten und Blogger Ettore Ricci zufolge versteht man sich als „Schicksalsgemeinschaft, eine Mannschaft von Brüdern“, die sich gegen die „Einheitswelt des ‘fortschrittlichen Universalismus‘“ richte. Radikale Islamkritik werde im Gegensatz zu anderen rechtsextremen Strömungen abgelehnt, weil die Theorie des „Kampfes der Kulturen“ ein „Werkzeug der imperialistischen Außenpolitik der USA“ sei.

Anführer von „Casa Pound“ ist der wegen Gewalttätigkeiten vorbestrafte Gianluca Iannone. Der Ex-Skinhead war bis zum Verbot 1993 in der militant antisemitischen Organisation Movimento Politico Occidentale aktiv. Seit 1997 ist der Neonazi Frontmann der Band „Zetazeroalfa“. Die offizielle Hausband von „Casa Pound“ singt Eigenbekunden zufolge „betont nonkonform gegen die italienische und internationale Politik und gegen die Macht der Banken und der USA an“.

Gründungsmitglied und Vizepräsident von „Casa Pound“ ist Simone Di Stefano (Jg. 1976), der seinen politischen Werdegang mit 16 Jahren bei dem neofaschistischen Movimento Sociale Italiano (MSI) begann. Di Stefano hatte am 14. Dezember 2013 mit weiteren Neonazis der „Casa Pound“ versucht, den Sitz der EU-Kommission in Rom zu erstürmen. Skandiert wurde die Parole „Italien, Nation, Revolution“. Ein mitgebrachtes Transparent trug die Aufschrift „Alcuni Italiani non si arrendono!“ („Einige Italiener haben sich nicht ergeben!“).

Quelle: Blick nach Rechts
Stand: 04.12.2014