Archiv der Kategorie 'Kosovo'

Das Leben des Jungen Mentor

Das Kind auf dem umstrittenen «Weltwoche»-Titelbild lebt im Westen des Kosovo. 
Die WOZ hat ihn dort gefunden. Wie lebt er? Was denken seine Eltern über das Foto? Eine Reportage 
über die Lebensumstände in einer Romasiedlung bei Gjakova.

Man erkennt sie an ihren Händen: schwarz wie die Krähen, die von den Abfallbergen in den Himmel steigen. Frühmorgens, wenn Sonne und Konkurrenz noch schlafen, brechen die MüllsammlerInnen von Gjakova auf in die umliegenden Städte und Dörfer auf der Suche nach verwertbarem Schrott. Ihre Schätze sind die Abfälle der anderen. Die Arbeit ist mühsam und hart, aber für die Roma im Westen des Kosovo ist sie eine der wenigen Möglichkeiten, sich ein Einkommen zu sichern.

Vor einer Woche ist er mir das erste Mal begegnet: ein kleiner Junge, dunkle Haut, dunkle Augen, dunkle Haare – in der Linken hielt er eine Spielzeugpistole und zielte auf mich, auf uns, auf jeden, der in der Schweiz an einem Kiosk vorbeiging. Sein Blick: War er ernst? Traurig? Bedrohlich? Der Junge zielte nicht auf uns. Die Zeitschrift, die das Foto veröffentlichte, zielte auf ihn – und auf seine Gemeinschaft. Unter dem Bild titelte sie: «Die Roma kommen: Raubzüge in die Schweiz». (mehr…)

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Medienspiegel:

Refugees from Kosovo trapped in Montenegro, balkaninsight, 22.3.2012
http://www.balkaninsight.com/en/article/obstacles-to-voluntary-return-from-montenegro

Suizid-Versuch bei nächtlicher Abschiebung, Hannoversche Allgemeine, 20.03.2012
http://www.haz.de/Nachrichten/Der-Norden/Uebersicht/Suizid-Versuch-bei-naechtlicher-Abschiebung

Report: Worrying Status of Refugees in Montenegro, balkaninsight, 22.2.2012
http://www.balkaninsight.com/en/article/experts-report-worrying-status-of-refugees-in-montenegro

Roma in eisige Kälte abgeschoben. Niedersachsens Innenminister in der Kritik, Neues Deutschland, 8.2.2012
http://www.neues-deutschland.de/artikel/217891.roma-in-eisige-kaelte-abgeschoben.html

Roma in Nacht- und Nebelaktion abgeschoben, Norddeutscher Rundfunk, 7.2.2012
http://www.ndr.de/regional/niedersachsen/oldenburg/abschiebung185.html

Zurückgeschickt in die Fremde, taz v. 23.12.2011
http://www.taz.de/!84335/ (mehr…)

Deutsche Eichen oder Pogrom

In der Hoffnung auf Solidarität mit den von Pogromen bedrohten Menschen

Ein guter Kapitalist im deutschen Sinne ist einer, der von der Arbeitskraft, die er kauft, den Maschinen, die er vernutzt, und sich höchstpersönlich als „wir, die Völker“ spricht, der tagsüber kühl kalkuliert und abends den Arbeitskraftbehältern auf die Schulter klopft. So einer geißelt das Geld, das nicht „sinnvoll wirtschaftet“, also der Produktion gehorcht, sondern „herumzigeunert“ – und vor allen anderen pflichtet ihm ein deutscher Karrierist aus der Spekulationssphäre bei: Brecht die Zinsknechtschaft.

Unterdessen formiert sich in der Peripherie des Europas der Produktion der nationale Opferschutz wider die Nicht-Arbeit – unter Parolen wie „Zigeuner zu Seife“ oder doch nur „zur Arbeit“. Hier wie dort wird das „leistungs- und anstrengungslose“ Überleben in der rassistischen Figur des Zigeuners denunziert. Über mehr als zwei Wochen marschieren im nördlichsten Böhmen, einer einstigen Bastion des sudetendeutschen Faschismus, hunderte Tschechen auf, um die Roma-Ghettos als verdächtigten Hort parasitärer Nicht-Arbeit zu stürmen. Am 17. September sind es bis zu 3500 Menschen, die in Varnsdorf nur noch von der Staatsgewalt am Pogrom gehindert werden. Ende September dann wiederholt sich die rassistische Raserei in Bulgarien.

Und weiter nach Ungarn. Wo noch vor wenigen Monaten Milizen gegen „Zigeunerkriminalität“ aufmarschierten und Roma-Familien in die Flucht zwangen, herrscht nun Frieden durch Arbeitszwang. Vom ersten Arbeitsmarkt rassistisch ausgegrenzt, werden die Roma von Staats wegen rekrutiert: zunächst für die Rodung eines Hügels, auf dem dann deutsche Eichen angepflanzt werden. Hier in Gyöngyöspata, wo drei Monate lang Milizen die Ärmsten unter den Armen terrorisierten, begann jüngst das Pilotprojekt des „Ungarischen Arbeitsplans“ der Budapester Regierung. Überwacht werden die Arbeiten von der faschistischen Jobbik, der populärsten Partei in Gyöngyöspata. (Bei anderer Gelegenheit ratschlagte Csanád Szegedi, Jobbik-Abgeordneter im Europäischen Parlament, man müsse „Zigeuner“ provisorisch in gesonderten Zonen konzentrieren, die man nur mit „Registrierung“ und bis Anbruch der Nacht verlasse dürfe.) Auch eine Verleihung der Arbeitskräfte an nicht-staatliche Interessenten ist möglich, einschließlich zwangsverordneter Mobilität. Vorgesehen ist zudem, dass frühberentete Polizeibeamte den Arbeitsdienst organisieren. (mehr…)

Aktuelle Nachrichten zu Abschiebungen in den Kosovo

26. August 2011

Neue UNICEF-Studie dokumentiert die verzweifelte Lage abgeschobener Roma-Kinder im Kosovo
Roma-Kindern, die aus Deutschland und anderen europäischen Ländern in den Kosovo abgeschoben wurden, bleiben dort weiterhin elementare Rechte vorenthalten. Dies ist Ergebnis einer neuen UNICEF-Studie, bei der Forscher rund 200 im vergangenen Jahr zurückgeführte Familien der Roma, Ashkali und Kosovo-Ägypter sowie Mitarbeiter kosovarischer Behörden ausführlich befragt haben. Danach gehen drei von vier der betroffenen schulpflichtigen Kinder nicht zur Schule. Die meisten von ihnen sind in Deutschland geboren und aufgewachsen. Sie leben jetzt mit ihren Familien in extremer Armut am Rande der Gesellschaft.

http://www.roma-kosovoinfo.com/index.php?option=com_content&task=view&id=276&Itemid=1

5. August 2011

Baden-Württemberg: Roma-Abschiebungen nach Kosovo gestoppt
Baden-Württemberg hat die Abschiebung von Roma in das Kosovo und nach Serbien vorerst gestoppt. „Die Lage dort ist besonders für Roma unsicher“, sagte der Sprecher von Innenminister Lothar Gall (SPD). Eine Delegation des Petitionsausschusses will sich nun bei einer Reise im Herbst über die Lage der Minderheiten informieren. Erst danach solle über den Verbleib der Roma-Flüchtlinge entschieden werden.

(mehr…)

Aktuelle Nachrichten zu Abschiebungen in den Kosovo

26. August 2011

Neue UNICEF-Studie dokumentiert die verzweifelte Lage abgeschobener Roma-Kinder im Kosovo
Roma-Kindern, die aus Deutschland und anderen europäischen Ländern in den Kosovo abgeschoben wurden, bleiben dort weiterhin elementare Rechte vorenthalten. Dies ist Ergebnis einer neuen UNICEF-Studie, bei der Forscher rund 200 im vergangenen Jahr zurückgeführte Familien der Roma, Ashkali und Kosovo-Ägypter sowie Mitarbeiter kosovarischer Behörden ausführlich befragt haben. Danach gehen drei von vier der betroffenen schulpflichtigen Kinder nicht zur Schule. Die meisten von ihnen sind in Deutschland geboren und aufgewachsen. Sie leben jetzt mit ihren Familien in extremer Armut am Rande der Gesellschaft.

http://www.roma-kosovoinfo.com/index.php?option=com_content&task=view&id=276&Itemid=1

5. August 2011

Baden-Württemberg: Roma-Abschiebungen nach Kosovo gestoppt
Baden-Württemberg hat die Abschiebung von Roma in das Kosovo und nach Serbien vorerst gestoppt. „Die Lage dort ist besonders für Roma unsicher“, sagte der Sprecher von Innenminister Lothar Gall (SPD). Eine Delegation des Petitionsausschusses will sich nun bei einer Reise im Herbst über die Lage der Minderheiten informieren. Erst danach solle über den Verbleib der Roma-Flüchtlinge entschieden werden.

Medien

Roma-Kinder enden in heruntergekommenen Bleiben, Welt-Online, 26.8.2011
http://www.welt.de/politik/ausland/article13567162/Roma-Kinder-enden-in-heruntergekommenen-Bleiben.html

Abschiebung? Nicht mit uns!, Spiegel-Online, 8.8.2011
http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,779004,00.html

Bleak conditions for Gjakova Roma, other minorities, Southeast European Times in Gjakova, 29.7.2011
http://www.setimes.com/cocoon/setimes/xhtml/en_GB/features/setimes/features/2011/07/29/feature-05

Geboren in Deutschland, ausgewiesen ins Kosovo, Badische Zeitung, 21.6.2011
http://www.badische-zeitung.de/nachrichten/ausland/geboren-in-deutschland--46574667.html

Roma refugees returning to Kosovo face few prospects
Southeast European Times in Pristina – 17/06/11
http://www.setimes.com/cocoon/setimes/xhtml/en_GB/features/setimes/features/2011/06/17/feature-04

Prizren in the shadow of aircraft, romea.cz, 16.6.2011
http://www.romea.cz/english/index.php?id=detail&detail=2007_2556

Einmal Kosovo und zurück, Spiegel-Online, 14.6.2011
http://www.spiegel.de/schulspiegel/0,1518,764652,00.html

„Ich bin doch in Deutschland groß geworden!“ – Rückkehr der Roma in den Kosovo – 07.06.2011, Notizbuch – Nah dran – Bayern 2
http://www.podcast.de/episode/2279146/%22Ich_bin_doch_in_Deutschland_gro%C3%9F_geworden!%22_-_R%C3%BCckkehr_der_Roma_in_den_Kosovo_-_07.06.2011

Dokumente

Unicef: Abgeschoben und vergessen. Zur Situation von Kindern aus Roma-, Ashkali- und Ägypter-Familien nach ihrer Rückführung in den Kosovo, August 2011
http://www.unicef.de/fileadmin/content_media/presse/110826-roma-studie/Roma-Studie-2011-Deutsch.pdf

Nds. Flüchtlingsrat: Roma – Zwischen Flucht und Abschiebung, Abschlussdokumentation des Projekts Dosta
http://www.nds-fluerat.org/wp-content/uploads/2011/07/ru-127AA.pdf

RADC (Prishtina) Policy Brief: Repatriating Europe’s Most Vulnerable Populaton, written by Brian J. Stern
http://xa.yimg.com/kq/groups/13482277/1088717410/name/Policy+Brief_final.pdf

Resolution CM/ResCMN(2011)14 on the implementation of the Framework Convention for the Protection of National Minorities by Kosovo
http://www.coe.int/t/dghl/monitoring/minorities/3_FCNMdocs/PDF_2nd_CM_Res_Kosovo_en.pdf

In den Kosovo abgeschoben? Wie mit Roma geplant!

Hannover. Viele Pendler/innen und Passant/innen bleiben am Morgen des 8. April verwundert am hannoverschen Leineufer stehen. Sie trauen Ihren Augen nicht: Eine der drei Nanas, eine besondere Attraktion der niedersächsischen Landeshauptstadt, ist verschwunden. Aber warum? Und wo wurde sie hingebracht?
Sie ist nicht die einzige, die in einer Nacht- und Nebelaktion aus ihrer gewohnten Umgebung herausgerissen wurde. Ebenso widerfährt es immer wieder Menschen, die aus Deutschland abgeschoben werden. Unter ihnen auch immer mehr Angehörige der Romaminderheiten, die aus dem Kosovo vor Pogromen während des Bürgerkriegs nach Deutschland geflohen waren.
Im April 2010 hat die deutsche Regierung ein Rückübernahmeabkommen mit der kosovarischen Regierung abgeschlossen, wonach in den kommenden vier Jahren jährlich 2.500 Menschen aus Deutschland in den Kosovo abgeschoben werden sollen. (mehr…)