Antiziganismus Watchblog http://antizig.blogsport.de Fight Antiziganism Sun, 15 Jul 2018 13:20:09 +0000 http://wordpress.org/?v=1.5.1.2 en Italien: Region Lombardei startet mit Roma-Zählung http://antizig.blogsport.de/2018/07/15/italien-region-lombardei-startet-mit-roma-zaehlung/ http://antizig.blogsport.de/2018/07/15/italien-region-lombardei-startet-mit-roma-zaehlung/#comments Sun, 15 Jul 2018 13:20:09 +0000 Administrator Italien Fundstücke Staatlicher Antiziganismus Beiträge auf Deutsch Antiziganismus von Rechts http://antizig.blogsport.de/2018/07/15/italien-region-lombardei-startet-mit-roma-zaehlung/

„Lega“-Innenminister Salvini hatte sich für „Zählung“ ausgesprochen. Illegale Siedlungen sollen abgerissen werden.

Das Parlament der norditalienischen Lombardei hat Grünes Licht für den Start einer Zählung der in der Region lebenden Roma und Sinti grünes Licht gegeben. Damit wurde der Regionalausschuss beauftragt, die legalen Roma-Siedlungen zu kontrollieren, berichteten italienische Medien. Die illegalen Siedlungen sollen geschlossen werden.

Sozialdemokraten: „Rassistisch“

„Nur mit einer genauen Erfassung der Roma- und Sinti-Siedlungen in der Lombardei können wir Maßnahmen zur Bekämpfung illegaler Zustände ergreifen und ein gutes Zusammenleben fördern“, sagte das für die Sicherheit zuständige Mitglied des Regionalausschusses Riccardo De Corato. Die Region Lombardei steht unter der Führung der rechten Lega. Die sozialdemokratische PD bezeichnete die geplante Zählung als „rassistisch und demagogisch“.

Der italienische Innenminister Matteo Salvini hatte sich bereits vor zwei Wochen für eine Zählung von Angehörigen der Roma-Minderheit ausgesprochen, was in Italien für Aufregung gesorgt hatte. Salvini meinte, die Erhebung ermögliche die Ausweisung von Ausländern ohne gültigen Aufenthaltsstatus. Roma mit italienischer Staatsangehörigkeit müsse das Land „leider behalten“, fügte er hinzu.

Der Chef des Koalitionspartners Fünf Sterne, Luigi Di Maio, betonte daraufhin, jeglicher Zensus eines Bevölkerungsteils auf Basis der ethnischen Zugehörigkeit verstoße gegen die Verfassung. Salvini präzisierte schließlich, eine behördliche Erfassung der in Italien lebenden Roma oder eine Registrierung von Fingerabdrücken sei nicht geplant. Ihm gehe es lediglich darum, ein Bild von der Lage in den Roma-Lagern zu gewinnen.

Quelle: Kurier.at
Stand: 15.07.2018

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Italien startet umstrittene Roma-Zählung http://antizig.blogsport.de/2018/07/08/italien-startet-umstrittene-roma-zaehlung/ http://antizig.blogsport.de/2018/07/08/italien-startet-umstrittene-roma-zaehlung/#comments Sun, 08 Jul 2018 17:49:12 +0000 Administrator Italien Fundstücke Antiziganismus auf politischer Ebene Abschiebung und Asyl Staatlicher Antiziganismus Beiträge auf Deutsch Antiziganismus von Rechts http://antizig.blogsport.de/2018/07/08/italien-startet-umstrittene-roma-zaehlung/

Das Parlament der norditalienischen Lombardei hat Grünes Licht für den Start einer Zählung der in der Region lebenden Roma und Sinti grünes Licht gegeben. Damit wurde der Regionalausschuss beauftragt, die legalen Roma-Siedlungen zu kontrollieren, berichteten italienische Medien. Die illegalen Siedlungen sollen geschlossen werden.

„Nur mit einer genauen Erfassung der Roma- und Sinti-Siedlungen in der Lombardei können wir Maßnahmen zur Bekämpfung illegaler Zustände ergreifen und ein gutes Zusammenleben fördern“, sagte das für die Sicherheit zuständige Mitglied des Regionalausschusses Riccardo De Corato. Die Region Lombardei steht unter der Führung der rechten Lega. Die sozialdemokratische PD bezeichnete die geplante Zählung als „rassistisch und demagogisch“.

Salvini: Erhebung ermöglicht Ausweisung

Der italienische Innenminister Matteo Salvini hatte sich bereits vor zwei Wochen für eine Zählung von Angehörigen der Roma-Minderheit ausgesprochen, was in Italien für Aufregung gesorgt hatte. Salvini meinte, die Erhebung ermögliche die Ausweisung von Ausländern ohne gültigen Aufenthaltsstatus. Roma mit italienischer Staatsangehörigkeit müsse das Land „leider behalten“, fügte er hinzu.

Der Chef des Koalitionspartners Fünf Sterne, Luigi Di Maio, betonte daraufhin, jeglicher Zensus eines Bevölkerungsteils auf Basis der ethnischen Zugehörigkeit verstoße gegen die Verfassung. Salvini präzisierte schließlich, eine behördliche Erfassung der in Italien lebenden Roma oder eine Registrierung von Fingerabdrücken sei nicht geplant. Ihm gehe es lediglich darum, ein Bild von der Lage in den Roma-Lagern zu gewinnen.

Quelle: Wiener Zeitung
Stand: 08.07.2018

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Romany Woman ‚Found With Throat Slashed‘ In Ukraine http://antizig.blogsport.de/2018/07/04/romany-woman-found-with-throat-slashed-in-ukraine/ http://antizig.blogsport.de/2018/07/04/romany-woman-found-with-throat-slashed-in-ukraine/#comments Wed, 04 Jul 2018 22:58:34 +0000 Administrator Fundstücke Antiziganistische Übergriffe In English Antiziganismus von Rechts Ukraine http://antizig.blogsport.de/2018/07/04/romany-woman-found-with-throat-slashed-in-ukraine/

Media reports in western Ukraine’s Zakarpattya region say that a 30-year Romany woman was killed in the city of Berehove amid tensions over a series of attacks on Romany community members. The reports quote members of the local Romany community as saying that unidentified attackers slashed the woman’s throat. Ukraine’s National Police said in a statement on July 2 that a woman „with injuries to her throat“ was found on a street in Berehove and that medical personnel were unable to save her life. It did not name the victim or include any information about her ethnicity. Police said they are treating the woman’s death as a „premeditated murder“ but so far have found no evidence that it was a hate crime. „At this point“ police have found nothing to suggest a motive involving „racial or any other type of discrimination,“ the statement said. The woman’s death occurred eight days after police arrested seven people in an adjacent region of Lviv in connection with a deadly June 23 attack on a Romany camp. Police said at the time that a 24-year-old Romany man was killed in the attack in a forest near the city of Lviv, which was carried out by a group of masked men. According to police, four other people were hospitalized with knife wounds as a result of the attack — including a 10-year-old boy, two 19-year-old men, and a 30-year-old woman. That violence was the fifth attack on a Romany camp in western Ukraine in the past two months. In a joint letter to Kyiv authorities on June 14, four groups including Human Rights Watch and Amnesty International condemned what they said was a growing number of attacks by radicals in Ukraine. Ukrainian authorities have „failed“ to respond to most incidents, leading to „an atmosphere of near total impunity that cannot but embolden these groups to commit more attacks,“ the groups said. The letter said that several neo-Nazi and far-right ultranationalist groups, including C14 and Right Sector, were behind at least two dozen attacks or harassment cases against Roma across Ukraine so far during 2018. The Council of Europe rights group estimates there are some 260,000 Roma in Ukraine, whose population is about 48.5 million.

Source: Radio Free Europe/Radio Liberty
Date: 05.07.2018

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In Gedenken an Dávid Papp http://antizig.blogsport.de/2018/07/04/in-gedenken-an-david-papp/ http://antizig.blogsport.de/2018/07/04/in-gedenken-an-david-papp/#comments Wed, 04 Jul 2018 22:55:46 +0000 Administrator Fundstücke Antiziganistische Übergriffe Beiträge auf Deutsch In English Antiziganismus von Rechts Ukraine http://antizig.blogsport.de/2018/07/04/in-gedenken-an-david-papp/

Dávid war erst 24 Jahre alt, als eine Neonazi-Gruppe am 23.06.2018 eine Roma-Siedlung bei Lviv (Lemberg) stürmte und ihn dort ermordete. Andere dort anwesende Mitglieder der Roma-Minderheit wurden schwer verletzt, unter ihnen auch ein 10-jähriges Kind.

Ich lernte Dávid im Jahr 2000 kennen, als er sechs Jahre alt war. Er ging damals in den Kindergarten in Szernye, einem Dorf im Westen der Ukraine, in dem ich für ein Jahr unterrichtete. David war immer ein sehr ruhiger, lieber und zurückhaltender Junge, inzwischen junger Mann. Ich bin immer noch mit sehr vielen seiner Freunde und Familienmitglieder befreundet. Es ist schwer sie in Trauer und Schock zu sehen.

Auch ich bin geschockt und tief traurig, wenn auch nicht überrascht. Faschismus und Neonazis sind auf dem Vormarsch, nicht nur in der Ukraine. Es liegt an uns allen dagegen etwas zu tun.

Aber erstmal ist es genauso wichtig seine Familie in dieser schweren Zeit zu unterstützen. Ich werde alle hier gesammelten Spenden direkt an seine Schwester übergeben.

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Dávid was only 24 years old when a group of neo-Nazis stormed a Roma settlement outside of Lviv, wounded several, and killed him.

I‘ve known Dávid since he was six years old, he went to a kindergarten in Szernye, a village in the west of Ukraine, that I was teaching at at the time. Dávid was always a very quiet, friendly and a bit shy boy, now a young man. I‘m still friends with so many of his friends and family members, who are devastated.

I‘m so sad, even though I can‘t say that I‘m surprised. Fascism and neo-Nazis are on the rise, not only in Ukraine and it is up to us to do something against that.

But for now it is equally important to support his family in these hard times. I will give all donations to his sister directly.

Quelle/Source: gofundme
Stand/Date: 05.07.2018

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Der Rassismus gegen die Roma zerstört Europa von innen http://antizig.blogsport.de/2018/07/04/der-rassismus-gegen-die-roma-zerstoert-europa-von-innen/ http://antizig.blogsport.de/2018/07/04/der-rassismus-gegen-die-roma-zerstoert-europa-von-innen/#comments Wed, 04 Jul 2018 22:53:36 +0000 Administrator Ungarn Tschechien Italien Fundstücke Antiziganistische Übergriffe Staatlicher Antiziganismus Österreich Beiträge auf Deutsch Antiziganismus von Rechts http://antizig.blogsport.de/2018/07/04/der-rassismus-gegen-die-roma-zerstoert-europa-von-innen/

Wir haben uns daran gewöhnt, dass diese Volksgruppe in vielen Ländern ausgegrenzt wird. Doch was in Italien, Ungarn und auch Tschechien passiert, ist mehr als ein Warnzeichen.

Kaum war der italienische Innenminister Matteo Salvini im Amt, bewies er schon, dass er auch als Mitglied der Regierung auf rabiate Forderungen und ruchlose Formulierungen setzen wird. Er verlangte, dass die in Italien lebenden Roma gezählt, bürokratisch erfasst und schließlich außer Landes geschafft werden müssten. Die Roma italienischer Staatszugehörigkeit, fügte er bedauernd hinzu, „müssen wir leider behalten“. Von seinem kollektiven „Wir“ der Nation sind sie gleichwohl ausgeschlossen. Salvinis Ankündigung rief einigen Widerspruch in der italienischen Öffentlichkeit hervor, wobei es mit Manfred Schullian ein Südtiroler Parlamentarier der konservativen SVP war, der rühmenswert deutlich sagte, dass die Zählung einer Minderheit von einem „moralischen, historischen und politischen Standpunkt unannehmbar und außerdem verfassungswidrig“ sei.

Die europäische Kritik hingegen war verhalten, sie wurde mehr pflichtmäßig geübt, als ginge es um ein Problem minderer Bedeutung, sodass der unverhohlen rassistische Vorstoß anderntags schon fast wieder vergessen war. Es scheint, die Union wäre derzeit eben mit Wichtigerem befasst, als gegen Pläne eines ihrer Mitgliedsländer aufzutreten, die den Pesthauch von Sondergesetzen verströmen.

Zwei Tage, nachdem Salvini polternd und drohend dargelegt hatte, wie er mit der Landplage der Roma aufräumen wolle, war im Fernsehen eine kuriose Szene zu sehen: Der österreichische Innenminister Herbert Kickl und der Vizekanzler Heinz-Christian Strache von der FPÖ trafen Salvini in Rom und warfen sich dabei geradezu mit Anlauf in eine innige Umarmung mit ihm; vor laufender Kamera lagen sie einander in den Armen, als würden sich nicht die Repräsentanten zweier Staaten, sondern drei Jugendliche treffen, die ein Bubenstück, das ihnen besonders gut gelungen ist, bejubeln wollen.

Wir haben uns daran gewöhnt, dass die Ausgrenzung der Roma europaweit praktiziert oder immerhin akzeptiert wird.

Der österreichische Kanzler Sebastian Kurz wiederum beeilte sich zu erklären, dass jene, „die auf Salvini oder Orbán herunterblicken, die Europäische Union zerstören“. Niemand blickt zwar auf diese beiden herunter, sondern viele schauen eher besorgt, entsetzt oder empört zu ihnen hin. Was Kurz sagte, ist dennoch bemerkenswert: dass es nämlich nicht brachiale Chauvinisten wie Salvini sind und auch nicht die Verfechter einer „illiberalen Demokratie“, die Europa zerstören, sondern jene, die vor Rassismus und autoritärem Staatsumbau warnen.

Warum ist Salvinis Vorstoß im Alltag der europäischen Debatten als nicht ganz ernst gemeinter rhetorischer Ausrutscher abgetan worden? Das hängt mit denen zusammen, gegen die Salvini mobilisiert. Wir haben uns daran gewöhnt, dass die Ausgrenzung der Roma europaweit praktiziert oder immerhin akzeptiert wird. Zsolt Bayer, der Ideologe der christlichen AKP namens Fidesz und einer von Orbáns wichtigsten Beratern, hat die Roma mehrfach als „Tiere“ bezeichnet, die „unwürdig sind, unter Menschen zu leben“. Je öfter Roma in Ungarn zum Opfer rassistischer Gewalt werden, umso häufiger sind sie es, die öffentlich der Gewalttätigkeit geziehen werden. Und der tschechische Abgeordnete Jiří Šulc hat bereits vor Jahren gefordert, die tschechischen Roma nach Haiti zu deportieren und zwar, wie er höhnisch anfügte, als Wiederaufbauhilfe der Europäischen Union für das durch das Erdbeben verwüstete Land: „Hilfe für Haiti – wir schicken 200 000 neue Haitianer!“

Solche Tiraden fallen auf fruchtbaren Boden, weil überall in den schicken Fußgängerzonen unserer Städte, von Aarhus bis Bergamo und von Lyon bis Linz, Roma als Bettler allgemeines Ärgernis erregen. Doch ist dieses Ärgernis die einzige Chance, die sie haben, durch ihre schiere körperliche Präsenz, durch ihre störende Anwesenheit auf sich und ihre unhaltbare Situation in vielen Ländern im Osten der EU aufmerksam zu machen. Nur indem sie nicht, für uns unsichtbar, dort ausharren, wo sie in Armut, Ächtung und Apathie festsitzen, vermögen sie uns daran zu erinnern, dass es sie gibt und sie sich fast überall in einer desolaten Lage befinden. Blieben sie dort, wo ihnen seit Jahrhunderten und über den Wechsel der Regime die gleiche Degradierung blüht, wir würden sie schlicht vergessen.

Vor einigen Jahren habe ich in kleinen und großen Zeitungen gefordert, dass die Leipziger Buchmesse, die ihren Schwerpunkt verdienstvoll auf unbekannte europäische Literaturlandschaften richtet, einmal die Literatur der Roma zu ihrem Messe-Schwerpunkt machen sollte. Zu entdecken wären, von Spanien bis Schottland, von Frankreich bis Mazedonien, nicht bloß literarische Dokumente, die vom Elend dieser größten, immer schon transnational lebenden Minderheit berichten, sondern auch viele künstlerische Werke, die von gelungener Emanzipation, von Würde und schöner Renitenz der europäischen Roma zeugen. Was soll ich sagen? Diese Artikel haben weder bei den angesprochenen Stellen noch auf den Seiten mit Leserbriefen auch nur die geringste Resonanz hervorgerufen.

Das wiederholte sich, als ich einen Vorschlag des einstigen Kulturstadtrats von Graz, Helmut Strobl, aufgriff und zu propagieren versuchte: Dass die Europäische Union einmal die Slums der Roma in Mittel-, Süd- und Osteuropa zu ihrer Kulturhauptstadt erküren möge, um einen Prozess in Gang zu bringen, der im Sinne einer sozialen Architektur bedeutende Folgen für Hunderttausende zeitigen könnte. Reaktion: Null. Egal, worum es geht, für die Roma sind die Leute einfach nicht zu interessieren, es sei denn, es wird ein Bettelverbot erwogen.

Der österreichische Autor Michael Köhlmeier hat im Mai in einer tapferen Rede zum Wiener „Gedenktag gegen Gewalt und Rassismus“ vor versammelter Regierungsmannschaft daran erinnert, dass der Faschismus sich einst des Staates und der Gesellschaft nicht auf einen Schlag bemächtigt hat, sondern viele kleine Schritte in die große Verfolgung führten. Wie soll man es nennen, wenn in einem europäischen Staat für eine einzige Volksgruppe Sondergesetze eingeführt werden? Ab wann ist es kein hysterischer Alarmismus zu sagen, dass die größte Gefahr für die Festung Europa von unseren Festungskommandanten droht, die Europa von innen zerstören?

Quelle: Süddeutsche Zeitung
Stand: 05.07.2018

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Ukraine: Toter bei Überfall einer Nazi-Bande auf ein Roma-Lager http://antizig.blogsport.de/2018/07/01/ukraine-toter-bei-ueberfall-einer-nazi-bande-auf-ein-roma-lager/ http://antizig.blogsport.de/2018/07/01/ukraine-toter-bei-ueberfall-einer-nazi-bande-auf-ein-roma-lager/#comments Sun, 01 Jul 2018 12:50:20 +0000 Administrator Fundstücke Antiziganistische Übergriffe Beiträge auf Deutsch Antiziganismus von Rechts Ukraine http://antizig.blogsport.de/2018/07/01/ukraine-toter-bei-ueberfall-einer-nazi-bande-auf-ein-roma-lager/

Die Überfälle gegen Roma mehren sich. Dieses Mal waren es Jugendliche einer Gruppe, die sich „Lemberg Jugend“ nennt und vermutlich mit der Asow-Bürgerwehr National Druzhyna verbunden ist

Am Samstagabend wurde wieder von einer Neonazi-Bande ein Roma-Lager angegriffen und verwüstet. Dieses Mal war es ein kleines Lager, in dem sich 10 Roma, darunter 4 Kinder, aufgehalten haben sollen, in einem Wald in einem Vorort von Lwiw. Dieses Mal war es eine Gruppe von minderjährigen 16-17-jährigen Jugendlichen, angeführt von einem 20-Jährigen, die mit Messern und Schlagstöcken in einer gezielten Aktion das Lager überfallen und dabei einen 24-Jährigen getötet sowie weitere vier Personen verletzt haben, darunter eine Frau und ein zehnjähriger Junge. Schon am 9. Mai war ein Roma-Lager in Lwiw in Brand gesetzt worden.

Nach Andriy Sadovy, der Bürgermeister von Lwiw, stehen die Roma nun unter Polizeischutz, da sie Zeugen des Vorfalls sind. Er sprach allerdings von 17-18 Jahre alten Tätern und einem 20-jährigen Anführer. Die Angreifer hätten mit der Absicht, den 24-Jährigen zu töten, auf ihn eingestochen. Die Frau sei verletzt worden, nachdem sie ihr Kind zu schützen versuchte. Igor Zinkevych vom Stadtrat sprach von 10 Angreifern.

Dieses Mal hat womöglich die Polizei noch Schlimmeres verhindert. Nach Angaben der Polizei wurde sie um 23:25 am Samstagabend auf den Überfall durch maskierte Männer hingewiesen und ist dann ausgerückt. Man habe die Täter, sieben Minderjährige, festgenommen. In einer späteren Mitteilung ist dann davon die Rede, dass die Polizei den Angriff beendet und mit dem 20-jährigen Anführer der Bande insgesamt 8 Personen festgenommen habe. Angeklagt werden sie u.a. wegen vorsätzlichem Mord. Es soll sich um Schüler und Studenten handeln.

Die ukrainische Menschenrechtsorganisation KHPG sagt, vermutlich habe die Polizei bereits gewusst, dass jemand getötet worden war. Die Zeitangabe sei seltsam, wird angemerkt, schließlich hätten die Täter dann auch gewusst, dass sie jemanden ermordet hatten. Zweifel wird angemeldet, ob die 8 Festgenommen wirklich, wie die Polizei sagt, alle Täter waren oder ob es weitere Beteiligte gab. So war auch von 11-12 Angreifern die Rede. Interfax berichtet, die Polizei habe wegen der früheren Überfälle bereits zur Sicherheit Roma-Lager kontrolliert, aber das im Wald nicht gekannt. Ein Zeuge des Überfalls habe diesen der Polizei gemeldet.

Nach der Polizei setzten die Angreifer einen vorher bestimmten Plan um. Jeder der Täter soll genau gewusst haben, was er wo machen sollte. Die Bande soll der Gruppe „Nüchterne und wütende Jugend“ (Твереза і зла молодь) angehört haben. Die Größe der bislang nicht bekannten Gruppe ist nach zaxid.net unbekannt, nach der Zahl der Abonnenten auf den mittlerweile verschwundenen Seiten bei YouTube und Facebook können es vielleicht nur wenige sein. Dort nannte sie sich allerdings auf deutsch „Lemberg Jugend“, was möglicherweise eine Anspielung auf die Hitlerjugend sein könnte, aber auf jeden Fall die faschistoide Ausrichtung deutlich macht. Auf dem umbenannten YouTube-Kanal ist nach zaxid.net ein Video über eine „Safari auf Zigeuner“, auf dem Jugendliche Roma verfolgen.

Überdies waren Symbole der Misanthropic Division auf den Seiten zu sehen. Die rassistische und rechtsextreme Gruppe wurde 2013 gegründet und war Teil der Maidan-Bewegung. Mitglieder kämpften auch in der Ostukraine im Asow-Bataillon, das ein internationales Netzwerk unterhält. Mitglieder des offen faschistischen Bataillons, das pro forma in die vom Innenminister Awakow gesteuerte Nationalgarde integriert wurde, gründeten Anfang des Jahres mit einem Fackelmarsch durch Kiew und anschließender Vereidigung die National Druzhyna (Ndruga). Auch die besteht wie die „Lemberg Jugend“ vorwiegend aus jungen Männern, die als Bürgerwehr auftreten und Jagd auf alle machen, die ihnen nicht in den Kram passen, zuletzt auch auf Roma (Militante rechtsextreme Gruppen können in der Ukraine ungestraft Gewalt anwenden). Menschenrechtsorganisationen und OHCHR warnen vor dem verstärkten Auftreten rechtsextremer Gruppen, die vermehrt Gewalt anwenden und von den Behörden oft nicht belangt werden.

In der Ukraine werden Verschwörungstheorien verbreitet. So gibt etwa Unian.info den Verdacht von der 2014 von Dmytro Tymchuk gegründeten nationalistischen „NGO“ sprotyv.info (Information Resistance) völlig unkritisch weiter, nach der der Überfall der „Lemberg Jugend“ eine Inszenierung des russischen Geheimdienstes gewesen soll, der wiederum mit der angeblich von dem Polen Tomasz Maciejczuk gegründeten Misanthropic Division verbunden sein soll.

In Russland wurden mehrere angebliche Mitglieder der dort verbotenen Gruppe verhaftet und verurteilt. Russische“Propagandisten“ hätten, so geht die Geschichte weiter, sofort die Angriffe auf Roma-Lager aufgegriffen, allen voran der Dmitry Ermolaev, Chefredakteur der Rossiyskiye Vesti, der überdies Geheimdienstmitarbeiter sei.

Die Post aus dem Telegram-Kanal der Gruppe seien durch viele russische VKontakte-Gruppen verbreitet worden: „Fasst man alles zusammen, so entsteht ein ziemlich klares Bild, dass die Situation mit den Roma nicht einfach eine Folge der Unzufriedenheit von aggressiven und radialen Jugendlichen ist, sondern eine sorgfältig geplante Operation des Auslandsgeheimdienstes der Russischen Föderation, um eine negative Informationswelle in der Ukraine und außerhalb zu schaffen.“

Quelle: heise.de
Stand: 01.07.2018

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Rechtsradikale Gewalt gegen Roma http://antizig.blogsport.de/2018/07/01/rechtsradikale-gewalt-gegen-roma/ http://antizig.blogsport.de/2018/07/01/rechtsradikale-gewalt-gegen-roma/#comments Sun, 01 Jul 2018 12:47:35 +0000 Administrator Fundstücke Antiziganistische Übergriffe Staatlicher Antiziganismus Beiträge auf Deutsch Antiziganismus von Rechts Ukraine http://antizig.blogsport.de/2018/07/01/rechtsradikale-gewalt-gegen-roma/

In der Ukraine häufen sich Angriffe von Rechtsradikalen. Besonders im Fokus sind Angehörige der nationalen Minderheit der Roma. In der Westukraine griffen junge Männer mit Messern bewaffnet eine Roma-Siedlungen an. Ein Bewohner der Siedlung wurde getötet, mehrere andere verletzt.

Die ukrainische Polizei veröffentlichte nach der Tat ein Video, das die Zeltsiedlung der Roma nach dem Angriff zeigt: Spielzeug liegt neben Geschirr und Kleidungsstücken auf dem Sandboden, die Behausungen sind verwüstet. Nur wenige Stunden später meldete Polizeisprecher Serhij Knjasew einen Fahndungserfolg: „Die Polizei hat sieben Verdächtige festgenommen, darunter den 20-jährigen mutmaßlichen Anstifter des Überfalls. Die Ermittler gehen von einem vorsätzlichen Tötungsdelikt, verübt von einer dazu gebildeten Gruppe, aus. Den Tätern droht eine lebenslange Haftstrafe.“ Bei dem Angriff wurde ein 24-jähriger Rom erstochen, vier andere – unter ihnen ein Zehnjähriger – wurden schwer verletzt und in ein Krankenhaus eingeliefert.

Rechtsradikale verwüsten Roma-Siedlungen

Die Täter trugen Masken und waren unter anderem mit Schlagstöcken bewaffnet. Einige von ihnen waren offenbar noch minderjährig. Lokale Medien berichteten, sie gehörten der neonazistischen ukrainischen Gruppierung „Misanthropic Division“ an. Diese wies den Vorwurf zurück. In den vergangenen Wochen verwüsteten Rechtsradikale in der Ukraine immer wieder Roma-Siedlungen, allerdings ohne deren Bewohner zu verletzen. Oft kündigten die entsprechenden Organisationen das sogar am Tag vorher an.

Fremdenfeindlichkeit auch bei der Polizei

Darauf habe die Polizei nicht ausreichend oder oft auch gar nicht reagiert, so der Vorwurf von Beobachtern. Ein Grund dafür sei Fremdenfeindlichkeit, sagt Julia Nosenko von der Menschenrechtsorganisation „Zehnter April“: „Roma sind in der Ukraine eine besonders gefährdete Volksgruppe. Statistiken der Ombudsfrau für Menschenrechte des Parlaments zeigen, dass die Intoleranz gegenüber ihnen sehr groß ist. Das gilt für alle Schichten der Bevölkerung, auch für Beamte wie Richter und Staatsanwälte.“ Für Aufregung sorgten in der Ukraine in den vergangenen Wochen auch Berichte, wonach Geld aus dem Staatshaushalt an eine rechtsradikale Organisation vergeben wurde – unter anderem für ein Jugendlager. Diese Organisation, die sich „S14″ nennt, war an der Zerstörung eines Roma-Zeltlagers in Kiew beteiligt. Sie ist auch für die Verbreitung rassistischer Flugblätter verantwortlich.

Sorge vor Extremismus

Der Staat müsse sich dagegen klar auf die Seite der nationalen Minderheiten stellen, fordert der Menschenrechts-Aktivist Wjatscheslaw Lichatschow: „Es geht nicht um ein Projekt oder eine Maßnahme, sondern um ein System, das geschaffen werden muss. Wir brauchen ein Programm, das die Roma besser in unsere Gesellschaft integriert.“ Doch dafür sind im Staatshaushalt der Ukraine bisher überhaupt keine Mittel vorgesehen. Am deutlichsten von allen Politikern kommentierte bisher der Gouverneur des ukrainischen Karpatenvorlands Hennadij Moskal die jüngsten Angriffe auf Roma. Er sehe die Gefahr, dass das Land in den Extremismus abgleite, erklärte er. Fremdenfeindliche Straftaten würden die Ukraine über kurz oder lang international isolieren, so Moskal.

Quelle: Deutschlandfunk
Stand: 01.07.2018

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Zentralrat warnt vor Angriffen gegen Roma in der Ukraine http://antizig.blogsport.de/2018/07/01/zentralrat-warnt-vor-angriffen-gegen-roma-in-der-ukraine/ http://antizig.blogsport.de/2018/07/01/zentralrat-warnt-vor-angriffen-gegen-roma-in-der-ukraine/#comments Sun, 01 Jul 2018 12:42:42 +0000 Administrator Analyse und Kritik des Antiziganismus Fundstücke Antiziganistische Übergriffe Beiträge auf Deutsch Antiziganismus von Rechts Ukraine http://antizig.blogsport.de/2018/07/01/zentralrat-warnt-vor-angriffen-gegen-roma-in-der-ukraine/

Der Mord an einem 24-Jährigen in Lwiw ist laut dem Zentralrat Deutscher Sinti und Roma auf Rechtsextreme zurückzuführen. Die Ukraine müsse Roma besser schützen.

Der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma macht Rechtsextreme für mehrere Angriffe auf Roma in der Ukraine verantwortlich. Die Ermordung eines 24-Jährigen am Samstag in Lwiw (Lemberg) sei das „fünfte Pogrom von rechtsextremen Gruppen gegen Roma“ während der vergangenen beiden Monate, teilte der Zentralrat in Heidelberg mit. Teilweise würden die Überfälle gefilmt und ins Internet gestellt.

„Es scheint, als ob Morde und Gewalttaten gegen Roma in der Ukraine und in Europa zur Normalität werden sollen“, kritisierte der Zentralratsvorsitzende Romani Rose. Er rief die Ukraine auf, den Schutz der Roma sicherzustellen. Zugleich appellierte der Zentralrat an die internationale Staatengemeinschaft, Antiziganismus genauso eindeutig zu verurteilen wie Antisemitismus.

Am Wochenende war bekannt geworden, dass in Lwiw eine mit Schlagstöcken und Messern bewaffnete Gruppe auf ein Zeltlager von Roma losgegangen war. Nach Angaben der Polizei starb der 24-Jährige an Verletzungen, die er durch mehrere schwere Stichwunden erlitten hatte.

Zu den Verletzten zählten zudem ein zehnjähriger Roma-Junge sowie eine 30 Jahre alte Frau. Der Junge sei bereits aus dem Krankenhaus entlassen worden, hieß es. Sieben mutmaßliche Täter zwischen 16 und 17 Jahren sowie der 20-jährige mutmaßliche Planer der Attacke wurden festgenommen. Ob die Angreifer Teil einer radikalen Vereinigung sind, blieb zunächst unklar. Die Polizei leitete Ermittlungen wegen Mordes ein.

Vermehrt Angriffe auf Roma

Wie Polizeichef Sergej Kniasew mitteilte, habe es in letzter Zeit vermehrt Angriffe auf Roma gegeben. Bei einem ähnlichen Vorfall im April hatte eine Gruppe Neonazis eine Roma-Zeltstadt in der Hauptstadt Kiew niedergebrannt. Die Angreifer machten mit Steinen und Pfefferspray Jagd auf Frauen und kleine Kinder. Die Polizei nahm nach eigenen Angaben keine Ermittlungen auf, weil niemand Anzeige erstattete.

Im Juni wandten sich mehrere Menschenrechtsgruppen in einem offenen Brief an die Regierung in Kiew und forderten die Aufklärung der Attacken. Demnach waren rechtsradikale Gruppen allein in diesem Jahr für mindestens 24 Angriffe verantwortlich. In der Ukraine leben nach Schätzungen des Europarates rund 260.000 Roma.

Quelle: Zeit.de
Stand: 01.07.2018

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AfD-Anfrage: Wie viele Sinti und Roma leben in Sachsen? http://antizig.blogsport.de/2018/06/26/afd-anfrage-wie-viele-sinti-und-roma-leben-in-sachsen/ http://antizig.blogsport.de/2018/06/26/afd-anfrage-wie-viele-sinti-und-roma-leben-in-sachsen/#comments Tue, 26 Jun 2018 11:12:28 +0000 Administrator Deutschland Fundstücke Antiziganistische Klischees Antiziganismus auf politischer Ebene Abschiebung und Asyl Beiträge auf Deutsch Antiziganismus von Rechts http://antizig.blogsport.de/2018/06/26/afd-anfrage-wie-viele-sinti-und-roma-leben-in-sachsen/

Die Aufregung und Empörung über den Vorstoß des italienischen Innenministers Matteo Salvini von der rechtsextremen Lega Nord, eine Zählung von Sinti und Roma in seinem Land durchzuführen, ist immer noch enorm. Ähnliche Vorstöße gibt es auch in Deutschland – von der AfD.

Am 13. Juni 2018 stellte der AfD-Landtagsabgeordnete Carsten Hütter eine kleine Anfrage an den sächsischen Landtag. Zum einen will Hütter wissen, wie viele Sinti und Roma seit 2010 in Sachsen leben, aufgeschlüsselt nach deutscher und anderer Staatsangehörigkeit – denn die deutschen Sinti und Roma seien nicht das Problem, wie es 2015 von der AfD Thüringen hieß. Über den Vorschlag, Sinti und Roma zählen zu lassen, hat Belltower.News bereits an anderer Stelle berichtet. Außerdem will Hütter unter anderem wissen, wie viele der Sinti und Roma Schüler*innen sind und ob die Schulpflicht hier eingehalten werde.

Zu den gängigen Vorurteilen, denen sich Sinti und Roma bis heute ausgesetzt sehen, gehört eine scheinbare Bildungsferne. Im Nationalsozialismus durften Sinti und Roma keine Schulen besuchen – danach hatten viele Eltern der Minderheit emotionale Probleme damit, ihr Kinder in Schulen zu schicken, in denen die gleichen rassistischen Lehrer*innen weiter unterrichten durften. Wie eine Studie von 2016 herausstellte, sind Schulen für Sinti- und Roma-Kinder in Deutschland nach wie vor keine sicheren Orte. Die Schule ist oft der erste Ort, an dem die Kinder der Sinti und Roma mit Vorurteilen konfrontiert werden.

Darüber hinaus möchte Hütter von der Landesregierung noch Informationen zur Wohnsituation und Sozialleistungen erhalten. Allerdings dürften seine Aussichten auf Antworten ziemlich erfolglos sein, schließlich werden in Deutschland keine Ethnien gezählt. Dementsprechend kann die Landesregierung hier gar keine Antworten liefern, weil es schlicht keine Zahlen zu gibt – und das ist auch gut so.

Sind für Tillschneider alle Bulgaren und Rumänen in Deutschland Sinti oder Roma?

Etwas besser kennt sich da der Rechtsaußen-AfD-Landtagsabgeordnete Hans-Thomas Tillschneider aus. Auch er wollte vergangenes Jahr etwas über Sinti und Roma wissen, um diese weiter zu stigmatisieren. Der Abgeordnete in Sachsen-Anhalt wollte von der Landesregierung wissen, wie viele Sinti und Roma in seinem Bundesland leben. „Sollte die Zugehörigkeit zur Volksgruppe der Sinti und Roma nicht erfasst werden, frage ich, wie viele bulgarische und rumänische Staatsangehörige insgesamt im Land Sachsen-Anhalt leben“, ist in seiner Anfrage zu lesen.

Natürlich sind nicht alle Bulgaren und Rumänen Sinti oder Roma und natürlich sind auch nicht alle in Deutschland lebenden Sinti und Roma gebürtig aus Bulgarien und Rumänien. Aber um Korrektheit geht es Tillschneider nicht, der übrigens in Rumänien geboren wurde. Seine Anfrage „Straffälligkeit von EU-Bürgern aus der Volksgruppe der Sinti und Roma“ implizieren bereits, dass Sinti und Roma Kriminelle und Schmarotzer seien, die das Sozialsicherungssystem ausnutzten.

Ähnliche AfD-Anfragen zu Sinti und Roma

Eine ähnliche kleine Anfrage wurde 2015 von Abgeordneten der AfD in Hamburg mit dem Titel „Integration von Roma“ gestellt. 2014 stellte die AfD im Thüringer Landtag die Kleine Anfrage „Abschiebung und Abschiebehindernisse II“, in welcher der Protest gegen die Abschiebung von Roma-Familien als kriminelle Tat dargestellt wurde. In Berlin stellten Abgeordneten der AfD 2017 eine Kleine Anfrage an den Senat, in der versucht wurde, den Roma-Verein Amaro Foro mit vermeintlich linksextremen Organisationen in Verbindung zu bringen.

AfD-Anfragen: Diffamierung der Gegner

Vom Recht, der Regierung Fragen zu stellen, macht traditionell vor allem die Opposition Gebrauch – es ist ein Instrument parlamentarischer Kontrolle. Die AfD hat daran offenbar großen Gefallen gefunden. Sie nutzt das Instrument der parlamentarischen Anfrage, um unliebsame politische Gegner, Geflüchtete, Muslime, aber auch Sinti und Roma zu diffamieren. Schaut man sich die Anfragen der AfD an, fällt auf, dass diese in den meisten Fällen immer erstaunlich kurz sind und offenbar nur mit Minimalaufwand erstellt wurden. Die AfD-Abgeordneten versuchten sich selbst als „Anwälte der Bürger*innen“ darzustellen, beispielsweise in dem sie aufzuzeigen versuchen, an welchen Punkten der Staat vermeintlich Steuergelder an Sinti und Roma verschwendet. Auffallend ist jedoch, dass die Anfragen, sowohl auf Bundes- wie auch auf Landesebene oft stümperhaft sind.

Im Falle der Hütters-Anfrage zur Auflistung von Sinti und Roma in Sachsen ist es möglich, dass dem Antragsteller einfach unbekannt ist, dass es keine Erfassung von Sinti und Roma in Deutschland gibt. Vielleicht ist der Sinn der Anfrage aber schlicht Provokation. Schließlich gehört es zum Konzept der AfD, stetig neue und weitere rote Linien zu überschreiten und die Grenzen des Sagbaren immer stärker auszudehnen.

Quelle: Bell Tower News
Stand: 26.06.2018

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Die ukrainischen Neonazis von C14 vertreiben Roma-Familien und brennen ihr Camp nieder http://antizig.blogsport.de/2018/06/26/die-ukrainischen-neonazis-von-c14-vertreiben-roma-familien-und-brennen-ihr-camp-nieder/ http://antizig.blogsport.de/2018/06/26/die-ukrainischen-neonazis-von-c14-vertreiben-roma-familien-und-brennen-ihr-camp-nieder/#comments Tue, 26 Jun 2018 11:06:39 +0000 Administrator Analyse und Kritik des Antiziganismus Fundstücke Antiziganistische Übergriffe Beiträge auf Deutsch Antiziganismus von Rechts Ukraine http://antizig.blogsport.de/2018/06/26/die-ukrainischen-neonazis-von-c14-vertreiben-roma-familien-und-brennen-ihr-camp-nieder/

Serhij Mazur, ein bekannter Aktivist der rechtsextremen Organisation C14, hat auf seiner Facebook-Seite damit geprahlt, Roma-Familien aus deren Camp auf dem Lysa Hora* vertrieben zu haben. Trotz der eindeutigen Anmerkungen in seinen Posts und der Tatsache, dass die Roma flohen, ohne die Kleidung etc. ihrer Kinder mitzunehmen, sah die Polizei anscheinend keinen Anlass, einzugreifen. Sie erklärte lediglich, keine Beschwerden erhalten zu haben. Es ist zudem besorgniserregend, wie viele ukrainische Medien (etwa TSN und Kanal 5) Mazurs Worte benutzten, um über den „Streifzug“ zu berichten. Über die Gründe, warum die 15 Familien ihre Unterkünfte in großer Eile verlassen haben, erfährt man nichts.

* Lysa Hora ist ein größer Hügel und Naturreservat in Kiew; Anm. der Übers.

Die Roma-Familien sind Berichten zufolge aus Transkarpatien nach Kiew gekommen, um hier Arbeit zu finden. Falls Mazur die Wahrheit sagt, dann waren die Maßnahmen, um sie zu vertreiben, das Ergebnis einer Kollaboration von Mitgliedern der C14 mit der so genannten „Gemeindegarde“ („Муніципальна варта“) und der Holosijiwer* Bezirksverwaltung. Wie berichtet wird, hat diese „Gemeindegarde“, die von C14-Mitglied Serhij Bondar angeführt wird, im Dezember 2017 sowohl einen Kooperationsvertrag mit der Bezirksverwaltung als auch mit der Holosijiwer Nationalpolizei unterzeichnet.

* Der Rajon (Bezirk) Holosijiw ist einer der Verwaltungsbezirke der ukrainischen Hauptstadt Kiew; Anm. der Übers.

Wenn Mazur über Roma schreibt, benutzt er gerne die beleidigende Abkürzung „Zi“. Er sagt, Roma hätten den „Lysa Hora wieder besetzt“ und dass es jetzt sind. Ebenso mehr „von ihrem Müll“. Laut Mazur wurde den Roma von C14, der „Gemeindegarde“ und der Bezirksverwaltung „ein Ultimatum gesetzt, das gesperrte Parkgebiet bis MORGEN zu verlassen. Falls sie die Forderung nicht erfüllen, werden sie auf andere Art gebeten werden zu gehen. Innerhalb des gesetzlichen Rahmens.“

Die Erwähnung des Gesetzes mangelt jeglicher Glaubwürdigkeit. Wenn die lokale Verwaltung berechtigt ist, ein Ultimatum zu setzen, sollte sie sich an die Strafverfolgungsbehörden wenden, falls das Ultimatum ignoriert wird. Jede „andere“ Methode, die Mazurs Post andeutet, geht die C14-Aktivist_innen entweder nichts an oder ist eine Schönfärberei für Zwangsmaßnahmen, die sicherlich nicht gesetzlich sind.

Der Rest des Posts ist einfach nur beleidigend. Falls, und das kann bezweifelt werden, er unter die Meinungsäußerung fällt, ist eine derartige Anstiftung zu Hass und Vorurteilen gegen eine ethnische Gruppe seitens hoher Vertreter_innen einer Organisation, die mit Behörden kooperiert, sicherlich inakzeptabel.

Am 21. April hat Mazur in einem Post erklärt, es befänden sich keine Roma (dies ist nicht der Ausdruck, den er verwendet) mehr auf dem Lysa Hora. „Gestern sind sie der Forderung nicht gefolgt, und nur einige haben das Camp im Park verlassen. Nach überzeugenden rechtlichen Argumenten haben die anderen jedoch auch entschieden, das Sperrgebiet zu verlassen.“ Die C14-Aktivist_innen haben anschließend „fast den ganzen Müll aufgeräumt“ und die Zelte abgebrannt.

Wenn die so genannten „überzeugenden Argumente“ gesetzlich gewesen wären, wäre es unwahrscheinlich gewesen, dass die Roma-Familien die Kleidung ihrer Kinder und Lebensmittel zurückgelassen hätten.

Der Journalist Jewhen Sawatejew hat dem Hromadske Radio erzählt, „es sieht so aus, als ob die Menschen, die in diesem Camp lebten, gezwungen worden wären zu fliehen und nicht einmal das Nötigste mitnehmen konnten“. Er sagte, es habe etwa 15 Hütten gegeben, in der jeweils eine Familie „gelebt“ habe.

Zola Kondur von der Roma-Frauen-Organisation Chirikli zufolge war das Camp in den letzten vier Jahren bereits öfter Thema. Sie sagt, die dort lebenden Menschen hätten sich gerne integriert und mit den Behörden kooperiert. Unter dem Vorwand, sich nicht mit Tuberkulose anstecken zu wollen, forderten andere Bewohner_innen des Bezirks jedoch, dass es Roma nicht erlaubt würde, die öffentlichen Verkehrsmittel zu benutzen oder in den Läden einzukaufen. Kondur weist allerdings darauf hin, medizinische Untersuchungen hätten ergeben, dass es in dem Camp keine mit Tuberkulose oder HIV infizierten Bewohner_innen gebe.

Sie wirft der Bezirksverwaltung vor, sie wolle die Sozialfürsorge nicht einbeziehen und fügt hinzu, dass das Camp, das tief im Naturschutzgebiet von Lysa Hora liegt und schwer zu finden ist, jeden störe.

Dies war nicht der erste „Streifzug“. Mazur hat am 18. April berichtet, dass am Tag zuvor „gute Menschen einen Streifzug am Bahnhof, der fast völlig von Zi…ern besetzt war, durchgeführt haben“. Es gibt die üblichen beleidigenden Beschwerden über „die negative Verhaltensweisen seitens der Roma“, welche von ihrem „Spaziergang“ angeblich eingedämmt worden seien. Mazur berichtet außerdem, sie hätten „Papiere und Fahrkarten überprüft. In ein oder zwei Tagen wird niemand von ihnen mehr hier sein“. Er fragt, warum solche „Patrouillen“ nicht von der Polizei ausgeführt würden. Mazur wäre zweifellos von der Moskauer Polizei beeindruckt, die solche „Überprüfungen“ – ausschließlich auf Grundlage ethnischen Profilings – ständig durchführt. Er beendet sein Posting mit der Behauptung, C14 würde „Zi…er“ nicht bekämpfen, sondern lediglich die „negativen Verhaltensweisen ihrer Vertreter“ und lädt andere ein, sich ihnen anzuschließen. Er verspricht weitere „Streifzüge“ wie die gegen die Roma auf dem Lysa Gora.

Es gibt zwingende Gründe, eine behördliche Untersuchung dieser „Streifzüge“ der C14-Bürgerwehr zu fordern. Falls die Auflösung des Camps auf dem Lysa Gora tatsächlich zusammen mit der Bezirksverwaltung erfolgte, erscheint eine Untersuchung angemessen. Außerdem sollte ernsthaft überdacht werden, ob solche „Kooperationen“ rechtmäßig weitergeführt werden können.

Fragwürdige „Partnerschaft“

C14 bezeichnet sich selbst als „nationalistische“ Organisation und streitet ab, neonazistisch zu sein. Wjatscheslaw Lichatschew, der die rechtsextremen Bewegungen in der Ukraine seit über einem Jahrzehnt beobachtet, ist davon nicht überzeugt. Er weist darauf hin, dass die C14-Aktivist_innen, die die Kiewer Stadtverwaltung während des Euromajdan* besetzt hielten, das Gebäude mit Neonazi-Transparenten und -Graffiti bedeckten.

* Der Euromajdan war ab 2013 eine Protestbewegung in der Ukraine; zu den Protestierenden gehörten auch Rechtsextreme, wie etwa die Partei Swoboda; Anm. der Übers.

Die C14-Aktivist_innen behaupten gerne, sie würden „Separatisten“, „Tituschki“* oder bezahlte Schläger, aber auch korrupte Gerichte, etc. bekämpfen. Das Prinzip, nach dem sie bestimmen, wer „Separatisten“ sind oder allgemeiner gefasst, wen sie bekämpfen, gibt ernstlich Anlass zur Sorge.

* Als Tituschki bezeichnete man während des Euromajdan von der Polizei bezahlte Provokateure; Anm. der Übers.

Am 19. Januar 2018 verhinderten C14-Aktivist_innen die traditionelle Zusammenkunft zur Erinnerung an die Sewastopoler Journalistin Anastassija Baburowa und den russischen Juristen Stanislaw Markelow, die 2009 in Moskau von neonazistischen russischen Nationalist_innen ermordet worden sind. Die Behauptung, diejenigen, die der beiden ermordeten Antifaschist_innen gedenken, seien „Separatisten“, ist lächerlich. Wolodomir Tschemeris, einer der Organisatoren der Veranstaltung, versichert, sie seien nicht nur von C14-Schläger_innen sondern auch von russischen und weißrussischen Neonazis behelligt worden.

Einer der verstörendsten Aspekte an jenem Tag war das totale Versagen der Kiewer Polizei, angemessen auf das aggressive Verhalten derjenigen zu reagieren, die sich der Erinnerungsveranstaltung entgegenstellten. Stattdessen verhaftete sie acht Personen, die gekommen waren, Barburowa und Markelow zu gedenken. Die Polizei behauptete später, es habe keine Verhaftung gegeben, sondern die Aktivist_innen seien in die Polizeistation „eingeladen“ worden. Es jedoch gab keine Andeutung, dass die „Einladung“ hätte abgelehnt werden können.

Die verhafteten Aktivist_innen berichteten später, dass sie nach Verlassen der Polizeistation von rechtsextremen Schläger_innen „gejagt“ worden seien. Ein Mitglied des Informationszentrums für Menschenrechte, das mit ihnen gesprochen hat, meint, die Schläger_innen hätten nur durch die Polizei selbst erfahren können, auf welche Station die Aktivist_innen gebracht worden seien.

C14 beteiligte sich an Angriffen auf Aktivist_innen, die am jährlichen Equality March (Kiev Pride) teilnahmen, auf Menschenrechtsaktivist_innen, auf eine Kunstausstellung und sogar auf Protestierende mit ausschließlich sozioökonomischen Forderungen. Ihre Mitglieder könnten unter den 50 jungen rechtsextremen Rüpeln gewesen sein, die am 26. März 2018 Veranstaltungen angriffen, die mit dem Kiewer Docudays-Filmfestival in Zusammenhang standen. Sie zerstörten Poster, die für Toleranz und Vielfalt warben, und versuchten, eine Podiumsdiskussion über die rechtsextremen Bewegungen zu verhindern.

Es gibt weitere Gründe, Kooperationen anderer lokaler Behörden oder der Polizei mit C14 mit Sorge entgegen zu sehen. Noch unter dem Regime Wiktor Janukowitsch, haben Jewhen Karas und seine C14-Kameraden im Dezember 2012 Menschenrechtsaktivist_innen angegriffen, die gegen den repressiven Gesetzesentwurf protestierten, der das gleiche Verbot „Homosexueller Propaganda“ vorsah, das im benachbarten Russland verabschiedet worden ist. Verhaftet wurden vorwiegend Protestierende.

C14 war in diverse Gewalttaten verwickelt. Es gibt Berichte, dass sie am 13. Dezember 2017 Mitglieder einer anderen lokalen Gruppierung angegriffen hat. Zwei Mitglieder dieser Gruppe kamen mit Schussverletzungen ins Krankenhaus. Anscheinend ging es bei dem Konflikt darum, ihre Macht über ein bestimmtes Gebiet herzustellen.

Am 26. Februar 2018 veröffentlichte C14 eine Anzeige auf ihrer Facebook-Seite, in der sie recht offen regelmäßigen Spender_innen ihre Dienste als Schläger_innen anboten. Sie schrieben „C14 arbeitet für Sie. Helfen Sie uns, flüssig zu bleiben, und wir helfen Ihnen. Für regelmäßige Spender öffnen wir eine Wunschbox. Wem unserer Feinde möchten Sie das Leben schwer machen? Wir versuchen es“. Die Organisation hat vermutlich verstanden, dass solche Offenheit ihre Versuche, sich als prinzipientreue Verteidiger der Ukraine anzupreisen, unterlaufen. Der Post ist nicht mehr verfügbar. Jedoch kann man ihn hier sehen, und er stand wochenlang auf ihrer Seite. Die Einladung, sich den „Streifzügen“ gegen Roma auf dem Bahnhof oder an ihren Wohnorten anzuschließen, sagt nichts über die Motive für die Teilnahme an Streifzügen von hochgradig fragwürdiger Legalität, eingelullt in Behauptungen, die zu Hass und Fremdenfeindlichkeit anstiften.

Quelle: Roma Antidiscrimination Network
Stand: 26.06.2018

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